: Gabriele Ketterl
: Die Tochter des Fischers Melodie der Wüste
: dp Verlag
: 9783987782404
: 1
: CHF 5.40
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German

Ein Traum von 1001 Nacht beginnt…
Die berauschende Geschichteüber eine starke Frau in schweren Zeiten

Malaga, 1490: Estrella und ihre drei jüngeren Schwestern führen ein gutes und sicheres Leben in einem kleinen Fischerörtchen nahe der Stadt. Doch nach einem schweren Schicksalsschlag, bei dem ihr Vater ums Leben kommt,ändert sich für Estrella alles.

Doña Alba, einer angesehenen Dame Malagas, werden ihre maurischen Wurzeln zum Verhängnis und sie muss die Stadt verlassen. Als Begleitung möchte sie Estrella nach Marrakesch mitnehmen und verspricht, sie gut zu entlohnen. Ein Angebot, das die Fischerfamilie nicht ablehnen kann. Was Estrella noch nicht weiß, ist, dass in Marrakesch ein Märchen aus 1001 Nacht beginnt– ein für das junge Mädchen lebensgefährliches Märchen…

„Eine spannende Familiensaga vor der traumhaften Kulisse Marokkos. Perfekt für Leserinnen von Barbara Wood.“
„Spannend, tiefgründig und herzzerreißend– ein Liebesroman, den man nicht mehr aus der Hand legen kann.“
„Besonders begeistert hat mich der Handlungsort Marokko. Das orientalische Setting wurde von der Autorin traumhaft beschrieben.“
„Eine packende historische Geschichte voller Verrat, Intrigen und Misstrauen.“



Gabriele Ketterl wurde in München geboren, wo sie auch heute wieder mit ihrer Familie lebt. Ihre Fantasie steckt mittlerweile in Kinderbüchern, Kurzgeschichten, Fantasyromanen, Romantic-History-Büchern ... Nach einem Studium der Amerikanistik und Theaterwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universitä München hieß es erst einmal: Reisen und Ideen sammeln. Betrachtet man ihren Output, scheint das gut geklappt zu haben.

Prolog


Sommer 1489, Marrakesch

„Hast du verstanden, was ich dir sagte? Vor allem jedoch, wirst du das tun, was ich sagte?“

Er sah eine Weile schweigend zu Boden, beobachtete, wie der sanfte Sommerwind den Sand zu seinen Füßen leicht aufwirbelte, um ihn sodann mit sich fortzutragen. Zu dieser Jahreszeit war der feine Sand überall, in jedem Raum, in jedem Kleidungsstück.

„Bist du taub? Hat man dir dein Gehör geraubt oder wie soll ich dein Schweigen deuten?“

Langsam und mit Bedacht hob er den Blick und sah ihr in die Augen. „Was immer ich hören muss, das höre ich, vertraut mir.“

„Aus welchem Grund zögerst du dann noch? Vertrau auch du mir, wenn ich es noch einmal sage. Du wirst meinen Befehl befolgen!“

Er schüttelte leicht den Kopf, so, als wolle er etwas Unliebsames abschütteln. „Euren Befehl? Verzeiht, doch Ihr wisst, ebenso wie ich, dass ich einem anderen unabdingbar meine Treue geschworen habe. Befehle, mag Euch dies auch auf den ersten Blick nicht verständlich erscheinen, nehme ich nur von meinem Herrn entgegen.“

Ihr Blick bekam etwas Lauerndes, als sie noch einen Schritt nähertrat. Eine leichte Brise ließ den sinnlichen Duft von Jasmin und Amber in seine Nase steigen. Die Goldtropfen, die in üppigen Mengen an ihr Gewand genäht waren, funkelten im hellen Licht der Sonne. Die ebenfalls goldenen, kunstvoll geschmiedeten Sterne und Monde an den Ketten, die ihre Handgelenke zierten, klimperten leise.

„Ich gewinne langsam den Eindruck, du siehst deine Lage falsch, mein Freund.“

In letzter Sekunde konnte er verhindern, das auszusprechen, was ihm als Erstes in den Sinn kam. Nämlich, dass er alles andere war als ihr Freund. Doch er war klug genug, um zu wissen, dass das eine schlechte Entscheidung wäre. Darum beschränkte er sich auf ein erzwungenes Lächeln. „Glaubt mir, ich deute meine Lage durchaus richtig.“ Erneut suchte er ihren Blick. „Warum? Ich sehe keinen Grund für Euer Tun, ich erkenne keine Notwendigkeit, diesen Wahnsinn weiterzuführen. Ihr habt ein wahrlich gutes Leben. Ihr werdet auf Händen getragen und Ihr werdet geliebt.“ Es fiel ihm schwer, ruhig zu bleiben, die Frau nicht zu reizen, ihren Zorn nicht herauszufordern. „Habt Ihr denn nicht alles, was man sich wünschen kann? War es nicht das, wovon Ihr noch vor einigen Jahren geträumt habt? Eure Träume haben sich erfüllt. Einer nach dem anderen, so als wolle Allah selbst Euch zeigen, dass auch er Euch liebt. Darum frage ich Euch noch einmal: Warum? Ich möchte es doch lediglich begreifen.“

Nur für den Hauch eines Augenblicks glaubte er, dass sich der Ausdruck in ihrem Gesicht, in ihren Augen verändern würde. Es schien, als huschte ein Schatten über ihre Züge, ein Schatten, der ihr schönes Antlitz weich erscheinen ließ.

Als sie leicht das Haupt senkte, zauberte die Sonne rotgoldene Muster in ihr dunkles Haar und ihre makellose, braune Haut bekam einen sanften goldenen Schimmer. Der winzige Moment verging so rasch wie er gekommen war. Sie lachte und es war kein fröhliches Lachen.

„Soll ich denn jeden Tag auf Knien für mein Schicksal danken? Wem? Ihr Männer nehmt alles für gegeben, euch legt man die Zukunft in eure Wiegen. Für euch ist es leicht, ein Leben nach den eigenen Wünschen, den eigenen Träumen, falls ihr Männer überhaupt die Fähigkeit zu träumen besitzt, zu führen. Ihr tut, ohne jemals darüber nachsinnen zu müssen, was man uns vom Tag unserer Geburt an verwehrt. Und wachsen wir heran, tun wir alles, um euch zu gefallen und so ebenfalls ein gutes Leben zu haben, dafür fordert man von uns fortwährend Dankbarkeit. Bist du dir dessen bewusst, dass ich es leid bin, dankbar zu sein? Kannst du denn nicht verstehen, dass es mich von Tag zu Tag zorniger macht, um alles wieder und wieder kämpfen zu müssen?“

Sie traf mit ihrer Aussage einen wunden Punkt bei ihm. Ja, es war richtig, viele Frauen führten ein hartes, entbehrungsreiches Leben. Auch seine eigene Frau Darya war gezwungen gewesen, hart zu arbeiten, um die Familie zu unterstützen. Nie würde er den Tag vergessen, an dem er vor einigen Jahren mit dem Heer zurückkehrte und den Fluss überquerte. Zahlreiche Frauen und junge Mädchen waren, trotz der noch frühen Stunde, bereits am Ufer