Kapitel 1
Wo war er?
ANKUNFT stand auf dem Schild über meinem Kopf, also wusste ich, dass ich am richtigen Ort war. Ich konnte es einfach nicht fassen. Es passierte tatsächlich wieder.
Jedes Mal, wenn jemand in ein Auto einstieg, wurde ich noch angespannter als sowieso schon. Und das mulmige Gefühl in meinem Bauch, das ich schon den ganzen Morgen hatte, wurde immer schlimmer. Hatte Mom wirklich gedacht, wir könnten darauf vertrauen, dass er auftaucht? Ich war schon vor einer halben Stunde gelandet. Ich zog mein Handy aus der hinteren Hosentasche, aber dann fiel mir ein, dass Mom bestimmt noch im Flugzeug auf dem Weg nach Prag saß. Es würde nichts bringen, sie anzurufen.
Zum tausendsten Mal blickte ich die Haltezone auf und ab. Ob ich meine Großeltern anrufen sollte? Mom hatte mir gesagt, ich könnte mich im Notfall immer bei ihnen melden. Am Oakland Airport gestrandet zu sein, war doch wohl ein Notfall, oder? Ich fing an, durch meine Kontakte zu scrollen. Gerade als ich ihre Telefonnummer gefunden hatte, hupte jemand, und ein ramponierter blauer Toyota kam mit quietschenden Reifen genau neben mir zum Stehen. Mit einem breiten Grinsen sprang mein Vater aus dem Auto.
Langsam schob ich mein Handy zurück in die Hosentasche und starrte ihn an. Es war ewig her, dass ich ihn zuletzt gesehen hatte. Er sah genauso aus wie früher, abgesehen davon, dass der ungepflegte Bart fehlte.
»Daphne!«, rief er über das Autodach und winkte wie wild, als würde ich ihn sonst nicht bemerken.
Irgendwie konnte ich mich nicht bewegen.
Er knallte die Autotür zu, rannte zu mir rüber und nahm mich einfach so in die Arme. »Daf!«, murmelte er in mein Haar. »Es ist so schön, dich zu sehen.« Ich stand mit herabhängenden Armen da, während er mich drückte.
Und sagte kein einziges Wort.
Schließlich ließ er mich los, und ich trat einen Schritt zurück, um ein bisschen Abstand von ihm zu bekommen. »Ich kann nicht glauben, dass du schon zwölf Jahre alt bist«, sagte er mit einem Lächeln.
Wollte er damit Eindruck schinden, nur weil er wusste, wie alt ich war? Ich versuchte es mit dem Kalten Fisch. Dazu neigt man den Kopf etwas zur Seite, hebt die Augenbrauen ein wenig an und guckt so ausdruckslos wie möglich. Doch er sah mich mit so weit aufgerissenen, leuchtenden Augen an, als wäre mein Anblick das Beste auf der Welt überhaupt. Das löste etwas in mir aus, was ich schon lange nicht mehr gespürt hatte.
Ich wandte mich ab, betrachtete das Meer von Autos auf dem Parkplatz und blinzelte ein paarmal.Drei Jahre, sagte ich mir.Drei Jahre, und er ist nur hier, weil Mom einen Babysitter braucht.
Ich drehte mich wieder zu ihm hin, als er den Griff meines Rollkoffers nahm. »Lass mich das machen«, sagte e