An einem Samstag Ende September wagte ich mich trotz nasskalten Wetters über den Innenhof zur Schulaula, um die Örtlichkeit noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Natürlich auch, um Ideen zu sammeln.
Obwohl ich bei dem Wetter alleine auf dem Hof unterwegs war, schlich ich die letzten Schritte und schloss die Tür bewusst leise hinter mir. Es war zu unserer Routine geworden, die Räume der Schule unbemerkt zu betreten oder zu verlassen.
Ich wanderte unentschlossen zwischen den Säulen entlang. Das Internat war in einem ehemaligen Schloss angesiedelt und die Aula im Prunksaal gelegen. Noch heute war der Saal zwar üppig ausgestattet, aber auch furchtbar langweilig. Die hohen Fenster wurden von schweren Samtvorhängen umrahmt, und natürlich hingen Kronleuchter von der Decke. Die Wände tru-gen die jahrhundertealten Malereien und goldenen Verzierungen der Fürsten. Egal, ob Besucher auf der Bühne standen oder auf den Bänken Platz nahmen, die Aula beeindruckte.
Aber mein Interesse lag daran, selbst zu beeindrucken. Seufzend blickte ich empor. Falls wir etwas an den Säulen oder Decken befestigen wollten, würden wir Leitern benötigen, also das Personal der Schule einspannen müssen. Beim einfachen Volk waren wir trotz unserer Streiche sehr beliebt, doch bargen externe Kräfte immer die Gefahr, dass sich jemand verplapperte. Außerdem war uns bisher nur eingefallen, dass wir die Gäste mit Schleim bedecken könnten. Sicherlich eine großartige Idee – wenn man 13 war. In den Sommerferien hatte ich meinen 19. Geburtstag gefeiert und wünschte mir ein stilvolles Finale. Etwas Infantiles wie Schleim schied schlicht aus.
Der Besuch des Saals war unnötig, das wusste ich selbst. Im Schloss gab es keinen Winkel, den ich nicht mit meinen Freunden erkundet hatte. Hier kannte ich mich aus. Trotzdem schritt ich zum Abschluss die Bankreihen ab und tastete unter den Sitzflächen in der Hoffnung auf eine zündende Idee. Erfolglos.
Stattdessen drückte eine Hand fest meine Schulter. »Herr Lewenstein! Ich frage nicht, was Sie hier machen. Ich will es auch gar nicht wissen.«
Die Stimme von Cornelius Schneider, unserem Schulleiter.
Betont langsam drehte ich mich zu ihm um und setzte ein sanftes Lächeln auf. Mit verschränkten Armen und zusammengepressten Lippen schaute der ältere Mann zu mir auf. Seit einem Wachstumsschub in der Zehnten musste fast jede Person in Schule und Dorf zu mir aufsehen. Beschwichtigend hob ich die Hände und öffnete den Mund.
»Ah!« Schneider schüttelte den Kopf. »Ich sagte, dass ich es nicht wissen will. Hören Sie, ich will nachher eine ruhige Veranstaltung, die zu diesen ehrwürdigen Hallen passt. Die zu dieser Schule passt. Ich will keine lebenden Tiere hier drin haben!« Er tippte aufzählend gegen seine Finger. »Und auch keine toten Tiere! Gar keine Tiere! Es werden keine Türen verschlossen, keine Mitschüler drangsaliert, nichts geflutet, nichts angezündet, keine Experimente gestartet. Und keine Bilder ausgetauscht!« Drohend hob er den Zeigefinger. »Ich mache Sie persönlich für jede Störung verantwortlich, is