: Adrienne Friedlaender
: Mami ist die Beste! Meistens Über das wilde und wunderbare Leben mit Jungs
: Blanvalet Verlag
: 9783641283384
: 1
: CHF 2.70
:
: Gesellschaft
: German
: 224
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ach, schon wieder ein Junge ...?!

Was ist eigentlich los in der Gesellschaft, die Jungsmütter häufig bemitleidet? Mit einer großen Portion Humor und schonungsloser Ehrlichkeit erzählt Adrienne Friedlaender, Mutter von vier wilden Söhnen, von Tortenschlachten in der Badewanne, von Lehrergesprächen, nächtlichen Besuchen auf der Polizeiwache – von Chaos, Katastrophen und kostbaren Momenten mit ihren vier Söhnen.
Heute weiß sie, dass das Leben mit Jungs nicht nur ein nachhaltiges Workout für die Nerven ist, sondern auch eine wertvolle Schule für Mütter. Eine Liebeserklärung an das Leben mit Jungs.

Fröhlich und lebensklug schreibt Adrienne Friedlaender über Themen, die uns bewegen. Lesen Sie auch:
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Adrienne Friedlaender, Jahrgang 1962, ist freie Journalistin. Seit mehr als zehn Jahren schreibt sie Porträts, Kurzgeschichten, Interviews und Reisereportagen aus aller Welt für Tageszeitungen, Magazine und Online-Medien. 2017 erschien ihr erstes Buch »Willkommen bei den Friedlaenders!«, mit dem sie die SPIEGEL-Bestsellerliste eroberte. Seitdem widmet sie sich in ihren fröhlichen und lebensklugen Büchern den Themen, die sie ganz persönlich bewegen. Adrienne Friedlaender lebt mit zwei ihrer vier Söhne in Hamburg.

Vorwort
»Es wird ein Junge!« – erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier …


Was hat das Schicksal sich bloß dabei gedacht, einer wie mir vier Söhne hintereinander zu schenken? Ich meine, man setzt doch auch niemanden mit Mofa-Führerschein in einen Ferrari. Als ich zum ersten Mal schwanger wurde, war ich felsenfest davon überzeugt, ein Mädchen zu bekommen. Nicht, weil ich mir keinen Sohn gewünscht hätte, sondern einfach deswegen, weil ich aus einer Mädchenfamilie kam und mir schlichtweg nichts anderes vorstellen konnte. Natürlich ist das bei einer Fifty-fifty-Chance vollkommen unlogisch und spricht sogar gegen die Statistik. Aber wer denkt schon rund um die Uhr logisch – vor allem, wenn die Schwangerschaftshormone durch den Körper galoppieren. Auf meiner Wunschbaby-Namensliste standen »Anouk«, »Eva« und »Emma«. Und ich träumte von Töchtern, die summend die Teppichfransen kämmen und aus Bananenschalen Blumenmuster legen. Ich war vorbereitet auf mein Mädchenmutter-Leben: Sobald sie laufen könnten, würde ich ihnen das Reiten beibringen, so wie ich es früher gelernt hatte – die meisten Mädchen sind doch vernarrt in Pferde. Ich wusste, wie es sich anfühlt, wenn Mädchen sich streiten, wenn sie ihre gemeine Ader ausleben, indem sie der Lieblingspuppe der Schwester einen Kurzhaarschnitt verpassen oder sie am Bett aufhängen. Ich wusste, was es mit einem macht, wenn sie eine Bürste unter das Laken legen oder beim Versteckspielen ewig hinterm Busch sitzen, weil eben gar nicht nach ihnen gesucht wird … In allen Mädchen-Lebenslagen würde ich Trost spenden können. Ich sah mich Zöpfe flechten, Ponys striegeln, Fußnägel lackieren, auf dem Bett liegen und Liebesschnulzen gucken. Bis zur Ultraschalluntersuchung.

»Ihr Baby liegt fantastisch und zeigt sich uns gerade prächtig. Möchten Sie gern wissen, was es wird?«, fragte die Ärztin, während sie die Sonde über meinen Bauch gleiten ließ. Mit einem wissenden Lächeln nickte ich ihr zu.

»Sie bekommen einen Jungen«, sagte sie und lächelte.

Für einen kleinen Moment guckte ich leicht bedröppelt aus der Wäsche. Dann schlug mein Erstaunen in Freude um: Wahnsinn! Was für ein überraschendes Abenteuer! Ich bekam einen Sohn! Erwartungen, Wünsche und Pläne hatten sich innerhalb von Sekunden in Luft und Liebe aufgelöst. Glück ist nun mal nicht planbar.

Ein paar Monate später war er da: ein 51 Zentimeter blau angelaufenes, verrunzeltes, glitschiges Glück. Kaum lag er auf meinem Bauch, war ich schockverliebt.

Und so ging es weiter: Zwei Jahre später wurde Sohn Nummer zwei geboren. Ich wollte gern eine junge Mutter sein. Sechs Jahre danach sah ich das ganz anders und freute mich sehr über Sohn Nummer drei, und last but not least kam mit Abstand von wiederum vier Jahren Sohn Nummer vier zur Welt. Vier wilde Jungs, die jeden Morgen mit einer Energie aus dem Bett sprangen, als hätten sie nicht Schlaf, sondern Strom getankt. Als die Tochter meiner Freundin anfing zu sprechen, war ihr erstes Wort »Mama« – einmal heraus, wiederholte sie es wie aufgezogen, während sie ständig wie festgeklebt am Mutterhals hing, sie küsste und streichelte. Das erste verständliche Wort aus dem süßen Mund von Sohn Nummer eins war »Ball«, und statt kuschelig auf meinem Schoß zu sitzen, tobte er, sobald er laufen konnte, wie ein Tornado durchs Haus. Mal als Polizist, mal als Cowboy, mal als Bankräuber – immer bewaffnet. Oft mit Bananen – »peng!« Und das war erst der Anfang meines Lebens unter Männern.

Der Alltag mit vier Söhnen unter einem Dach fühlt sich selbst heute manchmal noch so fremd an wie ein Leben im Zoo. Auch beim zigsten Spaziergang durch den Tierpark Hagenbeck staune ich über das Gerangel der dominanten Mandrill-Männchen, über die ewig Futter suchenden Nasenbären und die kraftvollen, majestätisch