: Guido Knopp
: Putins Helfer Die Hintermänner der russischen Diktatur
: Quadriga
: 9783751748513
: 1
: CHF 11.70
:
: Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
: German
: 279
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Über zweieinhalb Jahrzehnte nach seinem Welt-BestsellerHITLERS HELFER porträtiert Guido Knopp in seinem neuen Buch nun die Mächtigen eines Reiches, das den Frieden in Europa mehr denn je bedroht: PUTINS HELFER.Sie halten ihren Herrscher an der Macht und profitieren allesamt von ihm.Es sind Oligarchen wie Roman Abramowitsch, die von der Nähe zum Diktator profitieren; routinierte Apparatschiks wie Sergej Lawrow, die als Sprachrohr ihres Herrn zu dienen haben - oder Kyrill der Erste, der als Patriarch von Moskau seine Kirche zum Erfüllungsgehilfen einer Diktatur macht. Sie alle sind die Träger einer Tyrannei, die sich längst nicht nur nach innen richtet, sondern mittlerweile auch nach außen.



<p><strong>Prof Dr. Guido Knopp</strong>war jahrzehntelang der Chefhistoriker des ZDF. Er gilt als der wohl populärste Historiker Deutschlands. Sein Name ist untrennbar verbunden mit erfolgreichen TV-Formaten wie<i><b>DIE DEUTSCHEN</b></i> <i><b>HISTORY< b></i>und<i>&l ;b>HITLERS HELFER</b></i>, die allesamt auch internationale Buch-Bestseller wurden. Er ist zudem erfolgreicher Publizist und Fernsehmoderator. Vor allem durch seine Einschätzungen zu zeitgeschichtlichen Themen, wird er gerne als kompetenter Experte befragt.</p>

Der Schattenkrieger


Da steht er, haarlos, angetan mit einem erdbraunen Kampfanzug, auf dem Appellhofplatz inmitten eines russischen Straflagers in der Oblast Mari El. Um sich Gefangene: Mörder, Diebe, Vergewaltiger. Es ist Jewgeni Prigoschin, Chef der ominösen »Gruppe Wagner«. Er braucht Rekruten, Nachschub für die Front in der Ukraine, denn da bröckelt es. Er verspricht den Männern, die ihm lauschen, fast Unglaubliches: die Freiheit – wenn sie sich verpflichten, ihm und seiner Gruppe nur ein halbes Jahr zu dienen. Jeden Monat gibt es einen Sold im Wert von1000 Dollar, mindestens, beim Einsatz noch ein bisschen mehr. Und natürlich gebe es, so tönt Prigoschin, Regeln: Alkohol und Drogen seien verboten, Vergewaltigungen auch – wobei er gleich selber einschränkt: »Doch Fehler passieren!« Am wichtigsten aber sei: »Wer desertiert, wird erschossen!« Er beschließt den Appell mit den Worten: »Der dritte Weltkrieg ist ausgebrochen. Ihr habt jetzt die Chance, euch aufseiten Russlands daran zu beteiligen!«

Es war ein weiter Weg von jenem Mann, der nach neun Jahren Haft wegen Raubüberfällen und der Beihilfe zu Kinderprostitution1990 das Gefängnis in Leningrad verließ (noch hieß die Stadt so), hin zu jenem Milliardär, der mit Rückendeckung seines Präsidenten höchstpersönlich Kämpfer rekrutierte.

Jewgeni Prigoschin stammt aus einer armen Familie und wollte eigentlich Profi-Skifahrer im Langlauf werden. Doch in seinen Zwanzigern geriet er auf die schiefe Bahn und wurde1981 zu13 Jahren Haft verurteilt, von denen er neun absaß. Mit einigen Kumpanen hatte er mit gerade18 Jahren eine Frau überfallen, um ihre Stiefel und goldenen Ohrringe zu stehlen.

Die Jahre in der Unterwelt von Leningrad und mehr noch im Gefängnis haben ihn geprägt. Auch wenn er selbst kein ausgesprochener Mafioso war, so wusste er doch, wie man, ohne bei der Staatsmacht anzuecken, in der wilden Jelzin-Zeit Geschäfte machen kann.

Und das tat er. Es waren die Jahre eines ungehemmten Kapitalismus. Prigoschin verkaufte Hotdogs und eröffnete mehrere Imbissbuden. »Den Senf haben wir bei mir in der Küche gemischt, dort hat Mama auch die Einnahmen gezählt, im Monat habe ich1000 Dollar verdient, das war ein ganzer Berg an Rubeln«, erinnert sich Prigoschin in dem einzigen Interview, das es dazu von ihm gibt, an diese Zeit. In dem Milieu aus Sicherheitsmilizen, Mafiabossen, Geheimdienstlern, Spionen und Ex-Sträflingen fühlte sich Prigoschin wohl. Später war er dann mit alten Kumpels aus dem Knast in der St. Petersburger Glücksspielszene tätig. In der Stadtverwaltung für die entsprechenden Lizenzen zuständig: Wladimir Putin. Denn der war in seiner Eigenschaft als stellvertretender Bürgermeister der Millionenstadt bestrebt, den Zufluss von sogenanntem Schattengeld für die Bedürfnisse des Bürgermeisteramts zu sichern. Das Wirtschaftsleben von St. Petersburg wurde in jener Zeit zu mindestens zwei Dritteln von der organisierten Kriminalität kontrolliert. Und die staatlichen Behörden passten sich der Lage an. Dabei kam es zu Dienstleistungen, die damals üblich waren, zum Beispiel der Verkauf von Antiquitäten zu vielfach überhöhten Preisen. Das lief folgendermaßen ab: Ein Unternehmer wollte einen lukrativen Auftrag von der Stadt. Der Beamte gibt ihm beiläufig die Visitenkarte eines ganz bestimmten Antiquitätengeschäfts, das zufälligerweise einem guten Freund von Putin gehörte: Ilja Traber, genannt »Der Antiquar«. Der Unternehmer ka