Kapitel 1
Auf dem Weihnachtsmarkt
Colmar im Elsass – 1. Adventssonntag
Es kommt mir vor, als wären wir in eine magische Weihnachtswelt eingetaucht«, murmelte Lotte und griff nach Nicolas’ Hand.
Eingepackt in dicke Wintermäntel, spazierten sie durch das zauberhafte Viertel Petite Venice. Der schmale Kanal der Lauch neben ihnen schlängelte sich durch das malerische, tief verschneite Colmar, vorbei an weihnachtlich geschmückten Fachwerkhäusern, kleinen Cafés, Geschäften und vielen kleinen Buden mit Leckereien und Handwerkskunst. Manche Häuser waren farbig beleuchtet, und über die Fassaden huschten weiße Lichter mit weihnachtlichen Motiven. In den Straßen standen geschmückte Tannenbäume, der Duft von knisterndem Holzfeuer, Glühwein und gebrannten Mandeln lag in der klirrend kalten Luft, und aus Lautsprechern schallte das LiedPetit Papa Noël.
»Es gibt einige sehr schöne Weihnachtsmärkte im Elsass, und hier in Colmar sind es, glaube ich, sogar sechs über die Innenstadt verteilt, aber am liebsten mochte ich immer diesen hier«, verriet Nicolas mit seinem charmanten französischen Akzent.
Und tatsächlich hatte der Stadtteil Klein-Venedig, der Lotte seit ihrem ersten Besuch in Colmar besonders gefiel, sich im Advent vor allem für Kinder in ein wahres Weihnachtsparadies verwandelt. Es gab eine große Krippe, ein Karussell, auf dem die kleinen Besucher mit glücklich strahlenden Augen auf Holzpferden saßen. Bei jeder Runde winkten ihnen die Eltern oder Angehörigen zu. Und in einen riesigen Briefkasten durften die Kinder ihre Post mit Wünschen an den Weihnachtsmann einwerfen.
»Für ein Kind muss das hier geradezu märchenhaft sein. Geballte Weihnachtsidylle, fast wie in Disneyland. Und dann noch der viele Schnee!«, meinte Lotte.
»La magie de Noël. Ich hab das natürlich alles extra für dich so inszeniert, mein Schatz!«, beteuerte Nicolas grinsend und gab ihr einen Kuss auf die kalte Nasenspitze.
»Danke, mein Magier …«
Lotte klappte den Kragen ihres Mantels hoch.
»Ist dir kalt?«, fragte er.
»Es geht schon. Ich hätte einfach nur eine Mütze aufsetzen sollen.«
»Ich möchte nicht, dass du dich womöglich erkältest. Oder dir die Ohren abfrierst. Das müssen wir gleich ändern. Komm.«
Er zog sie etwas weiter bis zu einem der Stände, der unter anderem auch gestrickte Schals, Handschuhe und Mützen anbot.
»Schau mal. Wie gefällt dir die hier?«
Er reichte ihr eine goldgelbe Strickmütze.
»Ganz hübsch«, fand Lotte und setzte sie auf. »Und?«
Nicolas’ Augen strahlten.
»Sie passt herrlich zu deinen roten Locken,Chérie. Und zu deinem türkisfarbenen Mantel!«, schwärmte er.
»Findest du?«
Er nickte.
»Na gut. Dann nehme ich sie.«
Sie griff in ihre Tasche, um die Geldbörse herauszuho