2. Kapitel
Riley
»Bananen, Äpfel, Brot«, zählte ich auf, während ich den Blinker setzte und auf den Parkplatz des Supermarkts einbog. »Und Waschmittel. Hast du alles?« Ich warf Abby einen Seitenblick zu. Sie saß mit gezücktem Kugelschreiber neben mir und notierte alles, was ich ihr diktierte, auf einem Notizblock. Ich schmunzelte, denn anders als die meisten Teenager liebte sie es, handschriftliche Listen zu führen. Ich hingegen verließ mich ganz auf mein Smartphone. Meine Notizen-App war mein Alltagsretter, ich hielt dort alles fest, hatte ein Farbsystem entwickelt und sie mit dem Kalender verknüpft. Würde man mir das Handy klauen, wäre ich so was von aufgeschmissen.
»Lucky Charms Cornflakes, Pop Tarts, Hot Chocolate und Waschmittel.« Sie streckte mir die Zunge heraus und wedelte mit dem Block. »Alles aufgeschrieben.«
»Ach, Abby!« Ich seufzte, während ich in den Seitenspiegel blickte, um das Auto neben uns beim Einparken nicht zu rammen. Das wäre leider nicht das erste Mal gewesen. Und momentan so ziemlich das Letzte, was ich gebrauchen konnte.
»Das war ein Witz, Riley«, erklärte meine kleine Schwester lachend. »Ich weiß, dass wir etwas knapp bei Kasse sind.«
Das war noch milde formuliert. »Das wird sich ändern, sobald ich einen neuen Job gefunden habe, okay?« Ich schaltete den Motor aus, der seit einigen Wochen ein gefährlich blubberndes Geräusch von sich gab, das ich bald nicht mehr würde ignorieren können. Die alte Klimaanlage surrte ein wenig nach, ehe sie sich mit einem Klicken ausschaltete. Im Grunde war es Quatsch, sie einzuschalten, denn sie funktionierte kaum noch und sorgte lediglich dafür, dass sich der Tank im Nu leerte.
»Mach dir keinen Kopf, Riley, echt. Ist schon okay«, meinte Abby, schnallte sich ab und boxte mit ganzem Körpereinsatz gegen ihre Tür, bevor sie sie öffnete. Anders bekam man sie nicht mehr auf.
»Unser Leben ist eine Vollkatastrophe«, flüsterte ich mit belegter Stimme, nachdem sie die Tür hinter sich zugeworfen hatte. Ich stieg ebenfalls aus und nutzte den kurzen Moment, den Abby brauchte, um einen Einkaufswagen zu organisieren, um das schmale Portemonnaie aus meinem beigefarbenen Rucksack mit den Fransen zu kramen und das Bargeld zu zählen. Erneut. Als hätte es sich wie durch ein Wunder auf dem Weg zum Supermarkt verdoppelt. Man durfte ja noch träumen. Ich holte tief Luft und fuhr mir mit der freien Hand durch die langen blonden Haare, die mir dank der knallenden Sommersonne im Nacken klebten. Mit einem Stöhnen registrierte ich, dass ich meinen Haargummi nicht wie sonst am Handgelenk trug. Vergeblich tastete ich die Hosentaschen meiner hochgeschnittenen Jeans-Shorts nach ihm ab, wobei sich der provisorische Knoten meines Shirts oberhalb des Bauchnabels löste. Ich trug das gleiche Oberteil, in dem ich geschlafen hatte, und schnupperte unauffällig am Stoff. Es war das letzte halbwegs saubere Kleidungsstück gewesen. Kurzerhand warf ich die Geldbörse zurück in den Rucksack und kramte stattdessen das Smartphone daraus hervor, um auf meiner To-do-Liste direkt über der Aufgabe, die Fenster zu putzen, das To-do Wäsche waschen notierte. Als ich fertig war, schulterte ich den Rucksack und blinzelte gegen die Sonne zum Supermarkteingang, wo Abby und der Einkaufswagen bereits auf mich warteten.
***
Im Kopf rechnete ich heimlich die Preise sämtlicher Produkte zusammen, die in unserem Wagen landeten, und je näher wir dem Ende der Einkaufsliste kamen, desto mulmiger wurde das Gefühl in meiner Magengegend. Wir bogen in den Gang mit den Waschmitteln ein, und ich beobachtete Abby dabei, wie sie ganz selbstverständlich