: Judith Denker
: Kölsch, Sirtaki und bella Vita Roman
: R.G. Fischer Verlag
: 9783830194705
: 1
: CHF 17.90
:
: Erzählende Literatur
: German
: 240
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Jessica hat eine gute Arbeit, eine kleine Wohnung, ihren geliebten Kater, einen netten Freundeskreis und eigentlich alles, was man zum Glück so braucht. Nach zwei beendeten Liebesaffären genießt sie ihr Singledasein. Dass ihr etwas fehlt, wird ihr erst nach einer Reise bewusst, nach der ihr Leben einen unerwarteten Verlauf nimmt und sie vor einer schwierigen Entscheidung steht.

Judith Denker, Jahrgang 1966, entdeckte schon als Kind ihre Leidenschaft für Literatur und verfasste ihre ersten Kurzgeschichten. Seit 1990 lebt sie in Neapel, wo sie für verschiedene deutschsprachige Institutionen arbeitet und Deutsch unterrichtet. »Kölsch, Sirtaki und bella Vita« ist ihre erste Veröffentlichung, die sie geschrieben hat, nach­dem ihre drei Töchter selbstständiger geworden sind. In dem in locker-leichter Sprache geschriebenen Roman bringt sie ihre Liebe zu Neapel, der außergewöhnlichsten Stadt Italiens, und deren Bewohnern zum Ausdruck.

1. Kapitel


REISEPLÄNE MIT HINDERNISSEN


»Sunshine – sunshine reggae«, tönte der etwas zu groß geratene Radiowecker auf dem Nachttisch. Ich öffnete langsam die Augen, reckte den Arm und drückte schnell die »Snooze«-Taste, um die Musik verstummen zu lassen – zumindest für 9 Minuten. Wenn man augenblicklich wieder in Tiefschlaf verfällt, können neun Minuten wie ein halbes Leben erscheinen. Auf jeden Fall vergeht irgendwann auch eine Ewigkeit, und als sich der Wecker mit einem weiteren Lied zurückmeldete, war es wirklich höchste Zeit aufzustehen. Ich warf einen kurzen Blick aus dem Fenster, um die Wetterkonditionen abzuschätzen: Es war ein durchschnittlicher, bewölkter Junitag – weder kalt noch warm. Nachdem ich mich fertig gemacht hatte, war es bereits zu spät für ein Frühstück. Heute hatte ich Dienst in der Hauptkasse der Bankfiliale, in der ich seit ein paar Jahren beschäftigt war, und das hieß Dienstantritt um 6.45 Uhr. Zwei Minuten, um meinen roten Perserkater Wusel zu verabschieden und, was noch viel wichtiger als ein Liebesbeweis war, um ihn zu füttern.

Glücklicherweise konnte ich zu Fuß gehen von meiner winzigen Zweizimmerwohnung unter dem Dachstuhl eines alten und etwas vernachlässigten Mietshauses im Ortszentrum. Erst die Adamstraße entlang, dann musste ich rechts in die Augustastraße einbiegen und dann weiter links über die Marktstraße bis zum Marktplatz, wo sich die Filiale der Bank an der Ecke befand. Zu dieser frühen Morgenstunde waren nur der Betriebsleiter, Niklas Schneider, und seine treueste Mitarbeiteri