: Serhat Dogan, Käthe Lachmann
: Mein Visum war ein Witz Mein Weg auf deutsche Bühnen
: Satyr Verlag
: 9783947106981
: 1
: CHF 10.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 184
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Nach Deutschland mit dem Comedy-Visum - eine verrückte Einwanderungsgeschichte, ungewöhnlich und sympathisch. Mit Einfallsreichtum und Humor findet der Autor seinen Weg aus der Türkei auf die deutschen Brettlbühnen. Eine witzige Autobiografie, notiert von einem kongenialen Autorenduo. Serhat Dogan steht mittlerweile seit vielen Jahren auf deutschen Kleinkunstbühnen, tritt in Fernsehsendungen und Comedyshows auf. Und inzwischen macht ihm das auch Spaß und er versteht, warum die Leute lachen. Als er 2004 aus der Türkei nach Deutschland kam, sah das noch anders aus. Nach dem Sportstudium sollte er seinen Wehrdienst leisten, doch zur türkischen Armee wollte er auf keinen Fall. Sein deutscher Schwager in spe, niemand Geringeres als Bestsellerautor Moritz Netenjakob, hatte die rettende Idee: Er schrieb Serhat ein kleines Comedyprogramm, das dieser auf dessen Hochzeit aufführte - ohne auch nur ein Wort davon zu verstehen. Der Auftritt wurde ein voller Erfolg, und mit einiger prominenter Unterstützung gelang es Serhat Dogan, in Deutschland bleiben zu dürfen - unter der Voraussetzung, dass er hier als Comedian arbeitet. Gemeinsam mit seiner Kollegin Käthe Lachmann erzählt Dogan die Geschichte einer ungewöhnlichen Bühnenkarriere: sympathisch, offenherzig und - natürlich - sehr komisch. »Mit herzerfrischender Ironie zeigt er die Kulturunterschiede aus Sicht eines Deutschtürken. Seine Pointen sitzen, seine charmante Ratlosigkeit ist liebenswürdig.« Neue Osnabrücker Zeitung über Serhat Dogan

Serhat Dogan wurde 1974 in Köln geboren und zog 1980 mit den Eltern nach Izmir. Er schwamm für die türkische Nationalmannschaft und kehrte 2004 nach einem Sportstudium nach Köln zurück. Er tritt mit seinen Bühnenprogrammen bundesweit auf, wurde für zahlreiche Kleinkunstpreise nominiert und ist in Fernsehshows ein gern gesehener Gast, u. a. war er schon bei »Rent a Pocher« (Pro Sieben), »Müller& Friends« (SWR) sowie in den WDR-Produktionen »NightWash«, »Funkhaus«, »Stratmanns« und »Für heute danke« zu sehen. Käthe Lachmann wurde 1971 in Reutlingen geboren und zog 1992 nach Hamburg, wo sie Philosophie, Soziologie und Neuere Deutsche Literatur studierte. Ab 1995 war sie als Comedienne mit ihren Soloprogrammen bundesweit unterwegs und wurde mit dem »NDR-Comedypreis«, dem »Prix Pantheon« und dem »Deutschen Kabarettpreis« ausgezeichnet. In verschiedenen großen Verlagen veröffentlichte sie mittlerweile zehn Romane, erzählende Sachbücher und Kurzgeschichtenbände.

Mein Tagebuch


Montag, 8. April 2004, 12 Uhr 30: In Deutschland gelandet. Himmel ist grau. Gehe durch München. Habe mir die Stadt schöner vorgestellt. Und wo istHofbräuhaus?

14 Uhr: Das ist gar nicht München, das ist immer noch Flughafen.

14 Uhr 30: Ich will Fahrkarte kaufen. Frau am Schalter sagt: »Grüß Gott.«

Na bravo! Mein erstes Gespräch in Deutschland und sie will über Gott reden.

Ich sage: »Tut mir leid, ich bin Moslem. Wir sagen ›Grüß Allah‹.«

Frau guckt mich komisch an. Dann redet sie in Sprache, die ich noch nie gehört habe. Ich frage: »Sprechen Sie Deutsch?«

Sie nickt.

Ich frage: »Warum sprechen Sie dann nicht Deutsch mit mir?«

Die Frau guckt sehr beleidigt.

Es gefällt mir, dass ich trotz des grellen Lichtes die Leute zumindest in den ersten Reihen sehe. Nur in ein schwarzes Loch zu gucken, wie es auf manchen Bühnen der Fall ist, ist anstrengender für mich.

Die Scheinwerfer sind sehr heiß, ich schwitze, aber das ist, glaube ich, nicht dieses »Lampenfieber«, von dem die Kollegen manchmal erzählen. Sie sagen, dass sie aufgeregt sind, bevor sie auf die Bühne gehen, das aber ganz schnell weg ist, wenn sie anfangen zu spielen. Mir wird eigentlich erst auf der Bühne richtig heiß.

Aufregung ist mir ziemlich fremd, ich habe ja meinen Text auswendig gelernt und trage ihn vor und das war’s. Deswegen brauche ich doch nicht aufgeregt zu sein, ich bin ja Profi und weiß, was ich tue. Wobei, selbst als ich noch Anfänger war, war ich nicht sehr aufgeregt. Ich habe vorher einfach immer ein, zwei Bierchen getrunken, dann war ich entspannt.

Die Leute haben Spaß und kichern fast ununterbrochen. Immer wieder gucke ich hoch von meinem Text und tue so, als wunderte ich mich, dass die Leute lachen. Dann lachen sie noch mehr.

Das war früher noch anders. Da habe ich wirklich nicht verstanden, was ich da vortrage, und hatte echt keine Ahnung, warum gelacht wurde.

Eigentlich kann ich den Text auch schon lange auswendig, natürlich auf Deutsch, aber es kommt besser an, wenn ich vortäusche, ich würde es ablesen, schließlich ist es ja mein Tagebuch und ein Buch liest man.

Es ist Samstag und derQuatsch Comedy Club ist gerammelt voll. Das ist wieder so ein komischer Ausdruck, an den ich mich schlecht gewöhnen kann, davon gibt es viele im Deutschen. Wenn Hasen Sex haben, heißt das rammeln, habe ich gelernt – aber was hat das mit einem vollen Theater zu tun? Während ich darüber nachdenke, lese ich meine Tagebuchnummer weiter und mache Pausen, um die Menschen applaudieren und lachen zu lassen. Ich brauche heute besonders viel Zeit, weil den Leuten anscheinend sehr gut gefällt, was ich vortrage.

18 Uhr: Jetzt bin ich in München.

Himmel immer noch grau.

Deutschland hat viele Überraschungen: Alter Mann geht über Zebrastreifen und Auto bremst.

In der Türkei wäre er jetzt im Krankenhaus.

Unglaublich: Die D