: Elke Becker, Martin Breuninger, Alex Conrad, Thomas Fitzner, Ruprecht W. Frieling, Lilly Hess Antic,
: Lutz Kreutzer
: Schaurige Orte auf Mallorca Unheimliche Geschichten
: Gmeiner-Verlag
: 9783839277584
: Schaurige Orte
: 1
: CHF 9.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 245
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Zwölf schaurige Geschichten von zwölf Autoren über zwölf reale Orte auf Mallorca, angelehnt an Legenden und Ereignisse von der Römerzeit bis in die Gegenwart: Wie ein berühmter Steinschleuderer der Antike zum Vorbild für einen Jungen wird, der eine fatale Entscheidung trifft. Warum unterhalb der Burg von Alaró eine berüchtigte Räuberhöhle auch heute noch zum urigen Speisen einlädt. Als zwei hingebungsvolle Ärzte versuchten, die schreckliche Pest aus Palma zu vertreiben. Weshalb das Verwirrspiel um die Weihnachtslotterie zum verhängnisvollen Ende einer Freundschaft führt u. a.

Lutz Kreutzer, 1959 in Stolberg geboren, schreibt Thriller, Kriminalromane sowie Sachbücher und gibt Kurzgeschichten-Bände heraus. Auf den großen Buchmessen in Frankfurt und Leipzig sowie auf Kongressen coacht er Autoren, ebenso richtet er den Self-Publishing-Day aus. Am Forschungsministerium in Wien hat er ein Büro für Öffentlichkeitsarbeit gegründet. In Hörfunk und TV wurden zahlreiche Beiträge über seine Arbeit gesendet. Seine beruflichen Reisen und alpinen Abenteuer nimmt er zum Anlass, komplexe Sachverhalte in spannende Literatur zu verwandeln. Lutz Kreutzer war lange als Manager in der IT- und Hightech-Industrie tätig. Seine Arbeit wurde mit mehreren Stipendien gefördert. Heute lebt er in der Nähe von Salzburg. Mehr Informationen zum Autor unter: www.lutzkreutzer.de

Der Steinschleuderer


von Lutz Kreutzer


Die Ureinwohner Mallorcas waren die besten Steinschleuderer des Altertums. Auch heute gibt es wieder Wettbewerbe, die den besten »Foner Balear«ausstreiten – den Meister der Steinschleuderer.

Den Karthagern und später den Römern dienten die Steinschleuderer in ungezählten Schlachten als tödlichste Schützentruppe, weshalb sie bei den Griechen, also ihren Feinden, bald zur Legende wurden und dadurch ihrer Heimat einen Namen gaben. Denn der Name der Inselgruppe »Balearen« ist vom altgriechischen Wort »bállein«hergeleitet, was »werfen«oder »schleudern«bedeutet.

Trotz der ungeheuren Kampfkraft der Foners Balears schaffte es im Jahre 426 n. Chr. zu Zeiten der Völkerwanderung ein germanischer Stamm, Mallorca zu erobern und die Römer zu vertreiben. Das Teatre Romà in den Ruinen von Pollentia steht heute noch sinnbildlich für die kulturelle Hochblüte jener längst vergangenen Zeiten.

*

»Wieso macht sie das?«, fragte Juan verzweifelt. Er schlug die flache Hand auf den Felsblock, auf dem er neben seinem Großvater saß, einem raubeinigen Mallorquiner mit einem großen Herzen.

Der alte Mann streichelte sein blondes Haar und antwortete: »Sie meint es gut mit dir, mein Junge.«

»Sie meint es gut«, zischte Juan. »Wirklich? Ich bekomme nur was zu essen, wenn ich die Zielscheibe treffe, hat sie gesagt. Ansonsten gibt sie mir einfach nichts!«

Der Großvater griff in seine Tasche und holte ein kleines Päckchen heraus. »Da, für dich. Iss!«

Juan griff zu und biss genüsslich in das Sandwich aus mallorquinischem Brot, Schinken, Käse und einem Salatblatt. »Aber warum muss gerade ich das Schleudern lernen?«, grummelte er mit vollem Mund. »Mir macht es gar keinen Spaß. Und dann faselt sie andauernd von der glorreichen Vergangenheit, den Römern und so«, schimpfte er und fuchtelte mit den Händen in der Luft herum. Seine Stirn zeigte Zornesfalten und sein Großvater legte ihm die Hand auf den dünnen Oberschenkel.

»Hör zu, mein Junge«, sagte der Alte sanft, wobei sein üppiger Schnurrbart wippte und mit den gleißenden Sonnenstrahlen zu spielen schien. »Die Römer muss man nicht mögen. Sie waren brutal und taten nicht immer alles, um uns das Leben angenehm zu machen. Aber sie haben uns immerhin lange gegen andere Eindringlinge verteidigt.«

»Und? Hat es geholfen?«, fragte Juan angriffslustig, wobei er versehentlich ein Stückchen Brot ausspuckte.

Der Großvater hob resigniert die Schultern. »Nein, die Vandalen haben schließlich unsere alte römische Hauptstadt verwüstet. Nur die paar Ruinen hier hinter uns sind von Pollentia noch übrig geblieben.«

Juan schluckte. »Das … das ist eine traurige Sache, was damals passiert ist, oder?«, fragte er mit belegter Stimme und sah in das Halbrund des Teatre Romà, oder besser gesagt dessen, was davon übrig war.

»Ja, das ist es.« Der Großvater lächelte kurz und hob die Hand. »Hör zu, Juan. Ich erzähle dir eine Geschichte. Von dem alten Mallorca. Sie handelt von einem Jungen, der so alt war wie du und nur eine Bestimmung hatte. Dann wirst du deine Mutter vielleicht besser verstehen …«

*

420 nach Christus

»Ich habe Hunger!«, schrie der Junge seiner Mutter ins Gesicht.

»Na und? Alle haben irgendwann Hunger. Wenn du essen willst, dann musst du treffen«, pflaumte sie ihn an. Mit ausgestrecktem Arm stand sie vor ihm und zeigte auf den Baum, in dessen Astgabel ein Stück mallorquini