: Ilona Schmidt
: Die Hexentochter und die Fränkische Krone Historischer Roman
: Gmeiner-Verlag
: 9783839276402
: Elisabeth Bachenschwanz
: 1
: CHF 11.70
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 487
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Während des Dreißigjährigen Krieges fällt das kaiserliche Heer unter Oberst Lamboy in die Stadt Coburg ein, um die Veste den sächsischen Herzögen abzuringen. Die Coburger sind verzweifelt, denn die Besatzer bringen Hunger und Tod mit sich. Inmitten der Wirren versucht die Tochter des Bürgermeisters herauszufinden, warum ihre Mutter vor Jahren auf dem Scheiterhaufen sterben musste. Ausgerechnet in zwei Feinden scheint sie Verbündete gefunden zu haben, doch diese haben anderes im Sinn ...

In München geboren, lebte Ilona Schmidt viele Jahre in Nürnberg. Nach dem Studium der Chemie in Erlangen zog sie berufsbedingt nach Coburg. Heute arbeitet sie für einen amerikanischen Konzern und bereist die Welt. Ihre Liebe zum Krimi und für das Abenteuer lebt sie in ihren Romanen aus.

2 Karl


Mit einem lauten Knall blieb die Kanonenkugel in der Mauer der Festung stecken. Viele Ellen dick widerstand das Bollwerk allen Versuchen, es zum Einsturz zu bringen.

Freiherr Karl Köckh zu Prunn blickte von der Anhöhe Fürwitz zur Veste Coburg hinüber. Fürwahr ein Witz, denn den dreifachen Mauerring zu sprengen war schier unmöglich. Wenn überhaupt, konnten die Verteidiger nur durch Aushungern zur Aufgabe gezwungen werden – und das würde dauern. Manche Dinge waren eben nicht mit Gewalt zu erreichen.

Gedankenverloren strich sich Karl über den roten Kinn- und Oberlippenbart, der in Kontrast zu seinem schwarzen Haupthaar stand, weswegen er oft gehänselt worden war. Insgeheim ärgerte er sich darüber. Was konnte er für die Farbe seines Barts?

Herbstbunte Wälder umrahmten das groteske Schauspiel. In der Tat ein idyllisches Plätzchen, wären da nicht die Kanonen des Generals Wallenstein, deren Feuer speiende Mündungen auf die Festung gerichtet waren. Die Stadt Coburg duckte sich im Tal hinter der Burg, ebenso wie deren Bürger, die sich vor den Besatzern in ihren Häusern versteckten. Sie hatten nur so lange Widerstand geleistet, bis ihrem Herzog die Flucht gelungen war.

General Wallenstein hieß mit vollem Namen Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein. Er war von Ferdinand II., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, erneut zum Oberbefehlshaber von dessen Armeen ernannt worden, die tapfer den katholischen Glauben gegen den Protestantismus verteidigten. In Wahrheit ging es darum allerdings schon lange nicht mehr, sondern um Macht und Land.

Wallenstein wetterte lauthals über die Offiziere neben sich. Dass er keiner der gegeneinander kriegführenden Konfessionen zuzuordnen war, war hinlänglich bekannt, aber auf seine Erfahrungen als Heerführer wollte der Kaiser dennoch nicht verzichten. Wallenstein thronte auf einem eigens für ihn besorgten Stuhl, da ihm längeres Stehen angeblich schwerfiel.

Neben dem Feldherrn standen zwei Lakaien, um ihm bei Bedarf eine Erfrischung zu reichen.

»Der Festungskommandant hatte nichts als Spott für mich übrig«, zischte ein Hauptmann mit hochrotem Gesicht. »Als ich ihn aufforderte, die Burg zu übergeben, und ihm drohte, anzugreifen, gab er zur Antwort, ich solle tun, was ich nicht lassen könne.«

Wallenstein kniff die Lippen zusammen. »Die Festung gilt als uneinnehmbar. Mit diesem Wissen hat der Kerl gut reden.«

»Wie wollen wir sie dann in die Knie zwingen?«

Mit einer List, dachte Karl. Ähnlich