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Rebecca starrte auf den Felsen, der spitz aus dem dunklen, schaumgekrönten Wasser ragte. Die winzige Insel glich einer riesigen Haifischflosse. Oder nein, eigentlich dem stolz geblähten Segel eines majestätischen Schiffes — oder noch mehr einer Pyramide, wenngleich diese nicht von Menschenhand gemacht worden war, sondern von Mächten kündete, die irgendwo zwischen Himmel und Meer wohnten und das schroffe Eiland aus den dunklen Fluten hatten erstehen lassen.
Auch an die Spitze einer gotischen Kathedrale ließ die Insel denken, wies doch auch diese in die blauen Weiten des Himmels, hinter denen etwas wohnte, was stärker, größer und ewiger als der Mensch war.
»Sie können gerne einen Ausflug nach Skellig Michael machen. So heißt diese winzige Insel vor der irischen Westküste.«
»Wie bitte?«, entfuhr es Rebecca. Sie fand zurück ins Hier und Jetzt und löste den Blick von der Fotografie, die hinter der Rezeption hing.
»Ja«, sagte die Dame, die sie im Bed and Breakfast in Empfang genommen hatte, »es werden täglich Bootstouren zur Insel angeboten. Natürlich sind diese wetterabhängig — man muss am Morgen vor der Abfahrt anrufen und nachfragen, ob sie auch wirklich stattfinden. Ich kann das gerne für Sie arrangieren. Mein Bruder hat ein Bootsunternehmen, und ich begleite ihn oft. Die Fahrgäste wollen schließlich ein wenig betreut werden, wissen Sie, ich mache Tee und habe sicherheitshalber warme Kleidung mit. Man unterschätzt häufig den Wind, und an Tabletten gegen die Übelkeit denken viele erst recht nicht. Manch einer hat das Boot schon mit der festen Überzeugung bestiegen, ein echter Seebär zu sein, um bei der ersten Welle mit grünem Gesicht über der Reling zu hängen ... Ach, meine Liebe, Sie werden ja ganz blass. Ich wollte Sie gewiss nicht erschrecken. Wie gesagt, es gibt Tabletten ge