Kapitel 1
Februar
Manchmal war es nicht so einfach, in einem Ort wie Painted Barrel zu leben. Die Gemeinde war klein, überschaubar und unterstützte einen in allen Lebenslagen, aber es war nicht möglich, etwas vor den Einwohnern des Ortes geheim zu halten. Schlimmer noch: Jeder hier schien davon überzeugt zu sein, ganz genau zu wissen, was das Beste für einen war, auch wenn man selbst das vollkommen anders sah.
Und das bedeutete, dass Becca beinahe täglich wohlmeinende Ratschläge bekam – egal, wie oft sie auch versuchte, dem zu entgehen.
»Sie sollten wirklich wieder rausgehen und sich mit Männern treffen«, sagte Mrs Williams ihr zum siebten Mal in der Zeit, in der sie jetzt schon bei ihr im Salon war. »Ein hübsches Ding wie Sie? Sie wollen doch nicht Ihre besten Jahre vergeuden, oder? Wenn Sie eine Familie gründen wollen, müssen Sie sich ranhalten.«
Wenn das nicht deprimierend war … Becca tat ihr Bestes, um ihr Lächeln nicht zu verlieren, als sie nun die Folien aus Mrs Williams Haaren pflückte. Sie bemühte sich, sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr die freundlich gemeinten Worte der Dame sie getroffen hatten. »Ich weiß nicht, ob ich schon bereit bin, eine neue Beziehung einzugehen. Ich werde es schon wissen, wenn ich den Richtigen treffe.«
Ihre Kundin schnalzte missbilligend mit der Zunge. »Ihre Zeit läuft. Sie möchten auf den Elternabenden in der Schule doch nicht die älteste Mutter sein.« Sie nickte Becca im Spiegel zu, als wäre das so ziemlich das Schlimmste, was passieren könnte. »Das ist schwierig für die Kinder.«
»Ich werde mir das zu Herzen nehmen«, murmelte Becca, während sie die letzte Folie von Mrs Williams Kopf zog. »Dann wollen wir die Haare mal waschen, ja?«
Das Gute am Haarewaschen war, dass man nicht reden und auch nicht zuhören musste, weil ja das Wasser lief. Becca war dankbar und erleichtert, denn sie brauchte ein paar Minuten, um sich zu sammeln. Becca hatte immer geglaubt, dass zwei Jahre ausreichen würden, damit ihr gebrochenes Herz heilte – zwei Jahre, um über den Mann hinwegzukommen, der sie am Abend vor ihrer Hochzeit sitzengelassen hatte. Es hätte genug Zeit sein müssen, um die Bitterkeit zu überwinden, die sie jedes Mal zu verschlingen drohte, wenn sie eine der Rechnungen bezahlte, die von der »Hochzeit, die nie stattgefunden hatte«, noch immer zu begleichen waren.
Aber es wurde nicht besser – es wurde immer nur noch schlimmer. Sie ärgerte sich von Tag zu Tag mehr.
Es war wenig hilfreich, dass auch der Rest von Painted Barrel jenen Tag nicht vergessen hatte und sich noch immer danach erkundigte. Natürlich taten die Leute das. Becca, die vor dem Altar stehen gelassen worden war (na ja, beinahe …), war der größte Skandal, den es in Painted Barrels langweiliger Geschichte je gegeben hatte. Sie war in der Gemeinde schon immer bekannt gewesen. Sie war lieb und nett, tat ihr Bestes, um zu jedem Menschen freundlich zu sein, führte ihren eigenen kleinen Salon und war zehn Jahre lang mit dem ehemaligen Captain des örtlichen Footballteams, dem gut aussehenden blonden Greg Wallace, zusammen gewesen.
Ach, Greg.
Greg war nicht gut darin, Entscheidungen zu treffen. Sie hatte zehn Jahre benötigt, um das zu kapieren, doch sobald ihr das erst einmal bewusst geworden war, hatte das einiges erklärt. Es erklärte, warum Greg nie das College beendet hatte und warum er keinen Job länger als ein oder zwei Jahre behalten konnte. Es erklärte, warum es in ihrer Beziehung so ein Hin und Her gegeben hatte – zuerst hatte er sich auch mit anderen treffen wollen, dann hatte er Becca zurückhaben wollen, hatte sich mit ihr verlobt und