: Anna Liebig
: Frau Glück und die Winterlichter Roman - Ein Roman wie ein Adventskalender: Jeden Tag ein Kapitel, das die Wartezeit auf das Weihnachtsfest versüßt!
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641295370
: 1
: CHF 3.60
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: German
: 304
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wenn die Winterlichter funkeln, ist das Glück nicht weit entfernt ...

Gerda Glücks Waschsalon kennt im Frankfurter Nordend jeder. Er ist ein kleines Idyll inmitten der hektischen Großstadt und vor allem zur Weihnachtszeit ein besonderer Ort, festlich geschmückt und beleuchtet von Hunderten Lichtern. Doch Gerda Glück ist eigentlich gar nicht glücklich. Denn sie träumt noch immer jeden Tag von der großen Liebe, die sie in einem eiskalten Winter verloren hat – damals, 1963, als sie noch jung war und mit dem Kopf voller Träume …

Ein Roman wie ein Adventskalender: Jeden Tag ein Kapitel, das die Wartezeit auf das Weihnachtsfest versüßt – berührend, herzenswarm und voller Winterzauber!

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A na Liebig ist das Pseudonym von Nicole Steyer, einer erfolgreichen Autorin historischer Romane. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern im Taunus. Bereits mit acht Jahren begann sie, Geschichten zu erfinden und niederzuschreiben. »Das Winterkarussell« ist ihre Liebeserklärung an die schönste Zeit des Jahres: Weihnachten.

1. Kapitel


23. November 2008


Gerda stand verdrießlich dreinschauend neben ihrem Haus- und Hof-Elektromeister, Uwe Kossmann, der eben eines seiner Werkzeuge zur Seite gelegt und ihr verkündet hatte, dass Rock Hudson nicht mehr hinzubekommen sei.

»Der alte Knabe hat einfach zu viele Jahre auf dem Buckel«, sagte er und klopfte auf die Waschmaschine.

»Ich hab mir schon so etwas gedacht«, antwortete Gerda und stieß einen Seufzer aus. »Er hat eine Weile so komische Geräusche von sich gegeben, die denen von Bill Ramsey ähnelten, kurz bevor er das Zeitliche gesegnet hat.«

Ihr Blick wanderte zu einer der gegenüberstehenden Waschmaschinen, auf der ein hübsches Spitzendeckchen lag.

»Obwohl ich sagen muss, dass die alten Hausgeräte meist besser durchhalten als die neuen«, erwiderte Uwe und wischte sich seine schmutzigen Hände an einem Stofflappen ab. »Manchmal hab ich das Gefühl, die bauen die Dinger mit Absicht so, dass sie nach spätestens zehn Jahren den Geist aufgeben. Da lob ich mir deine alten Maschinen, das waren noch Qualitätsprodukte.«

»Obwohl durch den Tod von Rock jetzt nur noch eine Maschine funktionstüchtig ist«, erwiderte Gerda. »Elvis scheint unverwüstlich. Allerdings muss man ihm inzwischen ab und zu eins auf den Deckel geben, sonst bleibt er im Vorwaschgang hängen.«

»Hauptsache, Elvis lebt«, antwortete Uwe und grinste.

Die beiden befanden sich in Gerda Glücks Waschsalon, der, im Oeder Weg gelegen, als Institution im Frankfurter Nordend galt. Eröffnet hatten Gerda und ihre Mutter den Laden im Sommer dreiundsechzig. Gerdas Vater war im Krieg gefallen, also hatten sich die beiden allein durchschlagen müssen. Durch eine Erbschaft hatten sie das heruntergekommene Haus erwerben können, und da Roswitha Glück zuvor lange Zeit in einer Wäscherei tätig gewesen war, hatte sie die Gelegenheit beim Schopf gepackt und einen für jene Zeiten modernen Waschsalon eröffnet. Gerda, damals gerade achtzehn Jahre alt und den Kopf voller Träume, war auf die Idee gekommen, den Waschmaschinen, es waren zehn Stück an der Zahl, Namen von berühmten Persönlichkeiten zu geben. Elvis Presley, Rock Hudson und Bill Ramsey leisteten Udo Jürgens, Peter Kraus, Marilyn Monroe, Trude Herr, Connie Francis, Peter Alexander und Heidi Brühl Gesellschaft. Von Letzterer liebte Gerda das LiedWir wollen niemals auseinandergehen ganz besonders. Wenn sie diesen Hit aus dem Jahr 1960 hörte, dann fühlte sie sich wieder wie das junge Mädchen, das von der großen Liebe geträumt hatte.

»Gibt es noch Kaffee? Wo steckt Karl denn heute?« Uwes Blick wanderte zu einem kleinen runden Tisch, an dem ein blauer und ein grüner Caféhausstuhl standen, der sich direkt neben Udo Jürgens befand, auf den Gerda eine Dattelpalme gestellt hatte. »Sonst ist er um diese Zeit doch immer hier.«

»Ich verstehe auch nicht, wo er heute abgeblieben ist«, antwortete Gerda und zuckte ratlos die Schultern, während sie hinter ihren kleinen Verkaufstresen trat.

Karl Reiter war seit vielen Jahren Gerdas fester Stammkunde und wusch als einer der wenigen Besucher ihres Waschsalons sogar noch seine Wäsche bei ihr. Er wohnte oberhalb eines türkischen Gemüsehändlers in einer nahe gelegenen Seitenstraße und hatte bis vor fünf Jahren als Finanzbeamter seinen Lebensunterhalt verdient. Jetzt genoss er seinen Ruhestand. Man konnte ihn als ewigen Junggesellen bezeichnen, obwohl er nach Gerdas Meinung gar nicht so schlecht aussah, weshalb es sie verwunderte, dass er übrig geblieben war. Inzwischen waren seine no