: Harald Lesch, Cecilia Scorza-Lesch, Arndt Latußeck
: Die Entdeckung der Milchstraße Die Geschichte und Erforschung unserer Galaxie - Mit zahlreichen farbigen Abbildungen
: C. Bertelsmann
: 9783641302986
: 1
: CHF 22.60
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: Natur, Technik
: German
: 304
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das neue Buch des Bestsellerautors und Astrophysikers Harald Lesch - Reich bebildert und schön ausgestattet - Ideal für alle Astronomiefans
Unser kosmisches Zuhause ist die Milchstraße, eine Galaxie, die aus vielen Milliarden Sternen, zahllosen Planetensystemen und Gasnebeln besteht. Seit Langem schon haben Forscher versucht herauszufinden, was dieses auffällige Band am Nachthimmel eigentlich ist, wie die Milchstraße entstand und wie sie sich entwickelt hat. Es dauerte bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts, bis der Astronom Edwin Hubble die bahnbrechende Entdeckung machte, dass die Milchstraße nicht die einzige Galaxie im Universum ist. Harald Lesch, Cecilia Scorza-Lesch und Arndt Latußeck erzählen fesselnd nicht nur die Geschichte unserer Galaxie, sondern auch von ihrer Erforschung durch Astronomen und Astronominnen, beginnend mit einem berühmten Geschwisterpaar aus dem 18. Jahrhundert, Caroline und Wilhelm Herschel, bis hin zu den faszinierenden Erkenntnissen unserer Tage.

Arndt Latußeckbeschäftigt sich seit 2001 mit der Geschichte der Astronomie. Seit 2003 ist er aktives Mitglied der Fachgruppe 'Geschichte der Astronomie' der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und seit 2008 Mitglied des Arbeitskreises Astronomiegeschichte der Astronomischen Gesellschaft. Der promovierte Wissenschaftshistoriker (genauer: Astonomiehistoriker) publiziert seit mehreren Jahren in Zeitschriften, Zeitungen und Rundfunk über Themen aus Astronomie und Astronomiegeschichte und berichtet auf Tagungen und an Volkssternwarten über seine Arbeit. Weiterhin leistet er Beiträge zur lokalen Popularisierung der Astronomie und zur Schulastronomie.

Kapitel 1
Vom Musikus zum Himmelsstürmer – Wilhelm Herschel


Was veranlasst einen erfolgreichen Komponisten, Musiklehrer und Kirchenchorleiter, der seinen Lebensunterhalt mit Komponieren, Dirigieren und Spielen verdient, sein Leben den Sternen und Planeten zu widmen? Und der dann auf diesem Gebiet auch noch sehr erfolgreich und berühmt wird. Er wird einen neuen Planeten entdecken, neue Monde, und er wird die Milchstraße mit seinen selbst gebauten Spiegelteleskopen durchforsten. Mit seinen Fernrohren, die besser waren als die offiziellen Instrumente der Universitäten und Forschungsinstitute, wird er die erste Durchmusterung unserer Heimatgalaxis durchführen und damit die galaktische Astronomie begründen.

Abb. 1: Friedrich Wilhelm Herschel in einem Porträt von 1791.

Aber beginnen wir von vorne. Friedrich Wilhelm Herschel (wie er mit vollständigem Namen hieß, in Deutschland meist nur Wilhelm genannt), 1738 in Hannover geboren, war aus seiner deutschen Heimat auf die Britischen Inseln geflohen. Die vielen Kriege auf dem Kontinent, vor allem der Siebenjährige Krieg, hatten ihn 1756 endgültig ins Vereinigte Königreich gebracht, wo er in den folgenden Jahren als Chefdirigent und Leiter eines der besten Orchester Englands in Bath, einem Zentrum des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens, zahlreiche Erfolge feierte und ein allseits beachteter und hochangesehener Künstler wurde.

Herschel entstammte einer Musikerfamilie, die sich seit zwei Generationen nicht nur der Musik, das heißt der Komposition und der öffentlichen Aufführung, gewidmet hatte, sondern die sich auch, ganz im Geiste der Aufklärung, intensiv einer allgemeineren Bildung ihrer Kinder widmete. Kurzum, die Herschel-Kinder konnten nicht nur hervorragend Musik machen und singen, sie waren auch gut in Sprachen, Mathematik und Astronomie. Diese gemeinsamen familiären Interessen spielten durchaus eine Rolle, als Herschel, dessen musikalische Erfolge in Bath ihn reich gemacht hatten, seit dem Tode seines Vaters Isaak 1767 alle seine Geschwister nacheinander zu sich nach England holte. Zunächst den älteren Bruder Jakob, der sich jedoch mehr in London als in Bath aufhielt, dann den zwölfjährigen Dietrich, den 24-jährigen Alexander und schließlich seine 20-jährige Schwester Caroline. Wilhelm wollte ihren Lebensunterhalt sichern und zusammen mit ihnen das musikalische Angebot in Bath erweitern. Und so kam es, dass auch Caroline 1772, nach 15 Jahren unentwegter Haushaltsarbeit im väterlichen Hause, ihren Bruder nach England begleiten durfte. Vorher aber musste Wilhelm mit seiner Mutter im Gegenzug über eine jährliche Pension und die Bezahlung einer Haushälterin verhandeln.

Caroline traf im Oktober 1772 zusammen mit ihrem Bruder in Bath ein, ohne ein Wort Englisch zu sprechen. Für Heimweh fehlte ihr nach der Ankunft in England jedoch die Zeit, da die Vorbereitungen der kommenden Konzertsaison sie voll in Anspruch nahmen. Auch musste sie sich rasch mit dem Haushalt, dem Einkaufen und mit dem Aussortieren von Noten für den Chor, den ihr Bruder leitete, vertraut machen. Da Herschel von Carolines Stimme sehr angetan war, hegte sie den Traum, als Solistin in den jährlichen Konzerten und Oratorien, die ihr Bruder organisierte, zu singen. Ihm fehlte jedoch die Zeit, sie zu unterrichten, also blieb ihr nichts anderes übrig, als täglich morgens um sieben Uhr während seines Frühstücks Gesangsübungen vor ihm zu machen.

Erfolg erzeugt den Neid der Konkurrenten. Und so geschah es auch Herschel. Die große Arbeitsbelastung als musikalisches Multitalent, Musikmanager, Organist und Komponist raubte dem »Workaholic« Herschel viel Energie, aber so richtig fertig machten ihn die Streitereien um Tantiemen und Rechte mit dem Musikdirektor der Stadt Bath, Thomas Linley. Im Frühjahr 1773 war Herschel derart erschöpft, dass er sich nach den Unterrichtsstunden und zum Leidwesen Carolines mit einer heißen Tasse Milch und seinen Büchern stundenlang in seinem Zimmer einsperrte.

Natürlich gehörten in der Zeit an erster Stelle Werke über Musik zu Herschels bevorzugter Lektüre. So unter anderem die Harmonielehre von Robert Smith. Der hatte aber noch ein ganz anderes Werk verfasst, das unter dem TitelA Complete System of Optics erschienen war, in dem unte