: Sophia Scheer
: Alles Tote kommt von oben Der erste Fall für Kommissarin Pölz
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962154714
: 1
: CHF 4.50
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 288
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Bernd Werner Grundlsee, Wiener Poet mit etwas verblasstem Weltruhm, zieht medienwirksam in den Linzer Mariendom, um als Turmeremit seine Memoiren zu schreiben. Kurz darauf fällt er 68 m in die Tiefe - und erschlägt dabei einen Studenten. 'Bad luck!', urteilt der Inspektor Karl-Heinz See, auch der schöne Carlos genannt, 'zur falschen Zeit am falschen Ort.' Selbstmord und Unfall, Akt abgeschlossen. Doch leider hat seine neue Chefin Diana J. Pölz auch noch ein Wort mitzureden. Und die hat Blut des Studenten in einer Seitenstrasse entdeckt. Wer bitte legt eine Leiche unter einen fallenden Selbstmörder? Als dann auch noch die Hollywood-Diva Caro LaBelle verschwindet, haben Diana und ihr - na ja, nennen wir es -Team alle Hände voll zu tun. Denn nichts ist so, wie es zuerst scheint.

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Die Nachricht, dass die Oscar-Preisträgerin Caro LaBelle, noch bevor sie nach Wien reist, beabsichtigt, in Linz Station zu machen, um einen ihrer seltenen, aber umso geschätzteren Cole-Porter-Abende zu geben, eine ganze Woche zu bleiben und dann auch noch Stargast bei »Wetten, dass...?« zu sein, macht rasch die Runde. In der Stadt. In Österreich. Im ganzen deutschsprachigen Raum. Weltweit?

Hans Pichler von der LIVEVE ist am Ziel seiner Träume. Der Herr Stadtrat gibt eine Pressekonferenz, und er darf direkt neben ihm sitzen, im gleißenden Scheinwerferlicht der nationalen und internationalen Presse. Der große Saal ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Pichlers Sekretärin ist hinter den Kulissen aufgeregt damit beschäftigt, Nachschub für den anschließenden groß angekündigten, aber viel zu knapp kalkulierten Imbiss heranzuschaffen, während vor den Kulissen der Stadtrat und Pichler mit stolzgeschwellter Brust Rede und Antwort stehen. Ja, natürlich ist es richtig, dass die LaBelle die ersten dreiundzwanzig Jahre ihres Lebens in Wien verbracht hat und in Wirklichkeit Caroline Schönhuber heißt. Wer erinnert sich nicht an die Filmtrilogie »Maria Theresia, Kaiserin unserer Herzen«, »Maria Theresias große Liebe« und »Maria Theresias schwere Zeiten«, in denen sie die Irrungen und Wirrungen der jungen Erzherzogin so anschaulich verkörperte? Die Filme lockten damals ebenso viele begeisterte Zuschauer in die Kinos wie die Sissi-Streifen mit der unvergessenen Romy Schneider.

»Ich war natürlich in den fünfziger Jahren noch nicht auf der Welt. Ich bin viel zu jung«, ist es dem Herrn Stadtrat, geboren am 2.1.1960, wichtig zu betonen, »aber meine Mutter hat mir erzählt, dass es damals so etwas wie einen regelrechten Glaubenskrieg gab. Wer ist unsere bessere Kaiserin? Die Romy oder die Caro, also Caroline, wie sie damals noch hieß?«

»Und wer hat gewonnen?«, fragt der Mann vom Sportmagazin, der eigentlich nur des Buffets wegen gekommen ist – der Herr Stadtrat ist bekannt dafür, dass ihm nur Feinstes gut genug ist - und plötzlich den vertrauten Duft eines Sieges wittert.

Aber so weit will sich der Stadtrat nun doch nicht aus dem Fenster lehnen. Schließlich gibt es jede Menge Wählerinnen und Wähler, die Romy Schneider glühend verehren. Warum sollte er die unnötig vergrämen? Darum sagt er, während Hans Pichler schon »Na, unsere Caro natürlich!« auf den Lippen hat, mit der Diplomatie, die ihn als Politiker von Format auszeichnet: »Es stand damals und steht bis heute unentschieden.«

»So ähnlich wie bei den Beatles und den Rolling Stones? Da gab’s in den Sechzigern doch auch einen Glaubenskrieg.« Der Mann von dem neuen Musikmagazin »30 Something« scheint sich auszukennen. Der Stadtrat stutzt kurz, gibt ihm aber dann recht. Je mehr berühmte Namen und Vergleiche fallen, desto besser für die Veranstaltung.

»Es heißt, LaBelle soll im nächsten James-Bond-Film die Mutter des Geheimagenten spielen. Was können Sie darüber sagen?« Ein Mann aus Deutschland. Der Stadtrat weiß nicht mehr genau, von welchem Blatt, und kennt auch das Gerücht nicht. Doch wer kann es ihm verdenken, dass er die Chance, die potenzielle Mutter von James Bond in Linz begrüßen zu dürfen