: Sophia Scheer
: Der Tote am Urfahraner Markt Der dritte Fall für Kommissarin Pölz
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962154738
: 1
: CHF 4.50
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 288
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Flitterwochen in Linz hat sich das frisch vermählte Paar aus Deutschland wahrlich anders vorgestellt: Zuerst finden die beiden eine menschliche Hand im Safe ihrer Honeymoon-Suite in St. Magdalena, dann entdecken sie im Riesenrad auf dem Urfahraner Markt einen toten Geschäftsmann aus Wels. Chefinspektorin Diana J. Pölz und Carlos See ermitteln zwischen Schießbuden, Bierseidln und Kokosbusserln.

3


Es stellte sich heraus, dass es doch keine so gute Idee gewesen war, für die Heimfahrt die schmale, wenig befahrene Straße durch den Wald zu nehmen. Die Brünette hatte schon seit einiger Zeit Probleme mit dem Sehen bei Nacht, und hier war es stockdunkel. Dicht stehende hohe Nadelbäume säumten die Fahrbahn zu beiden Seiten. Straßenlaternen, die ihr den Weg durch die Wohngegenden geleuchtet hatten, gab es in freier Natur nicht mehr. Bis vor wenigen Metern hatte sie sich noch an den weißen Holzpflöcken mit Rückstrahlern orientieren können, aber jetzt fehlten auch die. Sie traute sich nicht, schneller als Schritttempo zu fahren. In der Hoffnung, so ein wenig besser sehen zu können, lehnte sie sich weit nach vorne und kniff ihre Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. Wo war denn nur die verflixte Straße? Ah, da! Sie machte eine scharfe Linkskurve. So, jetzt über die Kuppe, sehr gut. Da, eine lange Gerade. Die Frau atmete auf und ließ sich im Sitz zurückfallen. Endlich konnte sie die Straße besser überblicken. Sie wurde mutig, erhöhte die Geschwindigkeit wieder, schaltete in den dritten Gang. Und in den vierten. Jetzt nur noch ...

Der Aufprall war so heftig und kam so unerwartet, dass sie, ohne nachzudenken, reflexartig das Richtige tat. Sie sprang mit beiden Füßen und voller Kraft aufs Bremspedal. Der Wagen kam nach wenigen Metern abrupt zum Stillstand, und der Airbag öffnete sich mit einem so lauten Knall, dass sie vor Schreck alles rund um sich vergaß. Vor allem aber verhinderte er, dass sie mit voller Wucht gegen das Lenkrad geschleudert wurde. Einige Augenblicke lang saß sie regungslos da, den Kopf mit geschlossenen Augen gegen die Sitzlehne gedrückt. Im Wagen war es wieder vollkommen still. Allerdings waren ihre Ohren durch den Knall so in Mitleidenschaft gezogen worden, dass sie bestimmt noch einige Zeit lang Mühe haben würde, gut zu hören. Der Steg ihrer Brille drückte unangenehm gegen die Nase. Ihre Finger betasteten eine Stelle an der rechten Wange. Sie fühlte sich an, als wäre sie verbrannt. Aufstöhnend lehnte sie sich wieder nach vorne, nahm die Brille ab und überprüfte die Gläser. Sie hatten nicht einen einzigen Kratzer abbekommen, obwohl das Gestell leicht verbogen war.

Ein Reh, dachte die Brünette benommen. Das musste ein Reh gewesen sein. Einsweet little Rehlein! Energisch wies sie sich selbst zurecht. So ein Unsinn! Die Lieder, die ihr immer noch in den Ohren dröhnten, machten sie noch ganz verrückt. Es konnte genauso gut ein Hirsch gewesen sein. Aber wie käme ein Hirsch ins Linzer Stadtgebiet? Der Wald war doch viel zu klein, um scheuen Wildtieren geeigneten Unterschlupf zu bieten. Und warum hatte sie das Tier nicht gesehen? Wieso hatte sie bloß den Weg durch den Wald nehmen müssen? Die Ingrid mit ihrem depperten Prosecco! Wäre sie doch nur die Freistädter Straße gefahren! War sie verletzt?

Sie betastete noc