Kapitel 2 –Jake
Ein lautes Klopfen reißt mich aus dem Tiefschlaf. Nein, eigentlich ist es kein Klopfen. Eher ein wütendes Hämmern, vor dem man Angst haben muss, dass es gleich meine Tür zerstört. Mein Gott, wer kann so früh schon was von mir wollen? Stöhnend schiebe ich die vollbusige Blondine von mir herunter, ziehe mir eine Boxershorts über und schlurfe zur Tür. Mein Besucher scheint noch nicht müde geworden zu sein, denn er klopft weiterhin unnachgiebig.
Genervt reiße ich die Tür meines Bungalows auf und schaue in das Gesicht meines Vaters.
»Guten Morgen, Jake. Schön, dass du dich dazu entschlossen hast, mir zu öffnen.«
»Ich hatte nicht wirklich eine Wahl, oder?«, erwidere ich und fahre mir mit der Hand einmal übers Gesicht. Oh Mann. Wir müssen gestern ordentlich gefeiert haben. Die kurze Nacht sitzt mir deutlich in den Knochen. Ein Blick über Dads Schulter zeigt mir, dass die Gärtner gerade ihre Arbeit aufnehmen. Also muss es etwa sieben Uhr sein.
»Was treibt dich hierher?« Lässig stütze ich mich mit dem Arm im Türrahmen ab, damit er das Chaos hinter mir nicht sieht.
»Deine Mutter.« Sofort richte ich mich auf und schlucke.
»Ist alles in Ordnung mit ihr?« Dad schiebt seine Hände in die Hosentaschen seines dunkelblauen Armani-Anzugs und wippt auf den Füßen vor und zurück. Ich schlucke einen Kommentar darüber herunter, dass er zu so früher Stunde noch nicht so perfekt gekleidet sein muss. Auch nicht, wenn ihm als Immobilienmogul halb Los Angeles gehört.
»Ich denke schon«, antwortet er jetzt endlich. »Sie kocht.«
»Sie kocht?!« Mir fällt die Kinnlade herunter, während mein Vater nur selig lächelt.
Heute scheint einer ihrer guten Tage zu sein. Vor sechs Wochen wurde bei einer Routineuntersuchung eine Auffälligkeit in ihrer Schilddrüse entdeckt. Sieben Tage später bekamen wir dann die traurige Gewissheit, dass es sich um Krebs handelt. Eine sehr aggressive Form, deren Heilungschance sehr gering ist. Um ehrlich zu sein, habe ich nicht alles verstanden, was Dr. Mitchell damals erklärt hat, aber die Tatsache, dass Mom mit etwas Glück noch sechs Monate leben wird, hat sich mir ins Gedächtnis gebrannt. Obwohl es beinahe aussichtslos ist, unterzieht sie sich einer Chemo- und Strahlentherapie, um gegen die Krankheit zu kämpfen.
Eine innere Zufriedenheit breitet sich in mir aus und mischt sich mit Glücksgefühlen, die ich kaum beschreiben kann. Ich freue mich enorm, dass es ihr heute gut genug geht, um aufstehen zu können und dass sie sogar kocht, lässt mich innerlich einen Freudensprung machen. Heute ist ein guter Tag!
»Vielleicht solltest du vor dem Frühstück nochmal duschen gehen. Du stinkst wie eine Kneipe.« Dad verzieht angewidert das Gesicht. »Denkst du nicht, dass du die Partys langsam hinter dir lassen solltest, um dich aufs Wesentliche zu konzentrieren?«
Mit der Zungenspitze fahre ich mir einmal über die Lippen. War ja klar, dass er dieses Thema noch auf den Tisch bringen muss. Aber besser hier als später beim Frühstück.
»Und was wäre das?« Ich kenne seine Antwort g