: Royce Buckingham
: Monsteranwalt Roman
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641299033
: Monsteranwalt Daniel Becker
: 1
: CHF 8.90
:
: Fantasy
: German
: 448
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Daniel Becker ist der Anwalt, dem Monster vertrauen! Der zweite Band der neuen Urban-Fantasy-Serie von SPIEGEL-Bestsellerautor Royce Buckingham.

Rechtsanwalt Daniel Becker würde zu gerne auch normale Menschen vor Gericht vertreten. Doch seit er sein persönliches Monster-unter-dem-Bett vor dem Gefressenwerden durch den noch monströseren Richter bewahrt hat, suchen immer skurrilere Gestalten seine Kanzlei auf. Als Daniel einen Auftrag der Bürgermeisterin von Seattle erhält, hofft er, endlich in der normalen Welt den Durchbruch als Anwalt zu schaffen. Leider ist auch ihr Anliegen übernatürlicher Art – und es hat auf höchst unbürokratische Weise mit Tentakeln zu tun ...

Die skurrilen Fälle von Monsteranwalt Daniel Becker:
1. Im Zweifel für das Monster
2. Monsteranwalt

Royce Buckingham, geboren 1966, begann während seines Jurastudiums an der University of Oregon mit dem Verfassen von Fantasy-Kurzgeschichten. Sein erster Roman »Dämliche Dämonen« begeisterte weltweit die Leser*innen und war insbesondere in Deutschland ein riesiger Erfolg. Gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen lebt Royce Buckingham in Bellingham, Washington. Er arbeitet zurzeit an seinem nächsten Roman.

Kapitel 2


Mandantenkontrolle

Innerhalb von zwanzig Minuten erscheint Martina im Empfangsbereich. Ihre Nase zuckt, während von ihrem abgewetzten Anglerhut Regentropfen auf meinen Holzboden fallen. Diesmal lasse ich es ihr durchgehen. Es ist ein Notfall.

»Wo ist die verdammte Schlange?«, fragt meine taktlose Ermittlerin anstelle einer Begrüßung. Sie sieht sich um, ihr Blick schießt hin und her, und ihre wachsamen Augen suchen oben, unten, in jeder Ecke. Ich höre die Verachtung in ihrer Stimme und einen Hauch von Besorgnis. Es ist ein Instinkt, etwas Urtümliches. Sie ist halb Ratte, und Ratten hassen Schlangen.

»Sie ist keine Schlange mehr. Ich glaube, sie ist eine Gestaltwandlerin.«

»Das lass mich mal feststellen. Ich wiederhole: Wo ist das Vieh?«

»In meinem Büro. Ich war gerade mit ihr im Gespräch, als sie sich verwandelt hat.«

»Verstehe.«

Martina huscht zur Bürotür, späht in den Raum und schnuppert. »Es stinkt tatsächlich nach Schlange.«

»Das hat Dennis auch gesagt.«

»Wo ist der Köter?«

»Dennis gönnt sich einen langen Spaziergang.«

Ich weiß nicht, wann Dennis zurück sein wird, aber er muss vorsichtig sein, damit ihn die Tierschutzbehörde nicht einsammelt. Ich zahle Hundesteuer für ihn, doch er hasst es, ein Halsband mit klimpernden Marken zu tragen, und die Implantation eines Ortungschips hat er abgelehnt – er sagte, das sei ihm zu »Orwell«-mäßig.

»Schlauer Hund«, sagt Martina. Dann verschwindet sie in meinem Büro.

Ich folge ihr und spähe über ihre Schulter wie ein Kind, das sich hinter seinen Eltern versteckt, wenn sie sein Zimmer nach dem schwarzen Mann absuchen. Unsere Besucherin liegt auf dem Boden. Bis zu ihrem jetzt menschlichen Hals steckt sie in einem Wäschesack aus schwerem Segeltuch, der oben mit einer Kordel fest zugezogen ist. Nur ihr hübscher Kopf schaut heraus. Meine Hemden liegen dort, wo ich den Wäschesack in aller Eile ausgekippt habe, auf einem Haufen.

»Du hast die Schlange in einen Sack gesteckt«, sagt Martina.

»Ja, ich habe gehört, dass man das machen soll.«

»Man soll auch den Kopf in den Sack stecken.«

»Es erschien mir nicht richtig, weil sie doch jetzt ein Mensch ist.«

Unsere Besucherin ist wach und beobachtet uns. Martina umkreist sie schnuppernd, geht aber nicht allzu nah an sie heran. Es ist gut, sie hier zu haben. Es ist gut,irgendjemanden hier zu haben, denn ehrlich, ich habe Angst, dass die Frau jederzeit wieder einen auf Schlange machen könnte. Außerdem ist Martina eine Ermittlerin; sie hat eine gute Verhörtechnik und stellt Fragen, auf die ich nie kommen würde.