KAPITEL 2
»Ich dachte schon, du kommst zu spät«, flüsterte Isabella mir zu.
Stöhnend ließ ich mich auf den Stuhl neben sie fallen. Den ersten Morgen nach den Ferien hatte ich mir entspannter vorgestellt. »Dachte ich auch.«
»Hast du verschlafen?«
Wenn’s nur das gewesen wäre! Eilig erzählte ich ihr, was heute früh passiert war.
Sie riss erschrocken die Augen auf. »Jetzt geht das alles von vorn los«, stöhnte sie und sprach damit genau das aus, was ich vorhin schon befürchtet hatte. Aufgeregt nagte sie an einem Fingernagel. »Dahinter steckt bestimmt Medusa.«
Die Vermutung lag nahe, denn diese KI hatte sich leider als ziemlich hartnäckig erwiesen. Wobei wir immer noch nicht herausbekommen hatten, was sie eigentlich von uns wollte.
»Ob wir ihr mit irgendetwas in die Quere gekommen sind?«, überlegte Isabella.
Ich schnaubte. »Immerhin haben wir neulich zwei ihrer Kommandozentralen aufgespürt und dabei ihre Hauptrechner zum Explodieren gebracht. Das könnte eine KI schon irgendwie reizen.«
Isabella grinste, dann wurde sie sofort wieder ernst. »Wir müssen endlich herausfinden, was sie von uns will. Vorher wird sie keine Ruhe geben.«
Üble Vorstellung, aber uns blieb keine andere Wahl. Während der Ferien hatte mich im Hinterkopf immer mal wieder der Gedanke beschäftigt, ob Medusa nicht doch wieder zuschlagen würde – und wann. Nun war es also so weit. Einerseits war es irgendwie eine Erleichterung, dass das Warten ein Ende hatte. Andererseits graute mir vor dem, was als Nächstes passieren würde. Medusa hatte sich als gefährlich erwiesen, besonders für Mama, Papa, Lorenzo und Opa. Ihnen durfte auf keinen Fall etwas passieren!
Isabellas Miene hellte sich auf. »Wenigstens haben wir einen Ansatzpunkt. Gleich nach der Schule nehmen wir uns diesen Roboter vor.«
Ich nickte. »Sag mal, hat es nicht längst geklingelt?« Alle saßen auf ihren Plätzen. Nur unsere Klassenlehrerin fehlte.
»He, wo bleibt Frau Watanabe eigentlich?« Damon schüttelte sein Smartphone, als wäre es ihm eine Antwort schuldig. »Spinnt meine Uhr oder was?«
»Das wäre noch dein geringstes Problem«, murmelte Isabella.
Er drehte sich zu ihr um. »Was hast du gesagt?«
Ava und Justus feixten und lehnten sich in ihren Stühlen zurück, als würden sie gleich eine exklusive Kinovorstellung bekommen.
»Jetzt keinen Stress«, mahnte Loretta und richtete sich auf. »Frau Watanabe kommt bestimmt jeden Moment.«
»Das ist echt seltsam«, wunderte Ahmed sich. »Sie ist doch sonst immer total pünktlich.«
Damon ignorierte die anderen und baute sich vor Isabella auf. »Ey, ich hab dich was gefragt. Was hast du da gebrabbelt? Wer hat hier Probleme?«
Manchmal konnte er wirklich hartnäckig sein. Allerdings auf eine unangenehme Weise. Wie ein Terrier, der ein Kaninchen im Nacken gepackt hielt und schüttelte.
Isabella ließ das allerdings völlig kalt, ebenso wie die Tatsache, dass er sich die Ferien anscheinend mit Bodybuilding vertrieben hatte, denn unter seinem Shirt spannten sich ein paar Muskeln, die vor ein paar Wochen definitiv noch nicht da gewesen waren.
Sie lehnte sich zurück und deutete auf ihre Brust. »Ich sag es mal