KAPITEL ZWEI
Andreas, Leipzig (DDR), 12. März 1982
Ich schaue auf den Wecker. 12:21 Uhr. Es ist einfach genial, Ferien zu haben. Ausschlafen bis zum Gehtnichtmehr. »Bis mir der Rücken wehtut«, hat Oma immer gesagt.
Heiner, Frank und René sind arbeiten.
»Ferienjobs sind super. Da kannste richtig Kohle machen!«, hatte Frank mir vorgeschwärmt.
»Aha. Kohle. In der DDR. Und was willste dir dann davon kaufen? Die Lizenzplatten, die es dann doch nicht gibt? Klingt nicht so prall.«
Frank hatte abgewinkt. »Andreas, das weiß ich doch auch. Aber Geld ist Geld. Ist immer gut, welches zu haben.«
»Tut mir leid, Alter«, hatte ich widersprochen. »Aber Ferien sind mir heilig. Arbeiten und Geld verdienen kann ich doch bis ans Ende meines Lebens.«
Frank hatte eine Fratze gezogen und im Weggehen gegrummelt: »Du redest wie ein alter Mann!«
»Nee, ich rede eher wie ein cleverer Mann!«, hatte ich ihm grinsend hinterhergerufen.
Ist doch so. Warum soll ich arbeiten, wenn Mama und Papa sowieso alles zahlen? Zumindest solange ich zu Hause wohne und noch zur Schule gehe.
Und klar, irgendwann ist das vorbei. Spätestens ab September, wenn ich meine Lehre als Konditor beginne. Was für eine bescheuerte Idee! Konditor. Na ja, aber irgend’ne Lehre muss ich halt machen. Mein eigentlicher Berufswunsch wäre sowieso Rockstar. Absolut.
Singen, sich auf der Bühne abfeiern lassen und dafür dann auch noch Geld bekommen. Das wäre ein Leben!
Aber das geht ja hier nicht, in diesem wunderbaren Arbeiterund-Bauernstaat. Wenn du mit deiner Band auf die Bühne willst, darfst du das erst, wenn eine Bonzen-Stasi-Arschloch-Kommission dir das erlaubt.
Immer schön schleimen, wie toll dieses Land ist. Ich kann Nina Hagen so gut verstehen, dass die abgehauen ist. Uwe, der aus der Parallelklasse, hat mir die Nina-Hagen-LP geliehen. Wahnsinn. Was die da macht. Und wie sie es macht.
Schon der erste Song »TV-Glotzer« hat mich komplett umgeblasen. Die ist völlig verrückt geworden. Uwe meinte, die nimmt Drogen und ist nicht mehr zu retten. »Na und«, hab ich gesagt. »Wenn dabei dann so was rauskommt?«
Ich stelle mir das so vor: Ich bin Nina Hagen und so kurz vorm Abnippeln, der Tod kommt und sagt: »Ich muss dich leider mitnehmen. Aber eine Sache noch, mal was ganz Persönliches, also deine erste LP im Westen, die war scho