: Noam Chomsky
: Hegemonie oder Untergang Amerikas Kampf um die Weltherrschaft
: Nomen Verlag
: 9783939816874
: 4
: CHF 17.00
:
: Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
2/3 der Satelliten im All sind amerikanisch und tragen zur Stabilisierung der US-Dominanz bei. Um ihre strategischen Interessen und ihre Vormachtstellung im Weltraum auszubauen, beschlossenen die USA 2019, eine Armee - das Strategic Space Command - speziell fürs All zu gründen. Diese schon seit Präsident Clinton laufende Planung unter dem Titel »Vision for 2020« formulierte als Hauptziel: »Beherrschung der Weltraumdimension militärischer Operationen zum Schutz US-amerikanischer Interessen und Investitionen«. Noam Chomskys Klassiker von 2003, der nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat und lt. Penguin Books »Chomskys wichtigste Streitschrift gegen die amerikanische Außenpolitik« ist, beschreibt die Entwicklung der Außenpolitik der USA nach dem 2. Weltkrieg bis zum in den letzten Jahren in Osteuropa stationierten Raketenabwehrsystem BMD und der US-amerikanischen Beherrschung des Weltraums. Die Kosten dieser Strategie sind gigantisch und verschleudern finanzielle Ressourcen, die anderweitig sinnvoller eingesetzt werden könnten.

Noam Chomsky, Jahrgang 1928, ist Professor Emeritus am M.I.T. für Sprachwissenschaft und Philosophie. Er hat die moderne Linguistik revolutioniert und zahlreiche Bestseller über Politik verfasst. Chomsky ist einer der weltweit bekanntesten lebenden Intellektuellen und seit seinem Engagement gegen den Vietnamkrieg einer der prominentesten Kritiker der US-amerikanischen Politik wie auch des globalen Kapitalismus.

I. Hegemonie oder Überleben


Vor einigen Jahren hat einer der großen zeitgenössischen Biologen, Ernst Mayr, einen Aufsatz veröffentlicht, in dem er sich mit den Erfolgsmöglichkeiten der Suche nach außerirdischer Intelligenz beschäftigt.1 Er hält die Aussichten für sehr gering und sieht die Gründe in dem mangelhaften Anpassungsvermögen der spezifisch menschlichen Form geistiger Organisation. Seit der Entstehung des Lebens hat es, Mayr zufolge, an die 50 Milliarden Arten auf der Erde gegeben, von denen nur eine einzige »jene Intelligenz ausbildete, die zur Errichtung einer Zivilisation notwendig ist«. Das geschah vor etwa 100 000 Jahren, als eine kleine Gruppe höherer Lebewesen überlebte, von der wir alle abstammen.

Es könnte sein, spekuliert Mayr, daß die menschliche Gattung gerade aufgrund ihrer Intelligenz von der natürlichen Auslese nicht begünstigt wird. Zumindest biologisch widerlege die Geschichte des Lebens auf der Erde die Behauptung, daß »Klugheit besser ist als Dummheit«: Käfer und Bakterien z. B. seien überlebensfähiger als Menschen. Überdies betrage, bemerkt Mayr düster, »die durchschnittliche Lebenserwartung einer Art ungefähr 100 000 Jahre«.

Vielleicht bietet die Epoche, deren Beginn wir jetzt gerade erleben, eine Antwort auf die Frage, ob Klugheit besser ist als Dummheit, wobei die hoffnungsvollste Antwort allerdingskeine wäre, weil sich sonst herausstellen könnt