: Anna Semper
: Quantensprünge im Leben Autobiografischer Roman einer psychisch Kranken
: R.G. Fischer Verlag
: 9783830119128
: 1
: CHF 13.50
:
: Erzählende Literatur
: German
: 144
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine packend erzählte Geschichte, wie sie viele ­unvorbereitet treffen könnte, ein Schicksal, das ­betroffen macht, aber auch dazu ermutigt, allen Hindernissen zum Trotz das Beste daraus zu ­machen.

Anna Semper, Physikerin und erfolgreiche Managerin, ist 1962 in Gera geboren. Ihr glückliches Leben erhält einen Knacks, als sie mit Anfang dreißig eine schwere Psychose erleidet. In den folgenden Jahrzehnten ist sie beruflich und privat wie in einer Bahn gefangen, kann sich jedoch behaupten und bewähren. Als es ihr mit Ende fünfzig endlich gelingt, aus familiären Zwängen auszubrechen und auch beruflich tiefgreifende Änderungen ­anstehen, findet sie sich in einem psychiatrischen Krankenhaus wieder. Sie nutzt den mehrmonatigen Aufenthalt, um ihr Leben zu reflektieren und nach einem Neuanfang zu suchen - und ist entschlossen, sich ein selbstbestimmtes Leben zu ­erkämpfen und das letzte Lebensdrittel positiv und optimistisch anzugehen.

Kapitel 1


Kaum zu glauben, wie bewegungsarm ich früher gelebt habe. Für jeden Weg das Auto benutzt. Zwar hat die Rodaer Straße ein starkes Gefälle und einen schadhaften Bürgersteig und den Fußweg hatte ich deshalb nur einige wenige Male benutzt. Dennoch wurde die Straße auch von Radfahrern unentwegt befahren und es gab Spaziergänger, nach denen man die Uhr stellen konnte. Ich erinnere mich an einen schönen Sommerabend, an dem ich zur Löbstädter Kirche ging, um ein Orgelkonzert zu besuchen. Ich trug ein leichtes rotes Kleid mit weißen Herzen. Nicht das alte, zu eng gewordene, ärmellose rote mit weißen Pünktchen, in dem ich mich im vergangenen Jahr auf Mallorca sehen gelassen habe, mit> 100 kg Gewicht. »Mutig, sehr mutig!«, hatte mir eine Frau im Hotel-Fahrstuhl gesagt. Für den kurzen Kirchweg brauchte ich 15 Minuten, musste mehrfach stehenbleiben und die schmerzenden Knie ausschütteln. Das siebte Jahr mit Arthrose und dem ewigen Hallux-Problem in den Füßen. Auf Arbeit immer den Fahrstuhl in den ersten Stock zum Großraumbüro benutzt, selten die Treppe.

Diesen Sommer konnte ich aber dennoch genießen, selbst ohne Balkon, Garten oder Reisen. Die zahlreichen Orgel-Konzerte in und um Kahla gaben dem ganzen Jahr der COVID-19-Pandemie eine gewisse Struktur. Die Orgelfahrt des Dresdner Frauenkirchen-Kantors bildete den krönenden Abschluss. Fahrten nach Jena, Vierzehnheiligen und Dom