Wir alle gehören der Gruppe der Säugetiere an. Das bedeutet, dass sich am Anfang unseres Lebens alles um das Saugen dreht – das Saugen an der Brust unserer Mutter oder auch an der Flasche mit Muttermilchersatz. Wir beginnen bereits in der siebten Schwangerschaftswoche vom Fruchtwasser unserer Mutter zu kosten und ab der vierzehnten regelmäßig davon zu trinken. In dieser Zeit fangen wir auch schon an, an unserem Daumen zu saugen. Ich habe die Ultraschallbilder meiner beiden Kinder noch vor meinem inneren Auge – die Ausdrucke sind leider schon verblasst – auf denen sie beide an ihrem Daumen lutschen. Da üben wir schon das Saugen, um später ausreichend Kraft zu haben, um Milch zu trinken und groß und stark zu werden. Meine Tochter hat recht früh gesprochen – allerdings auch ziemlich lange an meiner Brust getrunken – und hat es so ausgedrückt: „Mama, Deine Brust ist mein Urlaub“.
Unser Mund wird aber auch später in unserem Leben eine zentrale Rolle einnehmen – wir brauchen ihn zum Essen, Trinken, Schmecken, Kauen und immer wieder zum Atmen, auch wenn es durch die Nase besser und auch gesünder ist. Wir brauchen ihn auch zum Sprechen, eine Fähigkeit, die allein uns Menschen eigen ist. Mit dem allerschönsten will ich enden: mit dem Küssen. So endeten früher auch die schönsten Liebesfilme.
Ich lade Sie, liebe Leser dieses Buches, jetzt ein, mit mir gemeinsam in die faszinierende Welt dieses Mundes einzutreten. Ich kann Ihnen versichern: es wird sehr spannend!
1.1 Unsere Zähne – Wunderwerke der Natur
Die Zähne sind allen Wirbeltieren gemeinsam. Wir benutzen sie – wie diese – zum Ergreifen und Zerkleinern von Nahrung, damit sie im weiteren Verlauf ihrer Reise durch unseren Körper in die wichtigen Bestandteile aufgespalten werden kann, die wir zum Leben brauchen. Wir Menschen verwenden die Zähne außerdem zur Lautbildung, also beim Sprechen.
Zähne galten schon immer als Wunderwerke der Natur. Sie werden oft auch als Schmuck oder als Reliquien verwendet. Für Buddhas linken Eckzahn wurde auf Sri Lanka sogar ein ganzer Tempel erbaut. Es gibt allerdings Zweifel daran, ob der Zahn auch wirklich von Buddha ist.
Der Zahn besteht aus Zahnschmelz (Adamantin oder Enamelum), Zahnbein (Dentin), Wurzelzement und der darin eingeschlossenen Pulpa (dem „Nerv“). Der Zahnschmelz ist die äußerste Hülle der Zahnkrone, jenem Anteil des Zahnes, der vor allem im jugendlichen Alter in die Mundhöhle ragt.
Es ist die härteste Substanz in unserem Körper, härter noch als Stahl. Er besteht zu 96 Prozent aus Hydroxylapatit, einem kristallinen Material, und ist ein wunderbarer Schutz für unsere wertvollen Zähne. Heute noch forschen Wissenschaftler und untersuchen das dichte Netz winziger Kristallfasern, die nur 50 Millionstel Millimeter dick sind. Durch eine beeindruckende Struktur, die hart und weich miteinander verbindet, ist der Zahnschmelz noch viel fehlertoleranter als alle künstlichen Werkstoffe, die es bisher gibt. Ich werde später noch darauf eingehen, aber unsere eigenen Zähne können durch kein bisher bekanntes Material gleichwertig ersetzt werden. Aber das erwartet man ja auch von keinem künstlichen Hüft- oder Kniegelenk.
Aufbau des Zahnes.
Das Dentin, das darunter liegt, ist deutlich sensibler. Es ist knochenähnlich und nur zu 70 Prozent mineralisch und zu 20 Prozent organisch, der Rest ist Wasser. Es ist sowohl Teil der Zahnkrone, als auch deren Wurzel. Im Gegensatz zum Zahnschmelz kann es durch seine Lebendigkeit, d