Vor mir sitzt Rita, eine sehr dynamische junge Frau aus bäuerlichem Milieu, bodenständig und zupackend. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder, einen Jungen, Peter, sechs Jahre, und ein Mädchen, Sila, drei Jahre alt. Die wichtigsten Erziehungsgrundsätze aus der Dreikurs-Pädagogik wurden in den vorhergehenden Einzelberatungen erfahrbar gemacht und zu Hause eingeübt. So kennt Rita bereits den Begriffsoziale Gleichwertigkeit, sie weiß, was dasZugehörigkeitsgefühl bewirkt, auchlogische Folgen kommen zum Einsatz und die vierNahziele störenden Verhaltens sind ihr ein Begriff. Inzwischen hat sich vieles verändert in der Familie, ihr Mann Karl empfindet das Chaos als weniger groß und kann seinen Feierabend und die lebhaften Kinder wieder genießen, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt. Die Partnerschaft läuft deutlich entspannter, es gibt wieder Luft für die Liebe.
Natürlich sind sowohl positive als auch negative Reaktionen des sozialen Umfelds auf Ritas neue Erziehungsmethoden nicht ausgeblieben. Rita ist trotzdem guter Dinge und will sich vom einmal eingeschlagenen individualpsychologischen Weg nicht abbringen lassen. Aber nun gibt es da noch den geistig behinderten Onkel, der mit im Haus wohnt, und ab und zu die über 90-jährige Großmutter, die immer wieder mehrere Wochen zu Gast und dann Teil der jungen Familie ist. Rita ist ihre Enkelin und erwägt, die Großmutter ganz zu sich zu nehmen und zu pflegen. Somit steht spätestens jetzt die Einführung des Familienrats an, damit das bisher Gelernte umgesetzt und erweitert werden kann.
Wozu? Und warum gerade jetzt?
Es läuft doch einigermaßen ...
Unsere Antwort: Gerade wenn es einigermaßen gut läuft, besteht die Chance, aus dem Guten etwas Besseres zu machen, mit dem Ziel, glücklicher zusammenzuleben.
Dann folgen die Fragen und Befürchtungen: Ein FR, was ist das?
Wozu ist der FR denn gut, was haben wir davon?
Wie geht das? Wie mache ich das denn? Kann ich das überhaupt?
Werden meine Lieben mitspielen? Und wie vermittle ich, was ich damit erreichen will?
Und später:
Wie bekomme ich alle an einen Tisch? Wie lade ich ein?
Und wie geht es dann weiter?
Ich schlage vor, einfach zu beginnen und die Fragen dann zu beantworten, wenn sie sich stellen, zum Beispiel nach einer Familienratssitzung.
Ich wende mich wieder an Rita und erkläre: „Ein Familienrat findet statt, wenn sich