: Ines Thorn
: Töchter des Nordmeeres - Livs Weg Historischer Roman
: Rowohlt Verlag Gmbh
: 9783644015562
: Die Nordmeer-Saga
: 1
: CHF 10.00
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 384
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein historischer Roman vor eindrücklicher nordischer Kulisse: Zwei grundverschiedene Mädchen ringen darum, ihren Platz im Leben zu finden, in einer Welt, die zwischen naturverbundener Tradition und wissenschaftlicher Moderne steht.  Norwegen, 1893: Auf Veiholmen, im Norden der Inselgruppe Smola, wachsen zwei sehr unterschiedliche junge Frauen heran, die aber untrennbar miteinander verbunden sind. Vor 15 Jahren wurden sie in der gleichen Winternacht als Säuglinge auf verschiedenen Türschwellen im Dorf abgelegt. Keiner weiß, ob Liv und Lucia Schwestern sind oder woher sie kommen. Liv ist die Fortschrittliche, Wissbegierige und Tatenhungrige, die sogar die Aufmerksamkeit des Polarreisenden Fridtjof Nansen erregt, während Lucia nach Häuslichkeit strebt, traditonell leben und heiraten möchte. Als ein junger Fremder in den Ort kommt, werden die Unterschiede zwischen den beiden Frauen spürbar, und ihre zwiespältige Freundschaft wird hart auf die Probe gestellt. 

Ines Thorn wurde 1964 in Leipzig geboren. Nach einer Lehre als Buchhändlerin studierte sie Germanistik, Slawistik und Kulturphilosophie. Sie lebt und arbeitet in Nordhessen und schreibt seit Langem erfolgreich historische Romane.

Kapitel 2


Den ganzen ersten Monat schrie Liv jede Nacht durch. Fria hatte dunkle Ringe unter den Augen, und der Same versalzte das Essen vor lauter Müdigkeit. Sie gingen abwechselnd in der Gaststube auf und ab, sangen, streichelten, reichten Ziegenmilch mit Honig, doch das Kind schrie und schrie.

«Sie hat eine kräftige Stimme», erklärte der Same stolz. «Sie wird sicher einmal eine gute Sängerin.»

«Mir wär es lieb, ihre Stimme bliebe blass und leise», knurrte Fria, doch in diesem Augenblick hörte das Geschrei auf, und Fria säuselte: «Braves Schätzchen, brave Liv.» Sie wiegte das Kind – und sogleich begann es wieder zu schreien.

Von Lucia hörte man, dass sie die meiste Zeit über friedlich schlief. Runi bewegte sich auf sehr dünnem Eis, wenn sie versuchte, Fria gute Ratschläge zu geben.

«Gib ihr den Zipfel eines Taschentuchs, damit sie daran saugen kann», schlug die Pfarrersfrau vor.

Aber Fria schütt