Einleitung:Wir sind nicht allein
Der Weg war steinig und hart. Er war mit vielen Hürden gepflastert. Das Ziel war – wie allen Sternen im stellaren Meer eigen – unfassbar weit entfernt, kaum erreichbar, allenfalls nur auf imaginäre Weise für unverbesserliche Fantasten oder ausgewiesene Science-Fiction-Fans vorstellbar, deren unerschütterlicher Optimismus und Zukunftsglaube seinerzeit aber eher abschreckend wirkte. Doch im Jahr 1982 vollzog sich das von Insidern längst erhoffte Erdbeben, das intellektuell-wissenschaftlich hohe seismologische Wellen schlug und viele mitriss – gottlob nicht in einen Abgrund, sondern auf eine neueSelbstbewusstseinsebene.
Motiviert von der Drohung des US-Senats, die finanzielle Unterstützung für das laufende SETI-Projekt zu streichen (SETI = Search for Extraterrestrial Intelligence), setzte sich der damals schon berühmte US-Astrophysiker und Publizist Carl Sagan für die Intensivierung und Finanzierung einer koordinierten weltweiten Suche nach außerirdischen Intelligenzen und Funksignalen ein. Um seinem Anliegen Gehör zu verschaffen, überzeugte er gleich 70 renommierte Wissenschaftler, eine internationale Petition zu unterzeichnen, die im angesehenen WissenschaftsmagazinScience als Leserbrief erschien und die Fachwelt aufrüttelte. Gleich acht Nobelpreisträger, darunter etwa Melvin Calvin, Sir Francis Crick, Linus Pauling, angesehene Gelehrte wie Frank D. Drake, Fred Hoyle, Nikolai S. Kardashev, Grote Reber, Martin Rees, Jill C. Tarter, Kip S. Thorne und nicht zuletzt Stephen W. Hawking werteten mit ihrem Namenszug die gezielte Suche nach außerirdischen Hochkulturen auf. Und als im selben Jahr die Vollversammlung der Internationalen Astronomischen Union (IAU) im griechischen Patras die Kommission „Bioastronomie“ ins Leben rief, war eine Zäsur markiert, die eine neue Ära in der Astronomie einleitete und bis heute nachwirkt.
Ein elitärer Zirkel von größtenteils konservativen Astronomen ehrte das neue Fachgebiet mit dem Ritterschlag und nahm SETI nach Jahren der Tristesse und Ignoranz offiziell in seine Tafelrunde auf – mit ungeahnten Folgen. Denn mit einem Mal fanden sich die ehemaligen „Verrückten“ in einer multidisziplinär orientierten Gemeinschaft wieder, bei der sich Exo- und Astrobiologen, Planetenjäger, Physiker, Biochemiker, Historiker, Philosophen, Soziologen und Anthropologen bei allen möglichen Treffen auf Augenhöhe austauschten und kooperierten.
Heute, im Jahr 2023, ist die Suche nach Intelligenz im All en vogue und hat sich nicht nur aus dem Dunstkreis des Unseriösen, des Esoterischen sukzessive entfernt, es taugt auch immer wieder als Argument, um teure Raumfahrtmissionen wissenschaftlich und finanziell zu legitimieren.
Tatsächlich zweifelt heute kein ernstzunehmender Intellektueller oder Wissenschaftler mehr an der Existenz hochstehender Kulturen im All. „Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass wir intelligentes Leben im Universum finden werden“, sagt der amerikanische theoretische Astrophysiker und Publizist Michio Kaku, dem wir in dieser Publikation noch mehrfach begegnen werden. Dies trifft auch auf Seth Shostak zu, den zuversichtlichen Grandseigneur der SETI-Forschung: „Allein in unserer Milchstraße gibt es eine Billion Planeten. Das ist so, als würde man eine Billion Lottoscheine kaufen. Einige davon werden gewinnen. Ich bin sicher, dass es da draußen anderes intelligentes Leben gibt.“
Der Optimismus der beiden speist sich aus großen Entdeckungen und Erfolgsmeldungen der Bioastronomie und Planetenforschung, die nicht abreißen. So tickerte im August 2022 eine Meldung durch die Medien, der zufolge kanadische Forscher mit dem Weltraumteleskop TESS eine Super-Erde entdeckt haben, einen der bisher besten Kandidaten für einen Ozeanplaneten. 100 Lichtjahre von der Erde entfernt, könnte eine Ozeanwelt existieren, die um 70 Prozent größer ist als die Erde. Früher undenkbar, ist heute die Technik und Sensibilität der Instrumente dermaßen fortgeschritten, dass den Planetenfischern immer mehr erdähnliche Planeten in habitablen Zonen ins Netz gehen, die sogar über eine eigene Atmosphäre verfügen. Einen Erfolg verzeichnete letztes Jahr auch der NASA-Rover „Perseverance“, der in einem Marskrater, den ehemals ein See bedeckte, Steine mit einer überaus hohen Konzentration an organischem Material analysierte. Sie bestehen größtenteils aus Wasserstoff und Kohlenstoff. Beide Elemente spielen bei nahezu allen organischen Prozessen auf der Erde eine wichtige Rolle.
Einen guten Fang machte auch ein Cambridge-Team, das im September 2021 von der Entdeckung des 124 Lichtjahre entfernten Mini-Neptun K2–18b berichtete. Dieser „hyzeanische“ Exoplanet bildet eine neue Klasse von Planeten, die sich dadurch auszeichnen, ei