: Sophia Scheer
: Bis die Fetzen fliegen Der zweite Fall für Kommissarin Pölz
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962154721
: 1
: CHF 4.50
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 304
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Gianni Delucci kann sein Glück kaum fassen: Am Vormittag wird sein lästigster Gläubiger ermordet, und am Nachmittag lernt er einen Mann kennen, der sein bankrottes italienisches Lokal in St. Florian retten will. Doch kurz darauf ist auch Gianni tot. Er wurde in die Luft gesprengt. Dass es Selbstmord war, darf bezweifelt werden. Chefinspektorin Diana J. Pölz drängen sich viele Fragen auf ...

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»Sie haben Glück, die Frau Doktor ist jetzt bereit, Sie zu empfangen.«

Frau Trude strich die weiße Schürze glatt, klopfte an der hohen weißen Flügeltür, beugte den Kopf vor, um das »Herein!« besser hören zu können, und hielt Diana die Tür zum Salon auf.

Wenn sie je in einem Raum gewesen war, der die Bezeichnung »Salon« verdient hatte, dann war es dieser. Mindestens viereinhalb Meter hohe, mit beigegrauer Seide tapezierte Wände, eine kunstvoll verzierte Stuckdecke, gegenüber der Tür mannshohe weiße Sprossenfenster, von denen man einen herrlichen Ausblick auf die weitläufigen Gartenanlagen hatte. Daneben eine Vitrine mit bunten Glasfiguren. Weitere Figuren standen auf dem Tischchen vor der ausladenden weinroten Couch. An der Wand rechts mehrere Jagdszenen in schweren goldenen Rahmen. An der Wand links, akkurat nebeneinanderhängend, Porträts von vier Männern in dunklen Anzügen. Die Standuhr in der Ecke daneben tickte laut und vernehmlich. Es war bereits zwanzig Minuten nach elf.

Der Rollstuhl neben dem prasselnden Kaminfeuer war leer. Die Hausherrin thronte am Kopfende des massiven Tisches. Eine große, hagere Frau, aufrecht wie die hohe, steife Lehne ihres Stuhls. Die weißen Haare waren hochgesteckt. Sie trug ein Hörgerät in beiden Ohren, eine dicke, schwere Silberkette und große silberne Ohrclips als einzigen Schmuck. Das Gewicht der Clips hatte die Ohrläppchen im Laufe der Jahre geradezu grotesk in die Länge gezogen. Der Anblick der Frau erinnerte Diana an ihre Großmutter, die strenge Frau Landesgerichtsrat Holzer, ebenfalls Mitte achtzig. »Natürlich habe ich keine Löcher in den Ohren, wo denkst du hin!«, hatte sich diese vor ein paar Jahren entrüstet, als Diana sie fragte, ob das Tragen der Clips nicht äußerst schmerzhaft wäre. »Ich bin schließlich eine Dame.« Gerade so, als hätte sie Diana nach einem Bauchnabelpiercing gefragt.

»Sind Sie gekommen, um mich anzustarren? Ich dachte, Sie hätten Fragen.« Die Stimme der Hausherrin klang streng.

Diana riss ihren Blick von den baumelnden Ohrclips los, beeilte sich zu grüßen, die Dienstmarke zu zücken und sich und ihren Kollegen See vorzustellen, der ihr, die Hände in den Taschen vergraben, langsam in den Salon gefolgt war. »Unser tiefstes Beileid zum Tod Ihres Sohnes.« Sie hasste es, diese Worte auszusprechen. Wie sollten sie eine betagte Mutter darüber hinwegtrösten, dass ihr Kind vor ihr gestorben war? Doch die Hausherrin schien keines Trostes zu bedürfen.

»Wer von Ihnen beiden leitet die Ermittlungen?«

»Ich!« Diana wunderte sich nicht, dass See hinter ihr unwillig schnaufte. Ihm wäre es anders lieber gewesen.

»Bravo! Endlich ist auch die Polizei so weit, Frauen gehobene Positionen