: Eva-Maria Bast
: Miss Bly und die Wette gegen Jules Verne Roman - Inspiriert von der abenteuerlichen Reise der Journalistin Nellie Bly – der mutigsten Reporterin des 19. Jahrhunderts! -
: Blanvalet Verlag
: 9783641292607
: 1
: CHF 5.40
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 416
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
1889. Von New York um den gesamten Globus – und das schneller als in Jules Vernes Roman »In 80 Tagen um die Welt«! Reporterin Nellie Bly zeigt, was sie kann.

Als Journalistin mit einem Hang für waghalsige Reportagen hält die junge Nellie Bly das New Yorker Lesepublikum in Atem. Doch als ihr Chefredakteur sie zur Berichterstattung von »Frauenthemen« drängen will, muss zügig eine neue spektakuläre Story her. Nellie will eine Weltumrundung wagen, ohne Begleitung oder schweres Gepäck. Und sie möchte dabei schneller sein als Phileas Fogg, der berühmte Protagonist aus Jules Vernes Roman »In 80 Tagen um die Welt«! Als Nellie am 14. November 1889 den Dampfer nach England besteigt, ahnt sie nicht, dass diese Wettfahrt das wohl größte Abenteuer ihres Lebens sein wird – und dass sie dabei auch ihrer großen Liebe begegnet.

Inspiriert von der beeindruckenden Lebensgeschichte der amerikanischen Journalistin Nellie Bly.

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Alle Romane sind eigenständige Geschichten und können unabhängig voneinander gelesen werden.

Eva-Maria Bast ist Journalistin, Leiterin der Bast Medien GmbH und Autorin von mehreren Sachbüchern, Krimis und zeitgeschichtlichen Romanen. Für ihre Arbeiten erhielt sie diverse Auszeichnungen, darunter den Deutschen Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Kategorie Geschichte. Seit einigen Jahren schreibt sie sehr erfolgreich historische Familiensagas und eroberte schon mehrfach die SPIEGEL-Bestsellerliste – unter anderem unter den Pseudonymen Charlotte Jacobi und Romy Herold (gemeinsam mit Jørn Precht). Die Autorin lebt am Bodensee.

Prolog


New York, USA, September 1887

Die Rastlosigkeit dieser Stadt passte zu ihr. Dieses ewige Getrommel der Pferdehufe, die auf das Pflaster klackten, das Geratter der Räder von Kutschen, Omnibussen und Karren, das Gequietsche der Hochbahn – all das entsprach ihrem Wesen, ihrem Drang, niemals zu ruhen, immer Neues zu entdecken. Es war ihre Rastlosigkeit, die sie von Pittsburgh nach New York getrieben hatte. Ihre Rastlosigkeit – und der Wunsch, hier einen ihrer vier Träume zu erfüllen: für eine New Yorker Zeitung zu schreiben. Für die anderen drei Träume – sich zu verlieben, einen Millionär zu heiraten und die Welt zu verbessern – war noch Zeit. Schließlich war sie, Elizabeth Cochrane, genannt Nellie Bly, erst 23 Jahre alt. Und sie platzte fast vor Energie, manchmal schien es ihr, als habe sie mehr davon, als in ihren relativ kleinen und zierlichen Körper hineinpasste und als stünde sie, wie auch diese Stadt, über der ein riesiges Netz von Stromleitungen verlief, im wahrsten Sinne des Wortes ständig unter Spannung. Heute rührte ihre Spannung aber noch von einem anderen Grund her, und der war nicht, wie sonst, erfreulich, sondern im Gegenteil äußerst unangenehm: Ihre Geldbörse mitsamt all ihrem Ersparten war ihr gestohlen worden. Sie hatte nichts mehr, gar nichts, und deshalb blieben ihr nur zwei Möglichkeiten: Entweder nach Pittsburgh zurückkehren und sich und allen anderen eingestehen, dass sie in New York gescheitert war, oder sich eine Stelle besorgen, und zwar sofort. Zwar hatte sie das schon seit ihrer Ankunft im Frühjahr vergeblich versucht, aber andererseits war Aufgeben noch nie eine Option gewesen. Und Nellie wusste trotz ihrer jungen Jahre: Richtig und zielstrebig eingesetzte Energie machte alles möglich! Kurz entschlossen hatte sie sich von ihrer Vermieterin ein paar Cent geliehen und war in die Dampfbahn gestiegen, um die halbstündige Fahrt in Richtung Zeitungsviertel im Süden Manhattans anzutreten.

Ihr kleines, möbliertes Zimmer lag in der West 96th Street und damit so weit außerhalb von Downtown, dass der Weg, der zu ihrem Haus führte, nicht einmal mehr gepflastert war, sondern nur aus festgetretenem Schlamm bestand. Mehr konnte sie sich nicht leisten, und in dem Viertel gab es sogar noch frei laufende Ziegen. Doch nun war sie in der Park Row mit ihren Türmen und ihren hohen, imposanten Gebäuden aus Sandstein, Marmor und Granit angekommen. Sie hatte das Gefühl, dass ein Herausgeber den anderen mit der Größe und Pracht seines Gebäudes übertrumpfen wollte. Und dann stand sie vor dem Zeitungshaus derNew York World, das mit seinen 17 Stockwerken einfach nur unglaublich beeindruckend war. Es war brandneu, erst vor einigen Jahren hatte Joseph Pulitzers kleiner Sohn den Grundstein legen dürfen. Bevor sie hineinging, blieb Nellie für einen Moment stehen und bestaunte das imposante Bauwerk. Es war aus Ziegel und Sandstein errichtet, was der Fassade einen interessanten Kontrast verlieh. Die Kuppel aus vergoldetem Kupfer hatte sie schon aus einiger Entfernung ausmachen können, und ihr Herz hatte bei diesem Anblick ein wenig schneller geschlagen. Wie es wohl sein musste, für eine Zeitung zu schreiben, deren goldene Kuppel alles überstrahlte und selbst an grauen Tagen schimmerte?

Sie war schon einmal hier gewesen, vor einigen Wochen, kurz nachdem sie in New York eingetroffen war und enttäuscht hatte feststellen müssen, dass es gar nicht so einfach war, bei einer New Yorker Zeitung auch nur vorgelassen zu werden! Doch Nellie hatte nicht aufgegeben: Da sie noch dann und wann für denPittsburgh Dispatch schrieb, bat sie New Yorks Chefredakteure als Korrespondentin um ein Interview zum Thema »Weiblichkeit im New Yorker Journalismus«. Und auf einmal standen ihr alle Türen offen. Sie sprach mit Charles Dana von derSun, dem Herausgeber desHerald, Reverend Dr. Hepworth und Charles Ransom Miller von derNew York Times. Die Männer waren entweder der Ansicht, Frauen seien zwar sicher durchaus gute Journalistinnen, hätten aber keine Ausbildung. Oder aber sie meinten, man könne den Damen nicht zumuten, sie im Notfall nachts aus dem Bett zu klingeln, geschweige denn ihnen Berichterstattungen über Skandale anzuvertrauen. Schließlich gelte es ja immer noch, die Regeln der Höflichkeit zu beachten. Auch mit dem Chef derWorld, John Cockerill, hatte sie gesproch