: Christina Wolff
: Bildspringer (Bd. 1) Der erste Fall der Van-Gogh-Agency
: Woow Books
: 9783961776047
: 1
: CHF 11.70
:
: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 192
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Vincent hat ein ganz besonderes Talent: Er kann in Gemälde springen und sich darin bewegen! Als aus einer Londoner Villa das Gemälde Das Gewitter eines alten niederländischen Malers gestohlen wird, beschließt Vincent, es aufzuspüren. Während seiner Suche trifft er zu seiner großen Überraschung auf Holly, die genau wie er in Bilder eintauchen kann. Die beiden schließen eine Wette ab: Wer Das Gewitter zuerst findet, hat gewonnen! Vincent ist sich sicher, dass er schneller sein wird als Holly, doch die Suche stellt sich als unerwartet schwierig heraus. Und plötzlich stimmt auch etwas mit der Sternennacht von Vincent van Gogh nicht mehr. Warum nur fühlt sich das Bild wie eine Fälschung an, wenn Vincent hineinspringt? Der erste Band der Bildspringer

Christina Wolff arbeitete als Grundschullehrerin, bevor sie sich als Autorin selbstständig machte. Wenn sie nicht gerade Bücher schreibt, räumt sie gerne ihre Wohnung um, stöbert in ihrem Lieblingsbuchladen und isst jede Menge Käsekuchen. Sie lebt mit ihrer Familie und einer frechen kleinen Hundedame in Hannover.

Kapitel 1


Eigentlich hatte der Zwerg ganz harmlos ausgesehen. Freundlich sogar, mit seinen runden Bäckchen und der Stupsnase. Aber als Vincent neben ihm landete, wetterte der kleine Kerl sofort drauflos.

»Trampel! Hast du keine Augen im Kopf? Du hast meinen Kohlrabi plattgemacht. Raus da aus dem Beet, oder ich …« Er sprach nicht weiter, sondern schüttelte nur seine Faust.

Vincent blickte sich rasch um. Er war ein gutes Stück vor dem Höhleneingang gelandet – mitten in einem kleinen und sehr gepflegten Gemüsegarten. Den hatte man auf dem Gemälde gar nicht bemerkt. Aber so war es ja immer. In einem Bild steckte all das, was die Künstlerin oder der Künstler sich beim Malen vorgestellt hatte, und eben nicht nur, was auf der Leinwand zu sehen war. Deswegen wusste man leider auch nie genau, was einen erwartete.

Vincent rappelte sich auf und trat vom Beet. »’tschuldigung«, murmelte er.

Doch das beruhigte den Zwerg nicht. »Wer bist du überhaupt?«, fragte er. Dabei musterte er Vincent abschätzig von oben bis unten. »Du siehst aus wie ein Kind, bis auf diese Bärenquanten.« Mit seiner kleinen hölzernen Pfeife deutete der Zwerg auf Vincents Füße. »Und was hast du da am Leib? Bist du ein armer Schlucker? Deine Hosen sind ja völlig zerrissen.«

»Was? Ach so, nein«, winkte Vincent ab. »Das sind Jeans, die trägt man heute so.«

Er kannte solche Fragen bereits. Manche Leute aus den Gemälden wollten auch noch wissen, warum er eine dunkle Haut hatte. Dann versuchte Vincent immer zu erklären, dass seine Mum ursprünglich aus Indien stammte. Aber das stiftete meist nur Verwirrung. In der Regel wussten die Leute aus den älteren Gemälden nämlich weder, wo Indien lag, noch, wie die Menschen dort aussahen. Der Zwerg schien mit seiner Fragerei allerdings fertig zu sein und starrte ihn stumm aus großen Augen an.

»Ähm, ich heiße übrigens Vincent … Vincent Fox. Und ich bin dreizehn Jahre alt … alsokein Kind mehr«, stammelte Vincent, dem der bohrende Blick ein wenig unangenehm war. »Aber Sie haben recht, für mein Alter habe ich ziemlich große Füße.«

»Bärenquanten«, brummelte der Zwerg noch einmal mürrisch vor sich hin. Dann kramte er ein silbernes Tabakdöschen hervor, stopfte seine Pfeife und nahm paffend die Gartenarbeit wieder auf. An Vincent verlor er kein weiteres Wort mehr.

Auch das war für Vincent keine Überraschung. Selbst wenn sich in den Bildern alle regelmäßig über sein Aussehen wunderten, interessierten sie sich doch eigentlich nur für ihre eigene kleine Welt. Es gab Ausnahmen, doch noch nie hatte ihn zum Beispiel jemand gefragt, wieso er so plötzlich aufgetaucht war.

Blinzelnd sah Vincent den sanften Abhang hinab, der sich neben dem Gemüsegarten erstreckte. Er war ja sowieso nicht wegen des Zwerges gekommen, sondern weil er sich ein wenig in den Feldern herumtreiben wollte. Die Landschaften des Malers Carl Spitzweg[1] waren einfach toll, fand Vincent. Fast schöner als die echten.

Nach einem tiefen Atemzug lief er hinab ins Tal. Um ihn herum zirpten Grillen, Sonnenstrahlen blitzten zwischen weißen Wol