: Jens Söring
: Ein Tag im Leben des 179212
: Books on Demand
: 9783756826551
: 1
: CHF 5.40
:
: Romanhafte Biographien
: German
: 144
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein deutscher Nerd im US-Knast. Wie hat Jens Söring dort 33 Jahre überlebt? Wie sah sein Alltag hinter Gittern aus? Das erzählt er uns in 'Ein Tag im Leben des 179212', dem fünften seiner sieben Bücher. Sörings Tag beginnt um 4:20 Uhr, als sein Zellenmitbewohner das Klo spült. Von der sieben-Quadratmeter-großen Doppelzelle nimmt der deutsche Häftling seine Leser mit in den Speisesaal, wo er zwei Kumpel zum Frühstück trifft. Was die Drei verbindet, ist, dass sie keine Chance auf Entlassung haben. Dann geht Söring zu seinem Arbeitsplatz in der Sporthalle, wo er den halb-offiziellen Knastpuff putzt. Entlang des Weges skizziert er die Leben und Persönlichkeiten der Häftlinge und Wärter. Eindringlich beschreibt er Probleme wie den Mangel an Bildungs- und Therapiemöglichkeiten, die Folgeschäden der Vergewaltigung zwischen Insassen, sowie die Privatisierung des US-Strafvollzugs. 'Den Grad der Zivilisation einer Gesellschaft kann man am Zustand ihrer Gefangenen ablesen', schrieb Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821-1881). Sein Meisterwerk 'Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch' diente Söring als Inspiration für dieses Buch. Was sagen Haftbedingungen wie jene, die er beschreibt, über den Grad der Zivilisation Amerikas?

Jens Söring verbrachte 33 Jahre in US-Haft für einen Doppelmord, den er bis heute bestreitet. 2019 wurde er auf Bewährung entlassen - ohne Anerkennung seiner Unschuld. Während seiner Haft veröffentlichte er sechs Bücher, darunter dieses. Nach seiner Entlassung erschien sein siebtes Buch,"Rückkehr ins Leben", im Bertelsmann Verlag.

600 Uhr


Zwischen sechs und sieben werden die fünf Zellentrakte dieser Strafvollzugsanstalt nacheinander zum Frühstück gerufen. Die Wächterin brüllt »Fraß«, die doppelten Schiebetüren am Gebäudeeingang öffnen sich, und mehrere dutzend Insassen schlurfen halbschlafend in Richtung Speisesaal.

Um diese Jahreszeit ist es morgens noch dunkel, also leuchten die orangefarbenen Scheinwerfer von den Dächern der umliegenden Gebäude. Die Farbe dieses unnatürlichen Lichts ist unwahrscheinlich hässlich, alles sieht flach und fahl aus, wie in einem billigen Horrorfilm. Noch schlimmer ist, dass das Licht der Scheinwerfer so stark ist, dass es die Sterne ausblendet. Jahre, Jahrzehnte ohne Sterne … Aber wir haben sowieso längst aufgehört, unsere Augen himmelwärts zu heben.

Etwa 700 Häftlinge gibt es in diesem relativ kleinen Gefängnis, dem Brunswick (also Braunschweig) Correctional Center. Wenn man U-Haft (so genannte »Jails«) und Strafvollzugsanstalten (so genannte »Prisons« wie Brunswick) zusammenrechnet, hat Virginia, ein Bundesstaat mit rund sieben Millionen Einwohnern, etwas mehr als 60.000 Gefangene.2 Die Tausenden von Insassen in den Militär- und Bundesgefängnissen in Virginia sind in dieser Zahl nicht inbegriffen. Zum Vergleich: Deutschland, ein Land mit 80 Millionen Bürgern, hat etwa 80.000 Häftlinge.3

Landesweit kommen in Amerika auf 100.000 Bürger 751 Gefangene.4 In Deut