1. Kapitel
Ruug Quarnom
Cato Neimoidia war eine Welt des Nebels.
Über diesem Nebel ragten Klippen und verzweigte Felsbögen in allen nur erdenklichen Winkeln aus den turmförmigen Bergen empor. Das massive Gestein der höchsten Felstürme und Gipfel des Planeten warf scheinbar endlos lange Schatten, die sich erst tief unten in dem dichten Dunst verloren. Zwischen, über und auf diesen natürlichen Wunderwerken hingen goldene Städte mit reich verzierten Türmen und reflektierenden Außenverkleidungen – wie Brücken spannten sie sich zwischen den gigantischen Felsnadeln.
Doch auch unter alldem gab es etwas: das Fundament von Cato Neimoidia, das sich am Fuß der dicken Nebelschicht erstreckte. An einem normalen Tag glich die Reise von den Brückenstädten zur Oberfläche des Planeten einem gleichmäßigen Abstieg in eine immer undurchdringlicher werdende, weiße Decke.
Heute war aber kein normaler Tag.
Denn heute war etwas Schreckliches geschehen. Und je tiefer das Shuttle flog, desto dunkler wurde der milchige Dunst, verfinstert von Schwaden schwarzer Asche.
Ruug Quarnom war ihr ganzes Leben schon an Zerstörung gewohnt. Als Elitesoldatin der Neimoidianischen Verteidigungslegion waren Explosionen und Blasterfeuer, Raketen und Schrapnelle für sie alte Bekannte. Und der Tod natürlich auch. So viel Tod … das meiste davon durch ihre eigene Hand verursacht – beziehungsweise durch ihr speziell angefertigtes Scharfschützengewehr, das sich inzwischen wie eine Verlängerung ihrer eigenen Gliedmaßen anfühlte.
Mord und Zerstörung. Das war so lange schon ihr Leben, alles im Namen der Regierung und mit dem Ziel, den Neimoidianern zu einer besseren Zukunft in der Galaxis zu verhelfen. Selbst jetzt, bei ihrer neuen »Aufgabe« als königliche Gardistin in der cato-neimoidianischen Hauptstadt Zarra blieb ihre Mission dieselbe: ihr Volk zu beschützen.
Ruug hatte die Aufgabe bereitwillig akzeptiert, auch, wenn sie insgeheim wusste, dass sie hier war, weil sie die Entscheidungen der Handelsföderation infrage gestellt hatte – und Leute, die weit mehr Einfluss hatten als eine einfache Frontsoldatin, betrachteten so etwas gerne als Dissens. Aber selbst ihr Zweckoptimismus geriet heute ins Wanken, denn die Galaxis schien drauf und dran, sich selbst entzweizureißen.
»Sieh dir das an«, sagte ihr junger Partner neben ihr. Ketar Nors Mund klappte auf, aber der Gedanke verharrte auf seiner Zungenspitze, während ihr Shuttle in ein dumpfes Grau eintauchte und die Sicht aus dem Cockpit des Patrouillenschiffes mal mehr, mal weniger zusammenschrumpfte. »Es ist schlimmer, als ich dachte.«
Mit ruhiger Hand und offenen Augen – so musste man Situationen wie diese angehen. Und das bezog sich nicht nur auf den Flug zur Oberfläche, sondern auch auf die Frage, was gerade geschehen war … und warum. Der Befehl an alle verfügbaren Sicherheitskräfte, unter die Nebeldecke hinabzufliegen, war ganz plötzlich durchgegeben worden. Ruug hatte den Raumhafen der benachbarten Stadt unverzüglich verlassen und ihre Mission – einen geplanten Gefangenentransport – aufgegeben, um in den Nebel hinabzurasen. Noch hatte ihnen niemand gesagt, was sie dort tun sollten, nur, dass es einen Notfall von absolut katastrophalem Ausmaß gegeben hatte. Jeder in einem Umkreis von zweihundert Kilometern war aufgefordert – nein, angewiesen – worden, alle gegenwärtigen Aufgaben abzub