Kapitel 1
Früh war ja okay, aber musste es wirklichso früh sein? Um drei Uhr nachts war Ida aus dem Bett gestiegen und hatte Anna geweckt, die seltsamerweise sofort hellwach gewesen war.
Ida hatte schon befürchtet, dass ihre Freundin in der Nacht vor der Reise schlecht schlafen würde. Anna war nämlich noch nie geflogen. Bisher war sie in den großen Ferien mit ihren Eltern nach Kroatien gefahren, und zwar mit dem Auto. Aber diesen Sommer durfte Anna nach Schweden mitkommen.
Der Flug ging um zwanzig vor sieben, und Idas Großeltern hatten erklärt, dass man schon vor fünf Uhr am Flughafen sein müsse. Mitten in der Nacht sozusagen! Das war auch der Grund, warum Anna bei Ida übernachtet hatte. Nicht dass noch irgendetwas schiefging und sie den Flieger verpassten!
Idas Opa nahm das alles recht gelassen, die Oma hingegen war mit den Nerven am Ende. Ida war zwar schon mehrfach nach Schweden geflogen, aber Flugzeuge blieben für Oma nun mal Teufelszeug. Und die Tatsache, dass Anna diesmal mitkommen sollte, stresste die Oma noch mehr.
Ida freute sich. Ihre beste Freundin Anna würde die gesamten Ferien mit ihr in Schweden verbringen! Natürlich würde sie ihr alle vorstellen: Steffi, Ingrid, Kristoffer und natürlich auch Magnus, den Anna noch gar nicht kennengelernt hatte. Magnus war der neue Freund ihrer Mutter, ein eher spezieller Typ. Aber Anna würde sie alle lieben. Zwar war Anna kein richtiges Pferdemädchen, aber Ida hoffte, dass ihre Freundin sich auf der Drömhäst Ranch für Pferde begeistern würde, einfach weil dieser Pferdehof der beste Platz war, um reiten zu lernen.
In den letzten Tagen war sie Anna ein bisschen auf die Nerven gegangen mit ihrer Schwärmerei. Am Ende hatte ihre Freundin gesagt: »Ich wundere mich ja nur, dass du nicht doch zu deiner Mutter gezogen bist.«
Idas Mutter Andrea war vor einiger Zeit nach Schweden gegangen, wo sie einen Reiterhof mit einem angegliederten Hotel betrieb. Im vergangenen Sommer hatte Ida eine Wahl treffen müssen – zwischen Schweden und Bayern. Letztlich hatte sie sich für Oma und Opa, für ihre Schule und ihre Freunde in Deutschland entschieden – und auch für ihren Vater, der noch einmal geheiratet hatte und mit seiner neuen kleinen Familie ganz in der Nähe der Großeltern lebte. Er hätte die Mädchen gerne an den Flughafen gefahren, aber in seinem Bergsportladen fand gerade eine Eventwoche mit Vorträgen und Materialtests statt, bei der er unabkömmlich war.
Auch wenn Ida sich für ihr altes Leben entschieden hatte, war die Drömhäst Ranch doch zu ihrer zweiten Heimat geworden, und mittlerweile fand sie es ziemlich cool, so was wie einen Zweitwohnsitz in Schweden zu haben.
Sonst war sie immer nach Stockholm geflogen, doch diesmal würde es nach Kopenhagen gehen. Steffi, die Reitlehrerin auf der Drömhäst Ranch, war auf einem Kurs in der Nähe von Malmö gewesen und hatte versprochen, Ida und Anna zum Reiterhof mitzunehmen. Das hieß, die beiden würden vom Kopenhagener Flughafen aus mit dem Zug nach Malmö fahren müssen.
»Aber, Mädele, Kopenhagen liegt doch in Dänemark!«, hatte Idas Oma entsetzt gerufen.
»Herrgott Sakrament!«, hatte Idas Opa entgegnet. »Von Dänemark führt doch diese Brücke über den Dingsdasund, da ist man blitzschnell in Schweden. Das ist so ähnlich wie die S-Bahn in München.«
Der Opa meinte die Öresundbrücke, und man brauchte wirklich nur gute zwanzig Minuten vom Flughafen Kopenhagen nach Malmö. Idas Mutter, die neben dem Reiterhof