: Magnus Dellwig
: Im 21. Jahrhundert 2056: Frieden oder Sieg? (Band 4)
: neobooks Self-Publishing
: 9783754996645
: Im 21. Jahrhundert
: 1
: CHF 4.50
:
: Erzählende Literatur
: German
: 500
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Band 4 - Sieg oder Frieden? 2056. Nach einem Jahr in rusischer Kriegsgefangenschaft und der spektakulären Enttarnung der Untergrundzeitung der Opposition Istwestja Nova fordert Fischer Staatspräsident Semjonow zu Gesprächen über einen Waffenstillstand auf. - Und der russische Präsident empfängt ihn tatsächlich im Kreml. Dann führt Fischer als Bevollmächtigter der Nato in Moskau erfolgreich den Waffenstillstand herbei. Doch die Friedensgespräche in Genf scheitern. Fischer tritt wieder an die Spitze der Nato-Truppen. Über erfolgreiche Offensiven verliert die Russische Föderation ihre Fähigkeit zur Selbstverteidigung. Statt des Angriffs auf Moskau ruft Ludwig Fischer alias Alexander Puschkin die Russen zum passiven Widerstand auf, um den Frieden zu erzwingen. Es kommt zum Aufstand in Moskau. Als Präsident Semjonow Schießbefehl auf das Volk erteilt und den Einsatz taktischer Atomwaffen befiehlt, wird er von einem Bündnis aus der von Fischer in Seriotogorsk mitgegründeten Partei für Frieden, Freiheit und Solidarität, dem Innenminister und dem russischen Oberkommandierenden abgesetzt. Der Krieg wird beendet und Fischer übernimmt in Moskau als Militärgouverneur den Übergang in den Frieden.

Magnus Dellwig, Dr. phil., Historiker und Sozialwissenschaftler, Jg. 1965, Leiter des Stadtarchivs Oberhausen, Veröffentlichugen zur Geschichte und zum Strukturwandel Oberhausens und des Ruhrgebiets, Veröffentlichung von historisch-politischen Romanen: 1989 Führergeburtstag (2007), Die China-Krise (2010), Ost und West (2014), 1918 Wilhelm und Wilson (2017), Im 21. Jahrhundert (2023, Romanepos in 4 Bänden)

1 Ein Jahr Seriamansk




Im größten Kinosaal des Madison Square Garden Center in New York City erlosch das Licht. Endlich, nach für Ellen Gates schier endlosen Begrüßungen und Vorworten, begann der Spielfilm „Seriamansk – Königin der Schlachten“, dessen Premiere die Welt am 23. Dezember 2055, dem ersten Jahrestag der Schlacht von Seriamansk, genauer dem ersten Todestag des Oberkommandierenden der Nato-Streitkräfte General Ludwig Fischer, in New York beging. Am gleichen Tag fand in Berlin ebenfalls eine Filmpremiere für Europa statt. Dort kam das Werk „Das Wunder von Bogdiliansk“ im Ufa-Filmpalast an der Friedrichstraße zur Uraufführung. Diesen Film hatte die Präsidentin der Gates-Foundation bereits zwei Tage zuvor an der Seite von Colonel Heather Waites bei seiner Weltpremiere im Pentagon in Washington erleben dürfen. Seit Ludwig Fischers Tod Weihnachten vor einem Jahr hatte Ellen nicht mehr so viel geweint wie in den beiden zurückliegenden Tagen.


Den Grund dafür bildete eine ebenso brutale wie neue Erkenntnis. Der Film über Bogdiliansk hatte Ellen erstmals einen detaillierten Einblick in die strategischen Winkelzüge der Schlacht, vor allem aber in die charismatische Feldherrenleistung ihres gefallenen Freundes Ludwig verschafft. Wie ein Paukenschlag traf sie die Erkenntnis, dass jenes große Wort vom Größten Feldherren unseres Zeitalters, welches Präsident Michael Cane bei der Trauerfeuer für Ludwig nach Weihnachten 2054 gewählt hatte, keine billige Propaganda war. Die erfolgreichsten Generäle und Admiräle der US-Streitkräfte hatten sich in dieser Schlacht und danach widerspruchslos dem Kommando, dem Willen eines Mannes gebeugt, der zuvor niemals ein Kommando geführt hatte. Jetzt begriff Ellen warum! Dadurch aber stand Ludwig plötzlich wieder vor ihr, in seiner für sie unvergleichlichen Art des Understatements. Er war ein Mann, der sich ihr gegenüber schlichtweg nicht mit dem Sieg von Bogdiliansk in allen Einzelheiten hatte rühmen wollen. Diese Diskrepanz zwischen Bescheidenheit, Alltäglichkeit in sämtlichen Dingen ihres Zusammenlebens und ihrer Freundschaft hier, der offensichtlichen Genialität seines strategischen Könnens dort, hatten Ellen Gates wie ein Keulenschlag erwischt. Mit jeder neuen Erinnerung an ein neues Detail aus ihrem nur kurzen gemeinsamen Leben mit Ludwig Fischer brach die fundamentalste aller Emotionen durch, die ein Mensch hegen kann: Ellen liebte Ludwig ein Jahr nach seinem Tod wieder genauso wie an jenem Tag im Dezember 2054 vor über einem Jahr, als er sich von ihr in New York verabschiedete, um in Europa erneut sein Kommando über sämtliche Streitkräfte der Nato in diesem gottverdammten Krieg gegen Russland anzutreten.

Auf Long Island hatten sie zum ersten Mal einige Tage wie ein richtiges Paar verbracht. Ihre Nähe war grenzenlos. Ellen war sich heute felsenfest sicher – weit mehr als damals, dass beide unter Entsagungen auf Sex verzichtet hatten, weil der Krieg wie ein Damoklesschwert und wie ein böses Omen über ihnen schwebte. Ludwig hatte es sogar einmal ausgesprochen. Er wolle keine Witwe zurücklassen. Aber er könne ihr im Gegenzug auch nicht versprechen, auf eine Form der Truppenführung als oberster Feldherr des Westens zu verzichten, die seinen Kopf kosten konnte. Denn er hatte es schließlich schon einmal getan, in eben jener legendären Schlacht um Bogdiliansk, deren Hergang sie vorgestern im Film erst begriffen hatte: Ohne Ludwig Fischer, der im Stab seiner Armee in Minsk beinahe von einer russischen Rakete getötet worden wäre und danach erst zur Höchstform aufgelaufen war, hätten die Alliierten die Schlacht verloren! Ellen liebte Ludwig für das, was er geleistet hatte. Und sie hasste ihn dafür, in Seriamansk sein Leben gegeben zu haben für andere – obwohl, ja obwohl die Nato diese Schlacht voraussichtlich auch ohne seinen heroischen Einsatz gewonnen hätte.


Als Ellen vor zwei Tagen schon einmal, damals im Pentagon in Washington, im