: Miriam Rademacher
: Sommermord Kommissarin Morgenthal ermittelt
: Rowohlt Verlag Gmbh
: 9783644015692
: Historischer-Berlin-Krimi
: 1
: CHF 5.00
:
: Historische Kriminalromane
: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Mordopfer, dem der Tod prophezeit wurde, und eine junge Kommissarin, die vor nichts zurückschreckt ...  Berlin, 1928: Billa Morgenthal, eine der ersten Frauen bei der Berliner Polizei, ermittelt in einem mysteriösen Mordfall. Der Arzt Wilhelm Gössling wird bei einem mitternächtlichen Spaziergang nicht weit von seinem Haus erschlagen. Der Täter kann fliehen, doch der Hauptverdächtige ist schnell gefunden: Leonard Reiter, ein vermeintlicher Hellseher, hat dem Arzt den nahenden Tod vorausgesagt. Hat er ihn ermordet, um seine Prophezeihung wahr zu machen? Ihr Vorgesetzter sieht Billa lieber hinter dem Schreibtisch, aber sie ist davon überzeugt, dass sie nur den Hellseher finden muss, um den Mord aufzuklären. Dann wird endlich auch der Chef ihre Fähigkeiten als Kriminalkommissarin erkennen. Als ein weiterer Mann im Umfeld des Arztes getötet wird, ist klar, dass die Berliner Polizei keine Zeit zu verlieren hat.

Miriam Rademacher, Jahrgang 1973, wuchs auf einem kleinen Barockschloss im Emsland auf. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Osnabrück, wo sie an ihren Büchern arbeitet und Tanz unterrichtet. Sie hat zahlreiche Fantasy-Romane, Krimis und Kinderbücher in verschiedenen Verlagen veröffentlicht. 

Kapitel 1


1928, Berlin, Grunewald, Villa Breski

Ella Gössling gestand es sich nur ungern ein, aber überbackene Austern, Roastbeef und Ziegenkäse waren ganz offensichtlich keine Kombination, die ihr Magen zu schätzen wusste. So gelang es ihr schon seit einer Weile nicht mehr, die Party im Haus des Ehepaars Breski in vollen Zügen zu genießen, wie sie es sich eigentlich fest vorgenommen hatte.

Selten genug ließ ihr Ehemann Wilhelm sich dazu überreden, an einer Party teilzunehmen, meist sorgte er für ein rasches Verschwinden der Einladungen, indem er sie einfach ins Kaminfeuer warf, noch bevor Ella sie auch nur zu Gesicht bekommen hatte. Auf diese Weise war ihr sogar die Petersilienhochzeit ihrer Freundin Tutti durch die Lappen gegangen, und das hatte sie Wilhelm lange nicht verzeihen können.

Umso mehr hatte sich Ella auf diesen Abend bei den Breskis gefreut, die heute ihren Einzug in eine schmucke Villa in bester Lage mit Musik, Tanz und großem Buffet feierten. Ella kannte die Breskis zugegebenermaßen kaum. Paul Breski war ein Jugendfreund ihres Mannes, die beiden waren als Buben gemeinsam durch Spandau gestreift und hatten damals allerlei Unsinn getrieben, an den ihr Wilhelm, jetzt, wo er endlich die Praxis von dem alten Doktor Negrassus übernehmen würde, nicht mehr gern erinnert wurde. Seine Gattin, die sich Paul Breski erst vor etwa einem guten Jahr zugelegt hatte, war Ella ebenfalls fremd geblieben. Bei ihren wenigen Aufeinandertreffen hatten sich kaum Gemeinsamkeiten zwischen ihnen feststellen lassen. Evelyn Breski war eine oberflächliche Person, die kein anderes Gesprächsthema kannte als Frisuren und Mode. Doch die Breskis verstanden es zu feiern, was sicher auch an Pauls wunderbaren Kontakten zu guten Musikern lag. Dies war nicht überraschend, denn der Mann arbeitete immerhin im Vox-Haus am Potsdamer Platz, und seine Stimme war dank der steigenden Anzahl von Radiogeräten in Berlin inzwischen stadtbekannt.

«Bist du schon herumgeführt worden?», hörte sie unvermittelt Tuttis Stimme dicht neben ihrem Ohr rufen. Die Freundin drückte ihr unaufgefordert ein neues Champagnerglas in die Hand und spielte mit ihrer langen Perlenkette.

Wenn es um Äußerlichkeiten ging, war Tutti Ella stets ein Vorbild gewesen. Ihre Freundin trug meist die gewagtesten Kleider mit Trägern, die kaum mehr als Fäden zu bezeichnen waren, und Fransen am Saum, die bei jedem ihrer Tanzschritte lustig auf und ab flogen. Auch an diesem Abend steckte sie in einem blassrosa Traum, durchwirkt mit Silberfäden, und stahl allen anderen Damen, Evelyn Breski eingeschlossen, die Schau. Ellas eigenes, blondes Haar mochte recht kurz sein, ließ sich aber immer noch in weiche Locken legen, die ihr ein romantisches Aussehen verliehen. Aber Tuttis schwarzer Schopf war so kurz geschnitten, dass es ihr gerade noch gelang, eine einzelne Locke vor jedem Ohr zu formen, was sie sich bei Josephine Baker persönlich abgeschaut haben musste.

«Ich beneide diese Evelyn Breski bestimmt nicht um ihren dunkelroten Küchenboden. Jeder Krümel wird ihr von diesen extravaganten Fliesen entgegenleuchten. Aber hast du diese Badewanne im ersten Stock gesehen? Dafür würde ich morden.» Tutti zog an ihrer Zigarette, versuchte, lässig den Rauch aus dem Mundwinkel zu stoßen, bekam aber einen Hustenanfall.

«Warum hörst du nicht endlich damit auf?» Ella wedelte den blauen Dunst beiseite und rümpfte die Nase. «Jeder weiß, dass du den Geschmack von Zigaretten widerlich findest. Trotzdem mutest du dir und allen Menschen in deiner Umgebung diesen Geruch zu.»

«Es mag wid