Eine Handvoll Romane
Eines wird sich niemals ändern: Die beste Anlaufstelle, um sich zu informieren, ist eine Bibliothek. Selbst wenn man unendlich weit weg ist von zu Hause, verdreckt und voller Sorge, selbst wenn Kupfergeschmack den Mund füllt, weil man sich bei der Landung auf die Zunge gebissen hat, selbst wenn man nur noch schreien oder mit den Fäusten auf den Boden hämmern oder eine Wand einreißen oder auf etwas eintreten will aus lauter Angst und Frustration, und selbst wenn man eigentlich nicht gern liest: Der Weg in die nächste Bibliothek ist der richtige. Dort findet man heraus, was man wissen muss.
Eine Fremde betrat die Stadt – und beschloss, sie so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Die Blicke, die sie erntete, feindselig zu nennen, wäre eine lupenreine Untertreibung gewesen. Die Einheimischen beobachteten sie mit unverhohlenem Hass, also ging sie weiter, ohne auch nur jemandem zuzunicken, denn sie befürchtete, jede noch so zaghafte Kontaktaufnahme könne als Aufforderung zum Kampf aufgefasst werden. Zwar würde sie diesen Kampf vermutlich gewinnen, aber darum ging es nicht. Sie brauchte Hilfe.
Genauer gesagt: Sie musste ganz dringend eine Nachricht senden.
Eine Nachricht an jemanden, der vielleicht tot war.
Sie wusste es nicht genau. Es gab eine Menge, was sie nicht wusste.
Also ging sie in die Bibliothek.
Die Bibliothek befand sich in einem Anhänger, der auf verrosteten Achsen einen guten Kilometer vom Stadtzentrum entfernt parkte. Ein an der hinteren Stoßstange befestigter Karren war mit einem leuchtend bunten Schild versehen, auf dem stand:Gute Bücher zu vermieten! Günstige Preise!
Als Türstopper diente ein Ziegelstein.
Nachdem sie sich einen Moment Zeit genommen hatte, um andere Möglichkeiten abzuwägen – sie kam auf die schöne Zahl null –, duckte sich die Fremde unter der Tür hindurch und betete darum, drinnen ein freundliches Gesicht vorzufinden.
Der Innenraum war eng, düster und so niedrig, dass ihr Ranger-Hut fast an die Decke stieß. Sämtliche Wände verschwanden hinter den zerrissenen Einbänden von Taschenbüchern, und auch auf dem Boden lagen sie stapelweise. Im hinteren Teil der Bibliothek standen zwei Leute an einer behelfsmäßigen Theke und ruinierten die gemütliche Atmosphäre durch einen heftigen Streit.
Die Bibliothekarin war klein, wohlwollend geschätzt vielleicht eins siebenundfünfzig, aber optisch ein wenig vergrößert durch ihre Dreadlocks, die sie mit einem leuchtend orangen Tuch auf dem Kopf zusammengebunden hatte. Um die Taille trug sie eine Art Gürtel, an dem neben anderem Krims