: Irene Barthel
: Das Geheimnis der Pappeln
: Pandion Verlag
: 9783869115566
: 1
: CHF 4.50
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 240
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Zwei Frauen, deren Herkunft und Lebensweg unterschiedlicher nicht sein könnten.
- Anna, Jahrgang 1915, deren Vater im 1. Weltkrieg gefallen ist, wächst bei ihrer Mutter in ihrem Geburtsort Sobern­heim a. d. Nahe auf. Sie ist ein intelligentes, aufgewecktes und musisch begabtes Mädchen mit viel Herzens­wärme. Noch während der Schulzeit verliebt sie sich in den zwei Jahre älteren Paul. Nach der Hoch­zeit ziehen sie in die von Pauls Großeltern vererbte Sandsteinvilla, die am Ende einer Pap­pel­allee liegt. Lei­der ist Anna nicht gesund, sie hat ein angeborenes Herz­leiden. Paul trägt sie zwar auf Händen, doch er kann das Fort­schreiten der Krankheit nicht aufhalten.
– Rebekka, Jahrgang 1980, wird in eine wohlhabende An­walts­­familie geboren. Unterstützt und bestärkt durch ihre Mutter ist sie überheblich, intrigant und oberflächlich. Im Jurastudium die Beste, reagiert sie auf alle, die nicht so blitzgescheit sind wie sie, sehr ungehalten. Nachdem sie sich für eine Therapie entschieden hat, um vordergründig ihre soziale Kompetenz zu stärken, drängen sich in ihrem Kopf Bilder auf, die sie sich nicht erklären kann. Was haben die Pappel und die Personen zu bedeuten, die sich wie ein roter Faden durch ihre Gedanken ziehen. Nach einem längeren Klinikaufenthalt beschließt sie, dem Sinn ihrer Träume auf den Grund zu gehen.

Anna (IX)


 

Anna hatte eine unruhige Nacht. Das erfolgreiche Konzert am Vortag ihres Geburtstages, der außergewöhnliche Tag selber, der ihr das tollste aller Geschenke in Aussicht stellte – und die Rose von Paul, wer immer auch Paul sein mochte, ließen sie immer wieder aufwachen, ihr Glück erneut auskosten und befriedigt wieder einschlafen.

Als die Mutter sie am nächsten Morgen wecken wollte, war sie schon wach, trällerte ein fröhliches Lied und drückte die Mutter, bis ihr die Luft wegblieb.

Beide machten sich beschwingt auf ihren Weg in den Alltag, Anna zur Schule und die Mutter in die Druckerei.

Als der Pförtner gegen 13.00 Uhr die Notiz brachte:„Bitte bei Dr. Diepschalk melden!“ kam das der Mutter zunächst nicht außergewöhnlich vor. Der langjährige Hausarzt war sehr gewissenhaft. Er nahm vierteljährlich ihre Blutwerte, um sie auf ihren Eisengehalt zu überprüfen, da sie zu Blutarmut neigte. Sicherlich hatte sie einen Termin versäumt. Allerdings hatte sie gerade ein Brötchen gegessen. Eine Blutentnahme musste somit ausscheiden. Da die Praxis nur fünfhundert Meter von ihrem Arbeitsplatz entfernt war, durfte die Mutter solche Termine wahrn