JAPAN
Montag , 17. November 2025
Im Onsen-Bad
Draußen war ich drinnen. Eingehüllt in den aufsteigenden Dunst saß ich im Außenbad und genoss das Schauspiel der vorüberziehenden Wolken, die das Mondlicht aufsaugten und weitertrugen. Zugleich lauschte ich den Regentropfen, die auf das Vordach prasselten und zu einem Trommelkonzert anschwollen. Immer neue Trommeln stimmten mit. In synkopischen Rhythmen pulsierend wurden sie stetig lauter, bis schließlich der donnernde Klang der Pauke das Finale ankündigte und ein unbeschreibliches Glücksgefühl in mir erwachen ließ.
Ich war befördert worden! Als Fremdenführer für ausländische Touristen war ich zum Abteilungsleiter in der Firma Happy Tours Japan (HTJ) aufgestiegen.
Die meisten nannten mich Ken, obwohl mein richtiger Name Kenichi war. Und ich? Ich dachte auch, ich sollte nur Ken sein, denn das „ichi“ stand für den ersten Sohn.
Ich fühlte mich aber nicht als Erstgeborener, weil meine Mutter zwei Jahre vor meiner Geburt einen toten Jungen zur Welt gebracht hatte.
Es muss eine sehr schmerzhafte Erfahrung für sie gewesen sein. Beinahe täglich erzählte sie mir, wie schön es gewesen wäre, mich mit meinem älteren Bruder aufwachsen zu sehen. Nach all den Jahren hörte ich sie immer noch oft mit ihm sprechen. Momente, die mich traurig stimmten. Meine Eltern hatten stets das Beste für mich gewollt, was rückblickend aber nicht immer das Beste war, denn ich habe nie um etwas kämpfen müssen. Mir wurden alle Steine aus dem Weg geräumt. Erst als ich mein Studium in Osaka, weit weg von meinem Elternhaus, begonnen hatte, wurde mir klar, worum es im Leben ging.
Mein Vater starb vor fünf Jahren, danach wurde Mutter sehr einsam. So entschloss ich mich, nach dem Studium wieder in die Präfektur Saitama in ihre Nähe zu ziehen. Das kam m