: Joanna Quinn
: Das Theater am Strand Roman. Der Bestseller aus England. „Das Buch des Sommers.“ The Times
: C.Bertelsmann Verlag
: 9783641285555
: 1
: CHF 18.00
:
: Erzählende Literatur
: German
: 720
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das Erfolgsdebüt aus England: »Das Buch des Sommers.« The Times – »Ein absoluter Schatz von einem Buch, das man wieder und wieder lesen kann.« Sunday Times

Dorset an der Küste Englands, 1928: In einer stürmischen Nacht wird ein Blauwal angespült. Nach dem Gesetz gehört alles Strandgut dem König – doch die zwölfjährige Cristabel Seagrave hat eigene Pläne. Sie ist wild entschlossen, aus den Walknochen ein Theater am Strand zu errichten. Eine Bühne für all die Geschichten, die sie heimlich in der staubigen Familienbibliothek gelesen oder denen sie im Verborgenen gelauscht hat. Geschichten, die nicht für ihre Ohren bestimmt sind und in denen Mädchen wie sie keine Rolle spielen. Doch nun ist Cristabels Zeit gekommen.

Während ihre Eltern hauptsächlich mit sich selbst und ausschweifenden Partys beschäftigt sind, inszeniert Cristabel gemeinsam mit ihren jüngeren Geschwistern immer neue Geschichten in ihrem Freilufttheater, das bald zu einer kleinen lokalen Sensation wird. Doch die Zeiten ändern sich, Krieg steht bevor und die Geschwister müssen erkennen, dass sie nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Leben eine Rolle zu spielen haben. Und dass man sich diese Rolle nicht immer selbst aussuchen kann…

Ein schillernder Roman voller Wärme und Witz über eine ebenso eigensinnige wie faszinierende junge Heldin, die für das kämpft, was sie im Herzen trägt.

Joanna Quinn wurde in London geboren, wuchs aber in der Grafschaft Dorset im Südwesten Englands auf. Sie arbeitete als Journalistin für ein Lokalblatt und für Wohltätigkeitsorganisationen. Während dieser Zeit schrieb sie an ihrem Debüt»Das Theater am Strand«, ein Roman, der genau so werden sollte, wie die Bücher, die sie am liebsten liest: »Geschichten, die so üppig und dicht sind wie ein dickes Daunenbett, in das man sich fallen lassen kann.«

Vollendet hat sie ihren Roman während des Lockdowns, alleinerziehend und ohne Job. Dass sie auf die richtige Karte gesetzt hat, zeigt der große internationale Erfolg des Romans, der sich in zehn Länder verkaufte und gleich nach Erscheinen in die britische Bestsellerliste einstieg.

Der letzte Tag des Jahres

31. Dezember 1919

Dorset

Cristabel hebt den Stock auf. Er liegt ihr gut in der Hand. Sie ist im Garten und wartet mit dem Rest des Haushalts darauf, dass ihr Vater mit ihrer neuen Mutter zurückkehrt. Diener in Livree hauchen sich auf die kalten Finger. Saatkrähen krächzen halbherzig von den Bäumen, die das Haus umgeben. Es ist der letzte Dezembertag, der Bodensatz des Jahres. Der Nachmittag siecht langsam dahin, und der Rasen ist ein einziger Morast aus Schlamm und Schneeresten, über den die dreijährige Cristabel in ihren ledernen Schnürstiefeln trampelt. Ihren Stock trägt sie dabei wie ein Schwert vor sich her, eine Miniatursoldatin in einem Wintermantel mit Messingknöpfen.

Sie lässt den Stock durch die Luft pfeifen und genießt das zischende Geräusch, das er dabei macht.Wwtsch, wtsch. Sie spießt ein Stück schmutzigen Schnee auf und steckt es sich in den Mund. Der Schnee fühlt sich auf ihrer Zunge so kühl an wie die Eisblumen am Dachbodenfenster, mit dem einzigen Unterschied, dass er nicht an der Zunge kleben bleibt. Es schmeckt enttäuschend nach nichts. Irgendwo – zu weit weg, als dass sie sich wirklich darum kümmern würde – ruft ihr Kindermädchen sie beim Namen. Cristabel blinzelt das Geräusch einfach weg. Sie beobachtet die Schneeglöckchen, die am Rande des Gartens lächeln.Wwtsch wtsch.

Cristabels Vater, Jasper Seagrave, und seine frisch angetraute Braut sitzen in diesem Moment nebeneinander in einer Kutsche und fahren die Auffahrt zu Jaspers Familiensitz hinauf: Chilcombe, ein vielgiebeliges, vielschornsteiniges, efeubedecktes Anwesen, mit einer elefantösen Anmutung müder Größe. Sein Umriss ist eine Abfolge von absteigenden Dreiecken und hoch aufragenden Schornsteinen. Seit vierhundert Jahren kauert es auf einer bewaldeten Klippe über dem Meer, mit schmalen, bleigefassten Fenstern, die dem Seewind und dem historischen Fortschritt trotzen, und vermittelt den Eindruck allmählichen Versinkens.

Das Personal auf Chilcombe sagt, dass heute ein ganz besonderer Tag sei, aber Cristabel findet ihn langweilig. Dieses ständige Gewarte. Dieses ständige Gerade-stehen-Müssen. Das ist kein Tag, aus dem man eine gute Geschichte machen könnte. Cristabel mag Geschichten, in denen Donnerbüchsen und Hunde vorkommen statt Bräuten und Warterei.Wwtsch. Als sie die Überreste der Schneeglöckchen aufhebt, hört sie das knochenartige Knirschen von Kies unter Wagenrädern.

Ihr Vater steigt als Erster aus der Kutsche, so rund und zufrieden wie eine Pferdebohne, die gerade aus ihrer Schote gepult wurde. Dann erscheint ein einzelner Fuß in einem Knöpfstiefel, gefolgt von einem Samthut, der sich nach oben richtet, um das Haus anzuschauen. Cristabel beobachtet das schnurrbärtige Gesicht ihres Vaters. Er blickt jetzt ebenfalls nach oben, betrachtet die junge Frau mit dem Hut, die ihn immer noch um ein gutes Stück überragt, weil sie auf der ersten Stufe der Kutsche steht.

Cristabel marschiert durch den Schnee auf sie zu. Sie ist fast angekommen, als ihre Gouvernante sie packt und ihr zuzischt: »Was hast du da in der Hand? Wo sind deine Handschuhe?«

Jasper dreht sich um. »Warum ist das Kind so schmutzig?«

Das schmutzige Kind ignoriert seinen Vater. Es interessiert sich gar nicht für den mürrischen, bösen Mann. Stattdessen nähert sie sich ihrer neuen Mutter und hält ihr eine Handvoll Erde und Schneeglöckchen-Blütenblätter hin. Doch die neue Mutter ist geschickt im Annehmen ungeschickter Geschenke – immerhin hat sie ja auch den dröhnend vorgebrachten Heiratsantrag von Jasper Seagrave angenommen, einem rundlichen, hinkenden Witwer mit einem nicht zu bändigenden Bart.

»Für mich«, sagt die neue Mutter, und sie spricht es nicht so aus, als wäre es eine Frage. »Wie originell.« Sie tritt lächelnd aus der Kutsche und senkt ihre Hand langsam auf Cristabels Kopf, als stünde das Kind zu genau diesem Zweck da. Unter ihrem Samthut trägt die neue Mutter ein schickes Reisekostüm aus Wolle und ist in eine Nerzstola gehüllt.

Jasper wendet sich an die Dienerschaft und verkündet: »Gestatten Sie, dass ich Ihnen meine neue Frau vorstelle: Mrs Rosalind Seagrave.«

Vereinzelter Applaus.

Cristabel findet es komis