: Lucy Kissick
: Projekt Pluto Roman
: Heyne Verlag
: 9783641297374
: 1
: CHF 2.70
:
: Science Fiction
: German
: 544
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Menschheit hat sich über das gesamte Sonnensystem ausgebreitet. Terraforming – die Veränderung ganzer Planeten, um sie erdähnlicher zu machen – wird von allen Kolonien betrieben. Projekt Plutoshine ist das bisher ambitionierteste Terraforming-Vorhaben: sechs Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt, mit einer durchschnittlichen Oberflächentemperatur von -242° C, braucht Pluto vor allem Licht und Wärme. Beides soll durch gewaltige Spiegel im Orbit auf die Eiswelt gebracht werden. Doch jemand sabotiert das Projekt. Terraforming-Ingenieur Lucian will herausfinden, wer hinter den Anschlägen steckt – und kommt dabei einem Geheimnis auf die Spur, das unser gesamtes Universum für immer verändern wird ...

Lucy Kissick schrieb ihren Debütroman »Projekt Pluto«, während sie an ihrer Doktorarbeit an der University of Oxford arbeitete, in der im Labor sie Seen auf dem Mars nachbildete, um die Atmosphäre unseres Nachbarplaneten genauer zu untersuchen. Inzwischen arbeitet sie als Wissenschaftlerin in der Atomindustrie und lebt zwischen Bergen und Meer im englischen Lake District.

1

Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft,
ein Jahr später

Als Nou zum ersten Mal die Sonne sah, war sie ein kleines Mädchen, kaum 0,02 Jahre alt und in ihren beheizten Stiefeln noch ungeschickt auf den Beinen. In diesem Alter war ihr Bruder Edmund ihre ganze Welt, und sie lag in seinen Armen. Er zeigte auf einen winzigen Lichtpunkt am gestirnten Himmel, der sich für Nou in nichts von den anderen unterschied.

»Das sind alles Sterne«, sagte er. Über den Helmfunk klang seine Stimme vertraut in ihren Ohren. »Aber der da ist was Besonderes.«

»Der?«

»Ja. Das istunser Stern. Wir nennen ihn die Sonne. Und eines Tages wird dieser Stern das Antlitz unserer Welt verändern.«

Nou dachte eine Weile darüber nach. Auf ihrer Welt war der Himmel dunkel, die Nächte waren lang, und Sternenlicht tränkte die Ebenen aus Eis, die sich bis zum Horizont und darüber hinaus erstreckten. Von diesen Lichtpunkten kam keine Wärme und, soweit sie mit ihrem nüchternen Weltverständnis erkennen konnte, auch nichts anderes.

Aber sie war hübsch, diese Sonne. Es gefiel Nou, wie Farben durch ihr Blickfeld liefen, wenn sie den Lichtpunkt mit zusammengekniffenen Augen betrachtete. Immer wenn jemand sie mitnahm, kehrte sie zu diesem gefrorenen Ufer zurück, zog die Erwachsenen an der Hand dorthin und blickte dann an ihrem Arm entlang nach oben, so wie bei ihrem Bruder damals. Sie verband die Sternenpunkte und suchte so konzentriert, dass sie dabei schielte, bis sie den richtigen fand – den hellsten –, ja, aber ihn auf Edmunds Art zu finden, war so, als folgte sie einem gewundenen Pfad, den nur sie beide kannten.

Doch wenn die Sonne etwas derart Besonderes war (überlegte sie mit 0,03 Jahren), warum war sie dann so winzig? Wasmachte sie?

Die ältesten Bewohner der Stern-Basis – diejenigen, die noch auf der Erde aufgewachsen waren – erzählten ihr von wundersamen Dingen wie warmem Lichtschein auf nackter Haut, von blendend hellem Lichtergefunkel auf Meeren, die bis über den Horizont hinaus reichten, und von den bescheidenen Ursprüngen des Lebens in Form chemischer Stoffe im glitzernden Wasser von Tidentümpeln.

Die Sonne konnteEis schmelzen? UndLeben erschaffen?

Die jüngsten Bewohner – diejenigen, die mit Geschichten von der Erde aufgewachsen waren – erzählten ihr von schrecklichen Dingen wie geblendeten Astronomen in lange zurückliegenden Zeiten; von riesigen Spiegeln, die bewirkt hatten, dass der Mars Risse bekam und schmolz; vom Hitzetod der Pioniere auf dem Merkur.

Nou saß da, die Arme um die Knie geschlungen, und hörte ihnen mit großen Augen zu. Dies war nicht bloß ein kleiner Lichtpunkt. Die Sonne, entschied sie, war ohne Zweifel etwas Besonderes.

Und wenn man an zweieinhalb Orten außerhalb der Erde Leben gefunden hatte (niemand wusste genau, ob die verdächtig bakterienähnlichen Lebensformen auf dem Mars dazu zählten), so folgte für sie g