Kapitel 2
Den ganzen ersten Monat schrie Liv jede Nacht durch. Fria hatte dunkle Ringe unter den Augen, und der Same versalzte das Essen vor lauter Müdigkeit. Sie gingen abwechselnd in der Gaststube auf und ab, sangen, streichelten, reichten Ziegenmilch mit Honig, doch das Kind schrie und schrie.
«Sie hat eine kräftige Stimme», erklärte der Same stolz. «Sie wird sicher einmal eine gute Sängerin.»
«Mir wär es lieb, ihre Stimme bliebe blass und leise», knurrte Fria, doch in diesem Augenblick hörte das Geschrei auf, und Fria säuselte: «Braves Schätzchen, brave Liv.» Sie wiegte das Kind – und sogleich begann es wieder zu schreien.
Von Lucia hörte man, dass sie die meiste Zeit über friedlich schlief. Runi bewegte sich auf sehr dünnem Eis, wenn sie versuchte, Fria gute Ratschläge zu geben.
«Gib ihr den Zipfel eines Taschentuchs, damit sie daran saugen kann», schlug die Pfarrersfrau vor.
Aber Fria schütt