Kaum zu glauben, wie bewegungsarm ich früher gelebt habe. Für jeden Weg das Auto benutzt. Zwar hat die Rodaer Straße ein starkes Gefälle und einen schadhaften Bürgersteig und den Fußweg hatte ich deshalb nur einige wenige Male benutzt. Dennoch wurde die Straße auch von Radfahrern unentwegt befahren und es gab Spaziergänger, nach denen man die Uhr stellen konnte. Ich erinnere mich an einen schönen Sommerabend, an dem ich zur Löbstädter Kirche ging, um ein Orgelkonzert zu besuchen. Ich trug ein leichtes rotes Kleid mit weißen Herzen. Nicht das alte, zu eng gewordene, ärmellose rote mit weißen Pünktchen, in dem ich mich im vergangenen Jahr auf Mallorca sehen gelassen habe, mit> 100 kg Gewicht. »Mutig, sehr mutig!«, hatte mir eine Frau im Hotel-Fahrstuhl gesagt. Für den kurzen Kirchweg brauchte ich 15 Minuten, musste mehrfach stehenbleiben und die schmerzenden Knie ausschütteln. Das siebte Jahr mit Arthrose und dem ewigen Hallux-Problem in den Füßen. Auf Arbeit immer den Fahrstuhl in den ersten Stock zum Großraumbüro benutzt, selten die Treppe.
Diesen Sommer konnte ich aber dennoch genießen, selbst ohne Balkon, Garten oder Reisen. Die zahlreichen Orgel-Konzerte in und um Kahla gaben dem ganzen Jahr der COVID-19-Pandemie eine gewisse Struktur. Die Orgelfahrt des Dresdner Frauenkirchen-Kantors bildete den krönenden Abschluss. Fahrten nach Jena, Vierzehnheiligen und Dom