: Petra Jansen, Stefanie Richter
: Macht Bewegung wirklich schlau? Zum Verhältnis von Bewegung und Kognition
: Hogrefe AG
: 9783456755618
: 1
: CHF 24.40
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: Psychologie
: German
: 304
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Medienberichte preisen Bewegung oft als Allheilmittel. Aber abgesehen von den unbestrittenen positiven Effekten auf die Gesundheit: Macht Bewegung wirklich auch noch schlauer? Halten wir uns beispielsweise eine Fussballnationalmannschaft vor Augen - sind diese exzessiv Sport treibenden Spieler automatisch die Schlauesten im Lande? Sollten wir den Schulunterricht schlicht durch den Sportunterricht ersetzen? Die Autorinnen bieten einen differenzierten Überblick über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Einfluss der Bewegung auf die kognitiven Fähigkeiten. Sie zeigen den Effekt von Bewegung und beleuchten dafür unterschiedliche Bereiche:•Bewegung und Alter•Bewegung und Embodiment•Bewegung und Emotion•Bewegung und Schule•andere Faktoren, die die Kognition beeinflussen. «Ich denke, dass das Thema sehr interessant ist und viele Lehrer sich gerade mit der Frage rumschlagen, ob Bewegung und Sport auch für die kognitive Entwicklung der Kinder -förderlich ist. Im deutschsprachigen Raum gibt es meines -Erachtens keine kompetenteren Kolleginnen als die beiden.» Lutz Jäncke

2 Grundlagen der Bewegung und Kognition


Die Kognition gibt es nicht, das wurde in Kapitel 1.2 schon deutlich. Wie unterschiedlich sind doch die kognitiven Fähigkeiten! Und wie sehr lassen sie sich in der Tiefe noch differenzieren! Für unser Thema sind besonders zwei Arten von kognitiven Fähigkeiten relevant, da diese einen Einfluss auf die Bewegung zu haben scheinen: die sogenannten Exekutiven Funktionen und die visuell-räumlichen Fähigkeiten. Im folgenden werden beide näher vorgestellt.

2.1 Exekutive Funktionen


Unter den Exekutiven Funktionen versteht man «Kontrollprozesse, die es einem Individuum erlauben, sein Verhalten situationsgerecht zu optimieren, indem die grundlegenden psychischen Funktionen zielführend eingesetzt werden» (Jäncke, 2013, S. 388). Jäncke fasst den bisherigen, recht unübersichtlichen Forschungsstand bezüglich der Exekutiven Funktionen treffend zusammen, indem er auf die zahlreichen psychischen Funktionen verweist, die sich unter diesem Begriff verstecken, wie das Setzen von Zielen, das Planen und Entscheiden, das Setzen von Prioritäten etc., aber auch größere Themengebiete wie das abstrakte Denken oder die motorische Kontrolle.

In einer sehr weit gefassten Definition unterscheidet Drechsler (2007) bei den Exekutiven Funktionen Regulationsprozesse auf bestimmten Ebenen: der kognitiven Ebene, der Aktivitätsebene, der Emotionsebene und der sozialen Ebene. Auf die kognitive Ebene werden wir in den späteren Kapiteln noch ausführlich eingehen. Als Beispiel sei hier noch die Emotions- und Aktivitätsebene erwähnt: Kindern gelingt aufgrund weniger ausgebildeter Exekutiver Funktionen die emotionale Selbstregulation noch nicht so gut; an der mit Süßigkeiten bestückten Supermarktkasse können sie oft ihre Wünsche noch nicht unterdrücken und fangen an zu schreien, wenn sie die ersehnte Süßigkeit nicht bekommen.

Diese weitgefasste Differenzierung der Exekutiven Funktionen ist eine Möglichkeit. Wir stützen uns jedoch auf eine andere, die häufig in der kognitiven Entwicklungspsychologie benutzt wird, nämlich auf die Analyse kognitiver Basisprozesse von Miyake et al. (2000); gerade diese Basisprozesse stehen oft im Mittelpunkt der Untersuchung des Einflusses der Bewegung auf die kognitiven Funktionen. Die Autoren ließen 137 Versuchspersonen die zur Bestimmung der Exekutiven Funktionen gängigsten Tests, wie z.B. den «Wisconsin Card Sorting Test» oder den «Turm von Hanoi Test», durchführen und werteten diese statistisch aus: Hierbei untersuchten sie die drei folgendenBasisdimensionen, die mehr oder weniger voneinander unabhängig sind:

  1. die Aufrechterhaltung, Überwachung und Weiterverarbeitung der Information im Arbeitsgedächtnis (updating),
  2. die Inhibition möglicher Antworten (inhibition)
  3. die kogn