: Magdalena Kayser-Meiller, Dieter Meiller
: Unterwegs im Cyber-Camper Annas Reise in die digitale Welt
: De Gruyter Oldenbourg
: 9783110733426
: De Gruyter Populärwissenschaftliche ReiheISSN
: 1
: CHF 36.10
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: Informatik
: German
: 470
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Wie wäre es, wenn Software-Pionierin Ada Lovelace aus dem 19. Jahrhundert in der Jetztzeit landet und ihrem Freund Charles Babbage, einem Computer-Vorreiter aus England, Briefe schreibt? Darin erklärt sie alles, was man über das Thema Digitalisierung wissen muss - verständlich für jede und jeden. Es geht um Nullen und Einsen, um Verschlüsselung und virtuelle Realität, um Bitcoin und Blockchain, um Handys und Hypertext. Genau das macht Anna, die unter dem Pseudonym Ada L. einen Blog startet: über das, was die digitale Welt im Innersten zusammenhält. Die digitale Nomadin arbeitet in Thailand und Australien, im Elektrobus reist sie durch Europa. Auf ihrer Tour knüpft sie Kontakte, verliebt sich und kommt üblen Machenschaften auf die Spur. Dabei gerät sie selbst in Gefahr. Hilfe kommt von Freunden, von Fremden - und immer wieder von Hühnern.



Dieter Meiller,Magd lena Kayser-Meiller, Kastl.

1 Thailand


Neben mir gackert es laut. Evita stolziert auf den Hof, legt ruckartig den Kopf schief und lässt den Schnabel in eine Ritze zwischen den Steinplatten sausen, aus der ein bisschen Unkraut sprießt. Seit zwei Wochen haben wir hier im Coworking-Space Zuwachs bekommen: Weil die Henne immer wieder vom Nachbargrundstück aus zu uns herübergeflattert ist, hat sich mein Kollege Chuck ihrer angenommen. Offenbar hat er der Nachbarin das Huhn abgekauft, es vor ihrem Kochtopf gerettet – sie macht ein fantastisches grünes Curry mit Chicken – und hat das Tier auf den Namen Evita getauft. Er findet, „sie sieht im Profil aus wie Madonna in diesem Film, bloß ohne die blonden Haare – schau doch mal, der Gesichtsausdruck!“

Ich sehe nichts, was auf Madonna hinweist, lasse Chuck aber in seinem gefiederten Glück. Ohnehin hat er einen Hühner-Spleen, der nicht von schlechten Eltern ist. Schon kommt er gurrend auf Evita zu und legt ihr ein paar dünne Reisnudeln hin, die von seinem Frühstück übrig geblieben sind.

Wir teilen uns ein Büro in Bangkok, einen kleinen Raum mit drei Schreibtischen und einer Klimaanlage, die immer wieder schlappmacht, so dass wir eine abenteuerliche Serienschaltung an Ventilatoren aufgestellt haben. Den dritten Tisch hat Marcia gemietet, eine Amerikanerin, die den Hühner-Wahnsinn von Chicken-Chuck mit einem Achselzucken und vielen Vogel-Witzen recht cool nimmt.

Allerdings hat auch sie geschluckt, als er das erste Mal mit einer Kette auftauchte, an die er sich ein Paar Hühnerfüße gehängt hatte. „Er hat wohl von diesen Pilzen zuviel erwischt“, wisperte sie mir zu. Von denen hat er meiner Meinung nach schon öfter eine zu heftige Dosis abgekriegt. Als er einmal im Sonnenuntergang mit ruckendem Kopf und einem selbstgebastelten Häubchen aus Federn auf und ab stolziert ist, war ich kurz davor, ihn zum Arzt zu bringen.

Es sei seine Art, sich auf neue Aufgabe