Active Shooter
Es war Frühling, und meine Schwester Lisa und ich waren in ihrem winzigen Wagen unterwegs vom Flughafen in Greensboro, North Carolina, zu ihrem Haus in Winston-Salem. Ich hatte früh rausgemusst, um meinen Flug von Raleigh zu erwischen, aber sie war noch eine Stunde vor mir aufgestanden. »Ich mag es, um Punkt fünf Uhr früh bei Starbucks zu sein, wenn sie aufmachen«, sagte sie. »Übrigens bin ich dort vor einigen Monaten einer Dame mit einem Äffchen begegnet. Ich weiß nicht, was für eine Rasse es war, aber es war klein – nicht viel größer als eine Puppe –, und es trug ein pinkfarbenes Rüschenkleid. Einfach skandalös. Ich wollte zu der Frau hingehen und sie fragen: ›Was wollen Sie mit diesem Ding da machen, wenn Sie kein Interesse mehr daran haben?‹«
Wie viele Haustierbesitzer, die ich kenne, ist Lisa überzeugt, dass sich niemand so gut um ein Haustier zu kümmern weiß wie sie. »Schau bloß, wie der Kerl seinen Irish Setter an der Leine zerrt«, sagt sie und zeigt auf einen Mann, der einfach nur seinen Hund spazieren führt. Oder, falls der Hundnicht angeleint ist: »Der Beagle wird gleich von einem Auto angefahren, aber seinem Besitzer ist das offensichtlich egal.« Kein Cockerspaniel hat alle notwendigen Impfungen. Kein Vogel wird richtig gefüttert oder bekommt die Krallen anständig getrimmt.
»Wieso glaubst du, die Frau könnte das Interesse an ihrem Äffchen verlieren?«
Lisa sah mich mit einem Blick an, der bedeutete:Ein Äffchen – natürlich wird sie das Interesse daran verlieren, und sagte: »Ein Äffchen – natürlich wird sie das Interesse daran verlieren.«
Genau in dem Moment kamen wir an einer Werbetafel für einen Schießstand namens ProShots vorbei.
»Ich denke, da sollten wir hinfahren und ein Schießtraining machen«, sagte Lisa.
Und so fuhren wir am kommenden Nachmittag zum vereinbarten Termin um drei Uhr hin. Ich hatte angenommen, ein Schießstand wäre im Freien, aber tatsächlich befand er sich in einem Einkaufszentrum, neben einem Laden für Traktorzubehör. Drinnen gab es Glasvitrinen voller Waffen und eine Wand mit Handtaschen, in denen eine Frau einen zierlichen Revolver verstecken kann. Von dieser Marktnische hatte ich nichts gewusst, bis ich später bei Lisa im Internet Websites fand, auf denen Westen, T-Shirts, Jacken und alles Mögliche andere angeboten wurde, um darin Waffen zu verstecken. Eine Firma verkauft Boxershorts, die hinten ein Halfter haben und die sie »Compression Concealment Shorts« nennen, wobei mir der Ausdruck »Gunderpants« passender erscheint.
Lisa und mir gefiel es, uns im Laden umzusehen.ROSSI R352 – $349,77 stand auf einem Schild neben einer Pistole. In einem Geschäft für Bürobedarf hätte ich mich zu den Preisen äußern können, aber bei Waffen habe ich nicht die leiseste Ahnung. Genauso wenig wie bei den Preisen für Pinguine oder Melkmaschinen. Meine Erfahrung mit Waffen beschränkte sich auf Luftpistolen. Lisa hatte überhaupt keine Erfahrung, sodass wir vor Betreten der Schießanlage eine dreiviertelstündige Einweisung in den sicheren Umgang mit Waffen durch einen pensionierten Polizeioffizier aus Winston-Salem namens Lonnie bekamen, der Teilhaber des Unternehmens ist und ein firmeneigenes T-Shirt t