Mein Tagebuch
Montag, 8. April 2004, 12 Uhr 30: In Deutschland gelandet. Himmel ist grau. Gehe durch München. Habe mir die Stadt schöner vorgestellt. Und wo istHofbräuhaus?
14 Uhr: Das ist gar nicht München, das ist immer noch Flughafen.
14 Uhr 30: Ich will Fahrkarte kaufen. Frau am Schalter sagt: »Grüß Gott.«
Na bravo! Mein erstes Gespräch in Deutschland und sie will über Gott reden.
Ich sage: »Tut mir leid, ich bin Moslem. Wir sagen ›Grüß Allah‹.«
Frau guckt mich komisch an. Dann redet sie in Sprache, die ich noch nie gehört habe. Ich frage: »Sprechen Sie Deutsch?«
Sie nickt.
Ich frage: »Warum sprechen Sie dann nicht Deutsch mit mir?«
Die Frau guckt sehr beleidigt.
Es gefällt mir, dass ich trotz des grellen Lichtes die Leute zumindest in den ersten Reihen sehe. Nur in ein schwarzes Loch zu gucken, wie es auf manchen Bühnen der Fall ist, ist anstrengender für mich.
Die Scheinwerfer sind sehr heiß, ich schwitze, aber das ist, glaube ich, nicht dieses »Lampenfieber«, von dem die Kollegen manchmal erzählen. Sie sagen, dass sie aufgeregt sind, bevor sie auf die Bühne gehen, das aber ganz schnell weg ist, wenn sie anfangen zu spielen. Mir wird eigentlich erst auf der Bühne richtig heiß.
Aufregung ist mir ziemlich fremd, ich habe ja meinen Text auswendig gelernt und trage ihn vor und das war’s. Deswegen brauche ich doch nicht aufgeregt zu sein, ich bin ja Profi und weiß, was ich tue. Wobei, selbst als ich noch Anfänger war, war ich nicht sehr aufgeregt. Ich habe vorher einfach immer ein, zwei Bierchen getrunken, dann war ich entspannt.
Die Leute haben Spaß und kichern fast ununterbrochen. Immer wieder gucke ich hoch von meinem Text und tue so, als wunderte ich mich, dass die Leute lachen. Dann lachen sie noch mehr.
Das war früher noch anders. Da habe ich wirklich nicht verstanden, was ich da vortrage, und hatte echt keine Ahnung, warum gelacht wurde.
Eigentlich kann ich den Text auch schon lange auswendig, natürlich auf Deutsch, aber es kommt besser an, wenn ich vortäusche, ich würde es ablesen, schließlich ist es ja mein Tagebuch und ein Buch liest man.
Es ist Samstag und derQuatsch Comedy Club ist gerammelt voll. Das ist wieder so ein komischer Ausdruck, an den ich mich schlecht gewöhnen kann, davon gibt es viele im Deutschen. Wenn Hasen Sex haben, heißt das rammeln, habe ich gelernt – aber was hat das mit einem vollen Theater zu tun? Während ich darüber nachdenke, lese ich meine Tagebuchnummer weiter und mache Pausen, um die Menschen applaudieren und lachen zu lassen. Ich brauche heute besonders viel Zeit, weil den Leuten anscheinend sehr gut gefällt, was ich vortrage.
18 Uhr: Jetzt bin ich in München.
Himmel immer noch grau.
Deutschland hat viele Überraschungen: Alter Mann geht über Zebrastreifen und Auto bremst.
In der Türkei wäre er jetzt im Krankenhaus.
Unglaublich: Die D