: Julia Kröhn
: Papierkinder Roman - Ein mitreißender Roman mit aktueller Brisanz, der den Kinderrechten ein literarisches Denkmal setzt
: Blanvalet
: 9783641303891
: 1
: CHF 8.90
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 560
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Als die Zeit der Kinder kam ... Ein mitreißender Roman mit aktueller Brisanz, den man nie mehr vergisst.
Berlin 1874: Im Armenhaus von Steglitz retten zwei Mädchen einen vernachlässigten Säugling vor dem Hungertod. Obwohl sie in einer harten, mitleidslosen Welt aufwachsen, eint sie die feste Überzeugung, dass jedes Kind wertvoll ist. Es ist der Beginn einer tiefen Freundschaft - und zugleich einer Bewegung, die unermüdlich Verständnis und Liebe, Respekt und Schutz für Kinder einfordert. Mutige, tatkräftige Frauen schließen sich ihr an. Und sie alle sind erst am Ziel, als 1924 in der Schweiz ein ganz besonderes Papier unterzeichnet wird: die erste Kinderrechtserklärung.

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Der Sozialistin Emma Döltz, der Montessori-Lehrerin Clara Grunwald und der Wohltäterin Eglantyne Jebb ist es zu verdanken, dass 1924 die 'Genfer Erklärung' verabschiedet wurde - die Grundlage für die UN-Kinderrechtskonvention von 1989.

Die große Leidenschaft von Julia Kröhn ist nicht nur das Erzählen von Geschichten, sondern auch die Beschäftigung mit Geschichte: Die studierte Historikerin veröffentlichte - teils unter Pseudonym - bereits zahlreiche Romane, die sich weltweit über eine Million Mal verkauft haben. Ihr größter Erfolg hierzulande war 'Das Modehaus', ein Top-20-SPIEGEL-Bestseller; zuletzt widmete sich Julia Kröhn ihrem Herzensthema: den Büchern. In ihrer Dilogie 'Die Buchhändlerinnen von Frankfurt' erzählt sie die Geschichte einer Verlagsbuchhandlung aus der Perspektive zweier Schwestern, von der Nachkriegszeit bis zur Studentenrevolte. In ihrem neuen Roman 'Papierkinder' errichtet sie den historischen Kinderrechtlerinnen Emma Döltz, Clara Grunwald und Eglantyne Jebb ein fiktionales Denkmal in Form eines mitreißenden Romans.

Herbst 2023


»Wir wollen einen Geburtstag feiern«, verkündete Nina und versuchte so enthusiastisch wie möglich zu klingen. »Und deswegen planen wir eine große Party.«

Normalerweise gelang es ihr gut, die Kinder und Jugendlichen mitzureißen. Seit einem halben Jahr arbeitete sie neben ihrem Lehramtsstudium ehrenamtlich im Internationalen Jugendzentrum Arche, wo jeden Nachmittag Kids aus Berlin-Neukölln zusammenkamen, um hier ihre Freizeit zu verbringen. Zuständig war sie vor allem fürs Sportprogramm, zu dem Yoga und Kickboxen ebenso gehörten wie Tischtennis. Aber sie widmete den Kreativraum auch schon mal zu einer Siebdruck-Werkstatt um, wo T-Shirts, Hoodies und Turnbeutel farbenfrohe Muster erhielten.

Wozu sie heute die Kids anspornen wollte, war allerdings ein anderes Kaliber, und als sie in die Runde blickte, spürte sie nur wenig Begeisterung. Wie dumm von ihr aber auch, sie ausgerechnet dann in den Sitzkreis im Besprechungsraum gebeten zu haben, als sie alle gerade schwer beschäftigt gewesen waren.

Seit Tagen arbeiteten die Jugendlichen an einem Film in bester Quentin-Tarantino-Tradition. Erst gestern war ein Blutbad gedreht worden, doch zu Ninas Erleichterung hatten die Kids das improvisierte Set mit Leintüchern ausgelegt, ehe es zum massenhaften Einsatz von Ketchup gekommen war.

»Müssen wir unbedingt jetzt darüber reden?«, murrte Jason prompt. Früher hatte er die Kamera vorzugsweise auf seine Gang gerichtet, wenn die mal wieder einen Spätkauf beklaute, und hinterher die Kurzvideos ins Netz gestellt. Nina hatte ihn mittlerweile davon überzeugen können, seine Ambitionen auf noch kreativere – und legalere – Movies zu richten.

»Wer hat denn überhaupt Geburtstag?«, fragte Elif. Als selbst ernannte Maskenbildnerin arbeitete sie derzeit an dem Monster, das am Ende den kompletten Cast des Films töten würde.

»Hab keinen Bock, die Partyplanerin zu machen«, warf Laura ein, die so gut wie nie auf irgendetwas Bock hatte, allerdings vor einigen Wochen ihre schauspielerischen Fähigkeiten entdeckt hatte und seitdem im Tarantino-Me-too als Leiche glänzte. »Und wann soll die Party überhaupt steigen?«

»Erst nächstes Jahr«, sagte Nina, um nachdrücklich hinzuzufügen: »Aber Anne meinte, wir sollten frühzeitig Ideen sammeln.«

Anne war eine der festangestellten Sozialpädagoginnen, die erst gestern mit ihrem Anliegen an Nina herangetreten war.

»Ich habe mir das nicht ausgedacht«, hatte sie erklärt. »Aber der Trägerverein wünscht sich unbedingt ein großes Event. Und mit so einem Jubiläum kriegen wir jede Menge Aufmerksamkeit von der Presse.«

»Aber warum soll ausgerechnet ich dafür verantwortlich sein?«

Anne hatte vielsagend die rechte Braue hochgezogen. »Und das fragst du noch?«

Nun, Gründe, die sie für diese Aufgabe prädestinierten, gab es tatsächlich – das außergewöhnliche Talent, ein Jubiläum als Geburtstag zu verkaufen, gehörte offenbar aber nicht dazu.

»Der wievielte Geburtstag ist es überhaupt?«, wollte Jason wissen.

»Der hundertste Geburtstag«, erklärte Nina, »also ein recht außergewöhnlicher. Deswegen müssen wir ihn auch von langer Hand vorbereiten.«

»Aber es kommt keine Buttercreme in die Geburtstagstorte, die hasse ich«, warf Laura ein und zog wie so oft missmutig die Schultern hoch.

»Auf einen Kuchen passen niemals hundert Kerzen«, meinte Jason.

»Und überhaupt«, sekundierte Laura, »ein Hundertjähriger ist doch zu schwach, um die auszupusten.«

»Wir feiern ja nicht den hundertsten Geburtstag eines Menschen«, sagte Nina schnell.

»Von wem denn dann?«, wollte Elif wissen. So sensationslüstern wie sie klang,