: Melanie Lindorfer
: Das Geheimnis am Ufer des Perlenbachs Eine dramatische und fesselnde Familiengeschichte aus Österreich
: beHEARTBEAT
: 9783751716475
: Die schönsten Familiengeheimnis-Romane
: 1
: CHF 4.50
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: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 377
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Österreich, 1999: Mathea findet im Haus ihrer Mutter ein altes Tagebuch. Es erzählt die Geschichte der jungen Kaufmannstochter Marie Steinbach aus Linz, die in den Zwanzigerjahren zur Sommerfrische aufs Land geschickt wurde. Dort lernte sie Jakob kennen, der beim Fluss eine Perlenzucht betrieb.

Matheas Interesse ist geweckt. Doch die Aufzeichnungen sind lückenhaft, und sie reist ins Tal der Großen Mühl, um vor Ort zu recherchieren. Hier trifft sie auf den attraktiven Naturschützer Paul, der ihr den Schatz der heimischen Flüsse näherbringt und mehr über die Hintergründe der Perlenzucht weiß. Finden sie gemeinsam auch die Antworten, die das Tagebuch nicht preisgeben will? Und wie hängen Maries Erlebnisse mit Matheas eigener Familiengeschichte zusammen?

Eine dramatische, fesselnde Familiengeschichte, und eine junge Frau auf der Suche nach einer lang gehüteten Wahrheit.
Alle Romane der Familiengeheimnis-Reihe sind in sich abgeschlossen und können unabhängig voneinander gelesen werden.
eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.




<p>Melanie Lindorfer, geboren 1986, lebt mit ihrer Familie in Oberösterreich. Sie ist fasziniert von den Relikten der Vergangenheit, von Dingen, die verborgen, vergessen oder aus der heutigen Zeit verschwunden sind. Inspiration für ihre Geschichten holt sie sich auch bei ihren Streifzügen durch den Böhmerwald und die geheimnisvolle Landschaft des Mühlviertels.<br></p gt;

Kapitel 2


Linz an der Donau, Ende Juni 1927

Marie unterdrückte einen Fluch, als die lange Halskette ihrem Ziehen und Zerren nachgab und einige lose gewordene Perlen in ihren Schoß kullerten. Hastig warf sie einen Blick zu ihren Sitznachbarn an der Tafel, die glücklicherweise nichts von ihrem Malheur mitbekommen hatten, da mit dem Vizepräsidenten der Handelskammer schon der nächste Festredner ihre Aufmerksamkeit beanspruchte. Sie hingegen war der langen Ansprachen anlässlich des hundertjährigen Jubiläums einer altrenommierten ortsansässigen Papierwarenfabrik, zu dem sie ihren Vater begleitet hatte, längst überdrüssig geworden. Die überschwänglichen Ehrerbietungen hatten sich ob ihrer Gleichförmigkeit und Wiederholung abgenutzt, weshalb sie nach einiger Zeit gedanklich abgeschweift war. Sie hatte die Ölgemälde studiert, dem der prunkvolle Bildersaal des Kaufmännischen Vereinshauses seinen Namen verdankte und mit ihrer Kette gespielt. Immerfort hatte sie diese um ihre Fingerknöchel gewunden und war anschließend dazu übergegangen, sie zwischen den Falten ihres Plisseekleides zu kunstvollen Ornamenten zu arrangieren. Dabei hatte sich allerdings das Band verheddert und war beim Versuch, das Knäuel zu entwirren, gerissen.

Ihre Mutter würde darüber wenig erfreut sein, zumal Marie das Schmuckstück erst zwei Tage zuvor als Geschenk zu ihrer Reifeprüfung erhalten hatte. Dabei war es nur Zierrat – und nichts anderes war sie selbst an diesem nicht enden wollenden Abend. Hübsch anzusehen, doch im Grunde so überflüssig wie die Perlenkette, deren Fehlen niemand bemerken würde, sobald Marie sie abstreifte.

Die Gelegenheit dazu war gekommen, als erneut Applaus aufbrandete und sich die Menschen klatschend erhoben, weil der offizielle Teil der Veranstaltung für beendet erklärt worden war. Marie ließ die Kette in ihrem Täschchen verschwinden und sah sich nach ihrem Vater um, der weiter vorn im Saal bei den Vertretern aus Industrie und Wirtschaft und den geladenen Mitgliedern des Linzer Bürgertisches gesessen hatte. Als fähiger Kaufmann genoss Berthold Steinbach in diesen Kreisen hohes Ansehen. Da seine Gattin in den letzten Tagen unter ihrer Migräne sehr gelitten hatte, war er an seine Tochter herangetreten und hatte sie gebeten, ihm bei dem offiziellen Anlass Gesellschaft zu leisten. Marie hatte nach kurzem Zögern eingewilligt, allerdings nicht ohne Hintergedanken: Denn auch ihrerseits gab es ein Anliegen, von dem sie ihren Vater unterrichten musste. Eines, dessen Erfüllung einzig und allein von seiner Gunst abhing. Sie würde also Hände schütteln und ihr schönstes Lächeln bemühen, bis ihr Vater sie entließ, um mit seinen Kollegen wichtige geschäftliche Angelegenheiten zu diskutieren.

Da er aber immer noch in ein Gespräch verwickelt war, beschloss sie, kurz nach draußen zu gehen, um auf dem Balkon frische Luft zu schnappen. Sie entschuldigte sich bei ihren Sitznachbarn und strebte, begleitet von den Klängen einer munteren Tanzweise, mit der die Tafelmusik den vergnüglichen Teil des Abends einleitete, Richtung Ausgang, als ihr von hinten jemand nachrief.

»Entschuldigen Sie, Fräulein! Ich glaube, Sie haben da etwas verloren.«

Marie wandte sich um, und sah einen jungen, in einen schicken Anzug gekleideten Mann auf sich zukommen. Gewiss war er kein Arbeiter aus der Belegschaft der Fabrik. Gehörte er womöglich zum kaufmännischen Personal?

Der Mann schloss in wenigen flinken Schritten zu ihr auf und tauchte erst in ihren Blick ein, ehe er seinen Fund offenbarte. Zwischen den Fingerspitzen balancierte er eine einzelne, schimmernde Perle. »Das ist doch Ihre?«

Marie konnte ihre Verblüffung nicht verbergen. »Ja … Aber woher wissen Sie …?« Unwillkürlich tastete sie an ihr nacktes Schlüsselbein.

Der Mann nickte in Richtung eines der großen Wandspiegel. »Mir ist aufgefallen, dass Sie sich damit die Zeit vertrieben haben.« In einem Anflug von Verlegenheit neigte er den Kopf. »Verzeihen Sie, dass ich Sie so schamlos beobachtet habe. Aber diese vielen Reden …«

Marie lächelte.