Mein Gespür für Gefahren ist eigentlich recht gut ausgeprägt. Spätestens seit unserem letzten Fall, der damit begann, dass ich mit meiner Mitschülerin Maria in deren Schrebergarten gefahren bin, wo uns dann das Gartenhäuschen um die Ohren geflogen ist. Im wahrsten Sinne des Wortes. Kaum hatten wir den Garten betreten, explodierte das Häuschen. Hätte ich mir nicht zufällig gerade Marias Baumhaus zeigen lassen, wäre die Explosion unser Ende gewesen. Schon auf dem Weg zu dem Garten hatte ich ein ungutes Gefühl in der Magengegend, ohne zu ahnen, worauf sich dieses unangenehme Gefühl bezog.
Jetzt spüre ich es wieder.
Nicht so stark wie damals, aber deutlich genug, um gewarnt zu sein. Nur: Was soll mir hier und jetzt passieren? Ich bin auf dem Weg zur Schule. Eben, kurz bevor ich in die Straße eingebogen bin, in der unsere Schule liegt, hatte ich das Gefühl noch nicht. Einmal um die Ecke, und schon war es da.
Ich bleibe stehen und schaue mich um. Nichts Verdächtiges. Das Schultor liegt noch etwa hundert Meter vor mir. Von allen Seiten strömen die Schüler herbei. Viele mit dem Fahrrad auf dem Weg zum großen Abstellplatz, um dort ihre Räder anzuschließen. Nur wenige Schüler kommen zu Fuß, entweder von der nahe gelegenen Bushaltestelle, oder sie wohnen nah genug an der Schule hier im Stadtteil. Seit ich nicht mehr bei Billy wohne, sondern bei meinen neuen Pflegeltern, die mir die Agentenzentrale besorgt hat, wohne ich genau so weit von der Schule entfernt, dass ich beide Möglichkeiten habe: Rad oder zu Fuß. Heute zu Fuß.
Bei meinem Rundumblick sehe ich Maria, die mit dem Fahrrad kommt und mit der ich bei meinem letzten Auftrag einige gefährliche Situationen durchgestanden habe, ohne dass sie ahnte, dass ich ein Kinderagent bin; einer von wenigen in ganz Europa organisiertenYOUNG AGENTS. Ich gehöre zu der neueren, jüngeren Generation, derNew Generation.
Maria hat mich entdeckt und winkt mir freudig zu. Sie kommt neben mir zum Stehen.
»Hallo, Tim!«
Ich grüße freundlich zurück.
»Alles klar mit Mathe?«, fragt sie.
»Natürlich!«, schwindle ich. Mathe ist meine große Schwachstelle. Maria hat mir schon öfter geholfen und mir etwas Nachhilfe gegeben. Trotzdem bin ich immer noch schlecht in Mathe. Maria weiß das. Dennoch mag ich es ihr gegenüber nicht zugeben.
»Na dann. Ich drücke dir die Daumen. Wir sehen uns gleich.«
»Ja!«
Maria fährt mit ihrem Rad weiter. Da wir in dieselbe Klasse gehen, werden wir uns gleich dort sehen. Erste Stunde. Matheklausur.
Vielleicht kommt daher mein ungutes Gefühl im Magen? Und es liegt gar keine Gefahr in der Luft? Jedenfalls kann ich nach wie vor nichts Gefährliches entdecken.
Mit meinen Gedanken bei der Mathearbeit, die ich bestimmt wieder verhauen werde, schlendere ich weiter zum Schultor und merke erst viel zu spät, dass sich mir jemand in den Weg stellt.
»Na, du Zwerg?«, fragt mich ein Typ mit langen, strähnigen und sehr fettigen Haaren. Er trägt eine dünne Kunststoffjacke, so luftdicht wie eine Plastiktüte, bei deren Anblick man schon ins Schwitzen gerät. Dazu eine Cargohose mit mehreren Beintaschen, als wollte er sich für eine Safaritour anmelden. Natürlich ist er gut zwei Köpfe größer als ich, aber das sind ja fast alle in der Sc