1
Ein Träumer war ich nie.
Ich meine, im allerbuchstäblichsten Sinne. Bildlich gesprochen habe ich natürlich Träume. Ehrgeiz zumindest. Bin ich Optimist? Bis zu einem gewissen Grad, auch wenn in meinem Beruf – Journalismus – eher ein gewisser Zynismus hilfreich ist. Wenn ich sage, dass ich nie ein Träumer war, dann meine ich damit nachts, in den Tiefen des Schlafs.
Keine Träume. Ich hatte schlicht keine. Weder schöne noch schlechte, weder glückliche noch traurige.
Ich schlief trotzdem gut. Ja, ich habe gut geschlafen. Schwer vorstellbar heutzutage, aber ich weiß, dass es einmal so war.
Die Leute reden ständig über ihre Träume. Ich war ein paar Jahre mit einer Frau zusammen, die morgens aufwachte und mir die seltsamen, abenteuerlichen Geschichten erzählte, die sie nachts erlebt hatte. Manchmal war ich in Versuchung, so zu tun, als ob ich wüsste, wovon sie sprach. Träumen scheint doch etwas ganz Normales zu sein, oder? Etwas, das wir eigentlich alle tun sollten. Und doch wissen wir trotz all unserer Forschungen und psychologischen Theorien wenig über die Mechanik der Träume. Wir vermuten, dass Träume mit dem Gedächtnis zusammenhängen, dass wir imREM-Schlaf unsere Erinnerungen archivieren. Wir glauben, dass Träume auf verdrängte Gefühle hinweisen oder vielleicht Krankheiten ankündigen, die noch keine körperlichen Symptome ausgebildet haben. Warnungen. Botschaften von den Toten. Von Gott. Wir glauben all diese Dinge und noch mehr, aber das Einzige, was wir sicher wissen, ist: Bis heute haben wir nicht vollständig verstanden, was Träume sind. Sie kommen und gehen.
Bei den meisten Menschen zumindest.
Bis ich in jenem Herbst nach Hammel, Maine, zurückkehrte, nachdem ich bei meiner Zeitung entlassen worden war, schlief ich tief und ungestört. Vielleicht nicht lang, aber genug. Fünf oder sechs Stunden waren schon eine Menge.
Whitney, meine Ex, träumte jede Nacht, und mein traumloser Schlaf schien sie zu beunruhigen. Als ich damals aus Afghanistan zurückkehrte, wo ich eine Zeit lang als eingebetteter Korrespondent unsere Truppen bei Rückzugsbewegungen begleitet hatte, erwartete sie, glaube ich, Albträume, eine posttraumatische Belastungsstörung, Schweißausbrüche. Nichts dergleichen stellte sich ein. Die Bilder aus dem Kriegsgebiet, die mich heimsuchten, waren – und sind – schlicht und einfach Erinnerungen.
Einmal bat sie mich, ihr zu erklären, wie sich ein Schlaf ohne Träume anfühlt. Wir lagen im Bett in unserer Wohnung in Tampa, das Fenster stand offen, und ein schwüler Frühlingswind wehte durch die Insektengitter herein. Auf den Nachttischen wurden die Kaffeetassen kalt: ein geruhsamer Samstagmorgen. Sie hatte mir gerade von dem letzten Traumspektak