Kapitel 1
Zwei auf einem Turm
»Bitte, Ben …«
»Komm schon!«
»Aber … ich … ich kann nicht mehr!«
»O doch! Du kannst, Ilona!«, feuerte ich sie an.
Ihr lautes Schnauben klang allerdings tatsächlich etwas beängstigend. Sollten wir besser abbrechen? Doch eigentlich hatten wir es fast geschafft.
»Du musst nur noch ganz kurz durchhalten!«, ließ ich deswegen nicht locker.
»Nur … eine … klitzekleine … Pause!«, bat sie und japste vor jedem Wort nach Luft.
»Na gut!«, willigte ich ein. Schließlich wollte ich sie anspornen und nicht riskieren, dass sie mir noch umkippte.
Sie blieb so abrupt auf der Treppe stehen, dass ich fast in sie hineingelaufen wäre.
Als sie sich zu mir umdrehte, war ihr Gesicht knallrot, und der Schweiß rann ihr über die Schläfen, an denen dunkelblonde Haarsträhnen klebten. Sie hielt sich am Geländer fest und schloss die Augen.
»Alles okay?«
Sie nickte.
»Du bist ein Sklaventreiber, Ben Fuchs!«, murmelte sie nach ein paar Sekunden.
»Erstens bist du alles andere als eine Sklavin, meine liebe Ilona Heubach, und zweitens warst du damit einverstanden, dass wir auf den Turm steigen.«
»Weil du nicht lockergelassen hast!«
»Weil du mir dankbar sein wirst, wenn wir da oben stehen. Das wird ein unvergessliches Erlebnis, du wirst schon sehen!«
»Trotzdem – eine Schnapsidee bei 29 Grad schon am Vormittag!«
Womit sie nicht ganz unrecht hatte. Es war erst kurz nach zehn, und mein T-Shirt war jetzt schon durchgeschwitzt. Aber es gab nur diese eine Gelegenheit, und die hatten wir nutzen wollen.
Ilona öffnete wieder die Augen, während zwei junge Frauen in knackigen Shorts und schulterfreien Shirts an uns vorbei nach oben marschierten und sich dabei so locker unterhielten, als würden sie gemütlich durch die Stadt bummeln.
»In meinem nächsten Leben komme ich nicht mehr als unsportliches Moppelchen, sondern als durchtrainierte Sportskanone auf die Welt!«, beschloss Ilona und schaute den beiden seufzend hinterher.
»So unsportlich bist du jetzt auch wieder nicht. Und überhaupt – es gibt einen enormen Spielraum zwischen Sportskanone und Couchpotato, meine Liebe. Du musst es also auch in deinem nächsten Leben nicht so extrem angehen. Außerdem bin ich über die kleine Pause auch ganz froh«, übertrieb ich ordentlich, damit sie sich besser fühlte.
»Du?« Sie lachte ungläubig. Natürlich nahm sie mir das nicht ab.
»Neben der Arbeit im