»Sunshine – sunshine reggae«, tönte der etwas zu groß geratene Radiowecker auf dem Nachttisch. Ich öffnete langsam die Augen, reckte den Arm und drückte schnell die »Snooze«-Taste, um die Musik verstummen zu lassen – zumindest für 9 Minuten. Wenn man augenblicklich wieder in Tiefschlaf verfällt, können neun Minuten wie ein halbes Leben erscheinen. Auf jeden Fall vergeht irgendwann auch eine Ewigkeit, und als sich der Wecker mit einem weiteren Lied zurückmeldete, war es wirklich höchste Zeit aufzustehen. Ich warf einen kurzen Blick aus dem Fenster, um die Wetterkonditionen abzuschätzen: Es war ein durchschnittlicher, bewölkter Junitag – weder kalt noch warm. Nachdem ich mich fertig gemacht hatte, war es bereits zu spät für ein Frühstück. Heute hatte ich Dienst in der Hauptkasse der Bankfiliale, in der ich seit ein paar Jahren beschäftigt war, und das hieß Dienstantritt um 6.45 Uhr. Zwei Minuten, um meinen roten Perserkater Wusel zu verabschieden und, was noch viel wichtiger als ein Liebesbeweis war, um ihn zu füttern.
Glücklicherweise konnte ich zu Fuß gehen von meiner winzigen Zweizimmerwohnung unter dem Dachstuhl eines alten und etwas vernachlässigten Mietshauses im Ortszentrum. Erst die Adamstraße entlang, dann musste ich rechts in die Augustastraße einbiegen und dann weiter links über die Marktstraße bis zum Marktplatz, wo sich die Filiale der Bank an der Ecke befand. Zu dieser frühen Morgenstunde waren nur der Betriebsleiter, Niklas Schneider, und seine treueste Mitarbeiteri