: Marinou Arends
: Angeklagt wegen Sterbehilfe Mittelpunkt eines juristischen Tauziehens
: R.G. Fischer Verlag
: 9783830119098
: 1
: CHF 21.70
:
: Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht
: German
: 422
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Angeklagt wegen Sterbehilfe ist der eindrucksvolle Bericht einer Ärztin, die einer tiefdementen Alzheimer-Patientin Sterbehilfe leistete. Die niederländische Staatsanwaltschaft war der Meinung, dass Sterbehilfe bei einer dementen Person trotz einer zuvor erstellten Willenserklärung zur Sterbehilfe nicht zulässig sei und eröffnete ein Gerichtsverfahren. Die Ärztin wurde des Mordes angeklagt. Dieses Buch ist ein spannender und bewegender Bericht über einen Prozess, der vier Jahre dauerte. Die Ärztin berichtet auch über ihre umfang-reiche Erfahrung mit dementen Patienten. In lebendigen Bildern erhält der Leser eine Vorstellung von dem Leben und Leiden dieser Patienten in einem niederländischen Pflegeheim. Nur in wenigen Fällen gelingt es nicht, das Leiden zu mindern, und der Leser wird ebenso wie diese Ärztin zu der Überzeugung kommen können, dass Sterbehilfe die einzige Möglichkeit sein kann, um das Leiden zu beenden. Vier Jahre nach der Anklage wegen des Mordes hat die Strafkammer die Ärztin freigesprochen. Das Urteil des Höchsten Gerichtshofs bestätigte anschließend dieses Urteil. Dieser Fall ist seitdem das große Vorbild für die Sterbehilfepraxis in den Niederlanden. Die hier beschriebene Sterbehilfe ist auch für deutsche Leser hochinteressant und dürfte ein wichtiger Beitrag für die Debatte der Sterbehilfe in Deutschland sein.

MARINOU ARENDS ist eine niederländische Seniorenärztin. Sie arbeitete bis zu ihrer Pensionierung in einem Pflegeheim, vor allem in der Abteilung für demente Patienten. Auch war sie Beraterin und Kontrollärztin für Sterbehilfe. Marinou erhielt am 26. April 2021 eine Königliche Auszeichnung für die Entwicklung der Seniorenmedizin und insbesondere ihren Beitrag zur Rechtssicherheit der Sterbehilfe bei Demenz.

Einleitung


Mit diesem Buch will ich keinen Erlebnisbericht vorlegen, sondern Einblicke verschaffen in die Arbeit eines Seniorenarztes, der sich vor allem um demente Patienten kümmerte. Ich möchte anschaulich machen, wie die Arbeit in einem Pflegeheim verlaufen kann und an zahlreichen Beispielen verdeutlichen, wie verschiedenartig die Patienten reagieren. Ärzte und Pflegepersonal haben viele Möglichkeiten, um die letzte Lebensphase so angenehm wie möglich zu gestalten und allzu großes Leid zu vermeiden; bisweilen gelingt dies aber nicht. Auch auf die in den Niederlanden bestehende Möglichkeit der Sterbehilfe bei unerträglichem Leiden wird eingegangen, wobei die gesetzlichen Rahmenbedingungen und berufsrechtliche Anweisungen zur Sprache kommen, vor allem aber auch die Absicherungen, die Ärzte beachten müssen. Die Verwüstungen, die Krankheiten wie Alzheimer im Gehirn des Menschen verursachen können, lassen sich, wie an zahlreichen Beispielen gezeigt wird, am Verhalten der Patienten ablesen.

Zu berücksichtigen ist, dass Pflegeheime in den Niederlanden etwas anders strukturiert sind, als etwa in Deutschland. So gibt ein Patient, der in ein Pflegeheim überwechselt, seinen eigenen Hausarzt ab und wird nunmehr von den Ärzten des Pflegeheimes betreut. Diese „Seniorenarzt“ genannten Spezialisten sind Tag und Nacht im Pflegeheim anwesend oder zumindest aufrufbar. Sie durchlaufen nach Abschluss des Medizinstudiums eine spezielle Ausbildung, die parallel zu der eines Hausarztes erfolgt, aber eben mit Spezialisierung auf ältere Menschen, mit Demenz oder körperlichen Beschwerden, auch wird stationäre Rehabilitierung durchgeführt. Zum Therapieteam eines Pflegeheims gehören auch die fest angestellten Psychologen, Ergotherapeuten, Diätisten und Logopäden. Weitere Unterschiede werden im Buch in Fuß- oder Endnoten sowie im Glossar erläutert.

Das Buch möchte helfen, die oft verzerrten Berichte über Euthanasie in den Niederlanden durch Fakten zu ersetzten. Sterbehilfe ist dort in weiten Teilen der Bevölkerung als eine Möglichkeit akzeptiert, um unerträglichem Leiden in freiwilliger Selbstbestimmung ein Ende zu setzen. Vielleicht regt dieses Buch in Deutschland zu einer Diskussion über Sterbehilfe an, ohne einseitige Bevormundung durch (streng) religiöse oder weltanschauliche Gruppen, wie dies in Deutschland noch der Fall ist. In den Niederlanden wird das Recht auf Selbstbestimmung, im Grundgesetz verankert, als ein sehr wesentliches, unverzichtbares Recht empfunden, das nicht veräußert werden darf. Aber: Auch in den Niederlanden ist Sterbehilfe kein Recht, das der Patient einfordern kann