: Ryka Aoki
: Das Licht ungewöhnlicher Sterne Roman
: Heyne Verlag
: 9783641310110
: 1
: CHF 2.70
:
: Science Fiction
: German
: 496
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Einst war Shizuka Satomi ein Star, heute ist sie die gefragteste Geigenlehrerin der Welt. Wer bei ihr studiert, dem ist eine glänzende Karriere gewiss. Niemand ahnt, dass Shizuka einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat: Sieben Musikerseelen muss sie ihm bringen. Sechs davon hat sie bereits der Hölle übergeben. Nur mit der siebten will es nicht klappen, und langsam läuft Shizuka die Zeit davon. Als sie eines Tages das Geigenspiel der jungen Katrina hört, ist Shizuka sich sicher, die letzte Seele gefunden zu haben. Doch dann begegnet Shizuka der geheimnisvollen Lan Tran, die von geradezu außerirdischer Schönheit ist, und mit einem Mal werden all ihre Pläne über den Haufen geworfen. Es ist der Beginn eines mitreißenden Abenteuers voll Magie und Hoffnung. Eines Abenteuers, das zeigt, dass man für die Liebe manchmal ganze Sternensysteme überwinden muss ...

Ryka Aoki unterrichtet Englische Literatur am Santa Monica College und Gender Studies an der Antioch University. Für ihre Romane, Gedichte und Essays wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Lambda Literary Award. Mit ihrem Science-Fiction-Roman »Das Licht ungewöhnlicher Sterne« begeisterte Ryka Aoki Tausende von Leser*innen, darunter so berühmte Namen wie T. J. Klune und Becky Chambers. »Das Licht ungewöhnlicher Sterne« war 2022 für den Hugo Award nominiert.

2


Sechs Mal hatte Shizuka Satomi das Außergewöhnliche erschaffen. Sechsmal hatte sie einen aufstrebenden Musiker oder eine aufstrebende Musikerin ausgebildet, geformt und zu einem Star gemacht.

Noch erstaunlicher war, dass die meisten Lehrenden einen bestimmten Stil, einen unverkennbaren Klang bei ihren Schülern kultivierten – nur Satomi tat das nicht. Ihre Schülerinnen und Schüler waren abwechselnd eiskalt, zerstörerisch, zart, verzweifelt, atemberaubend sinnlich …

Die lässige Regelmäßigkeit, mit der sie Genie um Genie herbeizauberte, war ungewöhnlich, fast schon übernatürlich. Kein Wunder, dass die Leute irgendwann angefangen hatten, sie die Königin der Hölle zu nennen.

Andererseits war es schon über zehn Jahre her, dass sie eine neue Schülerin angenommen hatte.

Und warum?

Manche glaubten, es liege an einem gebrochenen Herzen. Mit ihrem letzten Schüler, Yifeng Brian Zheng, war sie kurz vor dessen Tod in einem Café in Annecy gesehen worden. Sie hatten heiße Schokolade getrunken, Mille-feuille gegessen und miteinander gelacht. Der blendend aussehende junge Geiger hatte sich von jeder Bühne der Welt aus bei seiner Lehrerin bedankt und in einem Fernsehinterview behauptet, erst Shizuka Satomi habe ihm gezeigt, was Liebe wirklich bedeute.

Waren die beiden möglicherweise mehr gewesen als Lehrerin und Schüler?

Andere vermuteten den weit mondäneren Grund, dass Shizuka sich schlicht zur Ruhe gesetzt hatte. Die Königin der Hölle hatte Yifeng Zheng ausgebildet, vor ihm Kiana Choi, davor Sabrina Eisen und so weiter und so weiter. Sie hatte alles erreicht, was es zu erreichen gab, und kein Ziel konnte sie mehr locken.

Was auch immer der Grund für ihre Inaktivität sein mochte, von Jahr zu Jahr gingen immer mehr Leute davon aus, dass die Königin der Hölle nie wieder jemanden unterrichten würde.

Idioten.

Seit zehn Jahren war Shizuka Satomi auf der Suche und streckte ihre Fühler nach geeigneten Kandidaten aus: in Lausanne, danach in Salzburg, Sydney und jüngst in Tokio.

Für nichts und wieder nichts.

An Bewerbern hatte es nicht gemangelt. Musiker und Musikerinnen kamen und gaben ihr alles, was sie hatten, alles, was sie sich vorstellen konnten.

Als wäre das, was sie sich vorstellen konnten, auch nur annähernd genug.

Andere in Shizukas Umfeld, darunter auch Tremon Philippe persönlich, sagten, sie sei zu wählerisch, vielleicht sogar ungerecht. Während der letzten zehn Jahre musste doch sicherlich jemand Geeignetes dabei gewesen sein.

Natürlich waren welche dabei gewesen.

Ihre letzten sechs Schülerinnen und Schüler waren wie eine Perlenkette gewesen. Genie reihte sich an Genie, und doch war Shizuka von Mal zu Mal bewusster geworden, dass etwas nicht stimmte. Nein, dass etwasfehlte. Sie sah ihre Schüler aufsteigen und wieder fallen, sah sie erstrahlen und verbrennen und verspürte eine immer stärker werdende Seh